Die “Prom Night - Box” (Koch Films)

Die “Prom Night – Box” (Koch Films)

Der Schulabschlussball – ein Quell unerschöpflicher Schrecken in der amerikanischen Horrorfilmgeschichte. Während in „Prom Night“ (1980) noch Scream Queen Jamie Lee Curtis mit den blutigen Folgen eines ungesühnten Verbrechens konfrontiert wird, schlägt sich „Prom Night 2“ mit dem böswilligen Geist einer vor 30 Jahren zu Tode gekommenen Ballkönigin auf die übernatürliche Seite. Von dort darf jene in „Prom Night 3“ zurückkehren, um Teenager Alex den Kopf zu verdrehen und ihn buchstäblich zur Hölle fahren zu lassen, bevor in „Prom Night 4“ ein von Dämonen besessener Mönch unter der frivolen Abschlussball-Jungschar aufräumen darf.

Die legendäre „Carrie“ mag als eine der ersten den Schulabschlussball als Ort echten Horrors erschlossen haben, aber erst mit „Prom Night“ ging ab 1980 der Kult um Ballköniginnen und blutige Morde in Serie. Zunächst mit Jamie Lee Curtis und Leslie Nielsen noch auf klassischen Slasher-Pfaden wandelnd, folgte die für ihre expliziten Schockszenen gerühmte Reihe zunehmend übernatürlichen Pfaden, die bis 1992 immerhin ein paar Dinge gemeinsam hatten: Ballköniginnen, schöne junge Menschen, vor allem aber: Jede Menge Blut!

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Horror an der Hamilton High…

Die Prom Night, also der Abschlussball, ist ein in den USA traditioneller Brauch, der das Ende eines Highschool-Jahres bedeutet und vergleichbar mit dem hiesigen Abi-Ball ist, jedoch einen gesellschaftlich deutlich höheren Stellenwert besitzt und oftmals unter einem bestimmten Motto und entsprechender Kleiderordnung steht und von der Schulleitung ausgerichtet wird. Hier trifft also eine gesellschaftlich hoch angesehene Festivität auf Alkohol, Tanz und häufig überschäumende Hormone, was somit als ideale Grundlage für US-amerikanische Spielfilme dient. Einer dieser Filme hat es mittlerweile sogar auf drei Fortsetzungen und ein Remake gebracht, nämlich der hier vorliegende Prom Night – Die Nacht des Schlächters (Originaltitel: Prom Night, Kanada 1980), der bei Koch Films neu abgetastet und uncut sowohl als Einzelfilm, so wie als Collection mit allen vier Teilen veröffentlicht wird.

Prom Night I:

 

© Trailer: SynapseFilms

Regisseur Paul Lynch (The Keeper), der hier ein Drehbuch von William Gray und Robert Guza Jr. verfilmt, beginnt seinen Film im Jahr 1974, wo er eine Gruppe Kinder beim Spiel zeigt, welches eine dramatische Wende nimmt. Dann erfolgt ein Schnitt in die damalige Gegenwart des Jahres 1980, wo sich die Schüler der Hamilton High School, zum Teil bestehend aus den Kindern der Rückblende, für den traditionellen Abschlussball vorbereiten. Doch dieser wird erheblich durch einen Killer gestört, der brutal seine Opfer hinrichtet.

Lange Jahre indiziert, erfolgte 2009 die Freisprechung und Neuprüfung des bekannten Slashers, Koch Films veröffentlicht diesen nun als alleinstehendes Mediabook und als diese mir zur Ansicht vorliegende Collection, die das Original und die drei Fortsetzungen auf DVD enthält. Prom Night, mit Scream Queen Jamie Lee Curtis und Leslie Nielsen in einer seiner ernsten Rollen ansprechend besetzt, ist dabei ein solider, aber aus heutiger Sicht etwas geradliniger Horrorfilm, der zwar sehr gut unterhält, inhaltlich jedoch relativ wenig Neues zu bieten hat. Hier jedoch darf man natürlich nicht vergessen, dass er seinerzeit einer der Vorreiter des Genres war und auch entsprechend nicht mit heutigen Erwartungen und Standards bewertet werden darf. Deshalb kann ich nur bemerken, dass ich mich gut unterhalten habe und der Film im Vergleich zu manch anderem Genrebeitrag relativ gut gealtert ist. Bild (1,85:1/16:9) und Ton (Englisch: Dolby Digital 5.1; Deutsch: Dolby Digital 2.0, zudem gibt es noch einen Audiokommentar) der mir vorliegenden DVD befanden sich dank einer gelungenen Neuabtastung auf einem guten Niveau. Zudem stellte man mir noch eine Bonus-DVD zur Verfügung, die das knapp vierzigminütige Featurette „The Horrors of Hamilton High“, 22 Minuten an Outtakes, erweiterte und ergänzende Szenen der TV-Fassung mit einer ausführlichen Erklärung des Cutters, Trailer, TV- und Radio-Spots und eine Bildergalerie enthielt.

Prom Night 2 – Hello Mary Lou:

 

© Trailer: Horror Baby

Obwohl Prom Night ein großer Erfolg war, sollte es ganze sieben Jahre dauern, bis eine Fortsetzung inszeniert wurde. Dieser hieß Prom Night 2 – Hello Mary Lou (Originaltitel: Hello Mary Lou: Prom Night II, Kanada 1987) und sollte inhaltlich herzlich wenig mit dem Vorgängerfilm zu tun haben. Denn Prom Night II beginnt im Jahr 1957, wo Mary Lou Maloney es auf dem Abschlussball mit der Treue nicht so genau nimmt und bei einem unüberlegten Streich ihres eifersüchtigen Freundes tragischerweise ums Leben kommt. Doch 30 Jahre später kommt ihr Geist zurück und übernimmt den Körper der jungen Vicki, um blutige Rache zu nehmen.

Regie führte diesmal Bruce Pittman, dem es gelang, Michael Ironside für eine tragende Rolle gewinnen zu können. Ihm gelang ein Horrorfilm, der die klassischen zutaten des 80er Jahre-Genrefilms nutzt und dadurch auf charmante Weise nostalgische Gefühle weckt. Ein paar erstaunlich explizite Nacktszenen und einige derbe Effekte runden den Film ab, der inhaltlich nicht unbedingt überraschend, jedoch ebenfalls unterhaltsam ist. Auch dieser erscheint neuabgetastet und ungeschnitten, Bild (1,33:1/16:9) und Ton (Deutsch & Englisch: Dolby Digital 2.0) können ebenfalls überzeugen. Im Bonusbereich befinden sich der Trailer und der Hauptfilm in Open Matte.

Prom Night 3 – The Last Kiss:

 

© Trailer: Pyrkenstein

Prom Night 3 – The Last Kiss (Originaltitel: Prom Night III: The Last Kiss, Kanada 1990) hingegen ist dann eine überdreht wirkende Horrorkomödie, bei der der ruhelose Geist der Mary Lou aus einer Juke-Box wiedererweckt wird und einen hormongesteuerten Pubertisten manipuliert. Der komplette Film, inszeniert von Ron Oliver und Peter R. Simpson, nimmt sich an keiner Stelle ernst und parodiert mit teils derben Szenen sämtliche gängigen Genreklischees. Koch Films bringt auch diese Zombie-Prom Night-Komödie unzensiert und neu aufbereitet in guter Qualität (Bild: 1,33:1/16:9; Ton: Deutsch & Englisch: Dolby Digital 2.0). Im Bonusbereich befinden sich die alternative TV-Fassung und der Originaltrailer.

Prom Night 4 – Deliver us from Evil:

 

© Trailer: Pyrkenstein

Wer nun glaubt, dass die darauffolgende Fortsetzung uns erneut den Geist der Mary Lou Maloney präsentiert, den muss ich enttäuschen. Denn Prom Night 4 – Deliver us from Evil (Originaltitel: Prom Night 4: Deliver Us from Evil, Kanada 1992) konfrontiert uns mit dem ziemlich linientreuen Priester Jonas, den seine Kollegen weggeschlossen wurde, da er Ungläubige und Abtrünnige, speziell triebgesteuerte Teenager, auf blutige Weise richtet. Regie führte Clay Borris, der hier Nicole de Boer für eine Rolle gewinnen konnte. Der Film schwankt zwischen Spannung, stimmiger Atmosphäre und trashiger Unlogik, wenn zum Beispiel die Hauptfigur nach Jahrzehnten als einzige Person nicht gealtert ist, oder bei Kleinigkeiten direkt alles explodiert. Aber geschenkt, denn der Film besitzt einen gewissen Charme und weiß zu unterhalten. Ebenfalls ungeschnitten sind auch hier Bild (1,33:1/16:9) und Ton (Deutsch & Englisch: Dolby Digital 2.0) auf einem guten Niveau. Im Bonusbereich befindet sich lediglich der Originaltrailer.

Die klassische Prom Night – Reihe ist eine herrlich abwechslungsreiche, stellenweise erstaunlich harte und in ihrem B-Movie-Charme unterhaltsame Filmreihe, die einem hier dank Koch Films unzensiert und in guter Qualität zur Verfügung gestellt wird. Wer sie noch nicht kennen sollte und ein Faible für derartige Filme hat, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Christian Funke