“Die Killer-Akademie” (Koch Films)

“Die Killer-Akademie” (Koch Films)

Regie: Sam Raimi

Darsteller: Bruce Campbell, Brion James, Edward R. Pressman, u.a.

Wie landet man als Unschuldiger in der Todeszelle? Am besten, indem man sich wie der schüchterne Angestellte Vic Hals über Kopf in die falsche Frau verliebt und dann zwei psychopathischen Profikillern über den Weg läuft. Die wurden nämlich von seinem Vorgesetzten angeheuert, einen unliebsamen Teilhaber zur Strecke zu bringen, was völlig außer Kontrolle gerät. Zeit für Vic, zum ganz großen Helden zu werden!

Nur drei Jahre nach seinem TANZ DER TEUFEL hat sich Kultregisseur Sam Raimi mit den späteren Oscar®-Preisträgern Joel und Ethan Coen (NO COUNTRY FOR OLD MEN) für diese humorvolle Hommage an die Schwarze Serie zusammen getan. Nebst Bruce Campbell ist auch Frances McDormand (FARGO) in einer frühen Rolle zu sehen in diesem voller schräger Ideen steckenden Genre-Wunderwerk.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Der Techniker Vic Ajax (Reed Birney, Blacklist, House of Cards) ist wegen eines Mordvorwurfs zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt worden. Doch wie konnte es dazu kommen? In Rückblenden erzählt der naiv-tollpatschige junge Mann von der attraktiven Nancy (Sheree J. Wilson, Walker, Texas Ranger), in die er sich Hals über Kopf verliebt, als sie vor seinen Augen von einem Wagen angefahren wird. Doch dies ist lediglich der Anfang einer Reihe wahnwitziger Vorfälle und Zufälle, die ihn nicht nur in lebensgefährliche Turbulenzen bringen, sondern letztendlich dazu führten, dass er in der Todeszelle landet…

Die Voraussetzungen waren hervorragend: ein Drehbuch, geschrieben von den Coen-Brüdern und dem langjährigen Freund Sam Raimi, der zudem die Regie übernahm, dazu eine bereits aufeinander eingespielte Crew vor und hinter der Kamera, doch trotzdem war die Produktion ein Alptraum. Joel und Ethan Coen hatten gerade mit Blood Simple ein vielbeachtetes Debüt vorgelegt, Sam Raimi mit seinem Erstling Evil Dead, an dem die Coens ebenfalls beteiligt waren, für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch war all dies keine Vorbereitung auf die Schwierigkeiten einer größeren Produktion, die gleichzeitig neben einem höheren Budget viel mehr Einmischung von unterschiedlichsten Seiten bedeutete. So gab es Probleme mit Studiobossen, die ihre eigenen Pläne zu verfolgen schienen, Produzenten und Geldgeber, die mit der wilden Mixtur des Drehbuchs überfordert waren und Gewerkschaften, die eisern ihre Vorgaben durchzusetzen versuchten. Rückblickend erklärt Darsteller Bruce Campbell, dass all diese Umstände zu einer hohen Anspannung und viel Stress führten, gleichzeitig jedoch viele wertvolle Erfahrungen mit sich brachte, die gemeinhin zu einem sogenannten „Crimewave-Barometer“ führte, welches nun immer dann anschlägt, wenn sich bei Dreharbeiten Ärger anbahnt. Aus heutiger Sicht bleibt festzustellen, dass die Zeit für die irrwitzige Vermischung von Film Noir, Musical und Slapstick noch nicht reif war, denn nach den katastrophalen und beschwerlichen Dreharbeiten ging der Film an den Kinokassen baden.

© Trailer: VHS Trailer Park

Koch Films veröffentlicht den bis dato nur schwer zu bekommenden und in den bisherigen Veröffentlichungen schlecht aufbereiteten Film Die Killer-Akademie (Originaltitel: Crimewave, USA 1985) als erstmals ungekürzte HD-Veröffentlichung im Mediabook mit zwei Cover-Varianten. Hier liegt der Film auf DVD und Blu-ray vor, wobei letztere von mir getestet wurde. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: LPCM 2.0 Stereo) sind auf einem durchweg soliden Niveau, erfreulich umfangreich ist das Bonusmaterial. Hier gibt es neben einem Audiokommentar von Bruce Campbell und Filmexperte Michael Felscher längere Interviews mit den Darstellern Reed Birney (16 Minuten), Edward Pressman (9 Minuten) und Bruce Campbell (15 Minuten), einen alternativen Vorspann-Titel, den Trailer und eine Bildergalerie.

Die Killer-Akademie ist ein völlig durchgeknallter, fröhlich-grotesker, alberner und verspielter film, der sich in keine Genre-Schublade pressen lässt. Er lebt von vielen aus heutiger Sicht amüsanten Anspielungen und Hinweisen auf damals zukünftige Filme der Beteiligten (z.B. The Hudsucker Proxy der Coen-Brüder), irritiert mit einem einfach unglaublichen Overacting und der bis in das kleinste Detail liebevollen und detailverliebten Ausstattung. Der Film ist ein auf die Leinwand geworfener Cartoon, bei dem jede Geste und Bewegung von einem BÄNG!, ZING! oder PLING! unterlegt ist, feste Schläge auf den Kopf (gerne auch mit Bratpfannen) einen wüst mit den Augen rollen lässt und man problemlos aus dem vierten Stock fallen kann und lediglich etwas belämmert aus der Wäsche guckt. All dies wird getragen vor schmissiger Musik und einer wahnwitzigen Kamera, die scheinbar schwerelos um das Geschehen kreist und einem auch heute noch beeindruckende Bilder und Kamerafahrten präsentiert. Die Killer-Akademie meistert fast durchgängig den Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, lebt von seinen völlig abgedrehten und irrwitzigen Ideen und nimmt sich in keiner Sekunde ernst. Jedoch muss man sich als Zuschauer darauf einlassen können und den gebotenen Wahnsinn annehmen, um ihn schätzen zu können. Diejenigen kommen dann auch an dieser wirklich schönen Veröffentlichung von Koch Films nicht vorbei!

Christian Funke