"Die letzte Rechnung schreibt der Tod" (filmArt)

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ (filmArt)

Darsteller: Claudio Cassinelli, Elio Zamuto, John Steiner, Sylvia Dionisio, Vittorio Mezzogiorno

Regisseur:Mario Caiano

Ein Raubüberfall auf ein großes Industriegebäude. Die Polizei umstellt das Haus. Zwei der Gangster können mit dem Geld fliehen, die beiden anderen erzwingen durch Geiselnahme ein Fluchtauto. Doch sie kommen nicht weit, denn das Benzin geht aus. Einer der Gangster wird an der Tankstelle erwischt, der andere, aus Zuhälterkreisen, flüchtet verletzt zu einer Prostituierten. Von ihr erfährt er, dass die mit dem Geld geflüchteten Komplizen in einem alten Schlachthof untergetaucht sind. Die Jagd nach dem Geld beginnt, ein Komplize traut dem anderen nicht über den Weg, jeder will den Hauptanteil. Wer im Weg steht wird kaltblütig liquidiert. Die letzte Rechnung schreibt der Tod…

© filmArt

Meinung zum Film:

filmArt präsentiert hier in einer erneut ansprechend reißerisch gestalteten Neuauflage den 70er Jahre-Klopper Die letzte Rechnung schreibt der Tod, inszeniert von „Nazi Love Camp 27“-Regisseur Mario Caiano. Dieser liefert mit seinem Beitrag, auch bekannt unter dem Originaltitel „Milano violenta“, einen weiteren, jedoch im Vergleich zu anderen Beiträgen relativ zahmen Baustein im berühmt-berüchtigten Puzzle der italienischen Polizieschi-Unterhaltung.

Die Story ist inhaltlich wenig überraschend aber herzlich direkt, denn hier werden, trotz einem für dieses Genre eher ungewöhnlichen Mangel an politischen oder ideologischen Kernaussagen, keine Gefangenen gemacht. Wir haben eine Zeit der deutlich behaarteren Hauptprotagonisten, die wenig zimperlich zur Tat schreiten. Denn die vier dissozialen und wenig teamfähigen Gangster, die nach dem Überfall auf eine Lohnkasse fliehen wollen, versuchen teils durch Geiselnahme ihre Haut zu retten. Nicht allen gelingt dies unbeschadet, doch nach der Polizei folgt nun der Bandenchef Raul (Claudio Cassinelli) den verbleibenden Flüchtlingen, um seinen Teil der Beute zu kassieren.

Nun gut, die Geschichte haut einem als Zuschauer inhaltlich nicht gerade die intellektuelle Birne von den Schultern, aber eine gehörige Portion Charme und Charisma kann man Die letzte Rechnung schreibt der Tod definitiv nicht absprechen. Ein funkiger Einstieg und eine dynamische Inszenierung stoßen gleichzeitig auf eine visuell herrlich triste Grundatmosphäre, die ein feist dreckiges Ambiente verströmt.

© Italo-Cinema Trailer

Erstmalig auf DVD erschien im Jahr 2013 in seiner unzensierten Fassung Die letzte Rechnung schreibt der Tod (Originaltitel: Milano violenta, Italien 1976) als Numero Uno der Polizieschi Edition. Diese schöne Edition ist mittlerweile schon lange ausverkauft und entsprechend schwer zu bekommen, weshalb filmArt hier mit einer auf 500 Exemplare limitierten Neuauflage in anderer, ebenfalls stilistisch nicht unbedingt subtilen, aber das Fanherz höher schlagenden Gestaltung Abhilfe schafft. Die DVD ist dabei inhaltsgleich zur ersten Veröffentlichung. Das Bild ist sauber aber etwas milchig und liegt in einem anamorphen 1,85:1 vor, der Ton ist im solide abgemischten 1.0 Mono ohne Originaltonspur. Im Bonusbereich befinden sich der Trailer und eine Programmübersicht.

Die letzte Rechnung schreibt der Tod ist ein auf Tempo und Action ausgelegter, herrlich charmanter B-Reißer, der jedoch nicht an die Qualität der Genre-Klassiker heranreicht. Für die damaligen Standards überraschend furios in Szene gesetzt und geschnitten, kann der Film dieses Tempo jedoch nicht über die gesamte Laufzeit halten. Somit ist Die letzte Rechnung schreibt der Tod für jene interessant, die Lenzi & Co. durch haben und nun auf der Suche nach einem neuem, dank filmArt gewohnt liebevoll bearbeiteten Genrebeitrag sind!

Christian Funke