"Die purpurnen Flüsse" (Edel: Motion)

„Die purpurnen Flüsse“ (Edel: Motion)

Die überzeugende Serienadaption des französischen Kultfilms Die Purpurnen Flüsse

Wann immer sich außergewöhnliche, grausame Mordfälle ereignen, werden Kommissar Pierre Niémans (Olivier Marchal) und seine junge Kollegin Camille Delaunay (Erika Sainte) an den Tatort gerufen. Die beiden erfahrenen Ermittler arbeiten für das „Zentralbüro für Gewaltverbrechen“ und werden in die entlegensten Regionen Frankreichs entsendet, um komplexe Fälle zu lösen, welche die örtlichen Polizeibehörden überfordern. Jeder der vier bizarren Fälle hat eine mysteriöse Anmutung basierend auf regionalen Mythen oder vergessenen Bräuchen. Niémans und Delaunay sollen zwar den Behörden mit Rat und Tat zur Seite stehen, doch die Pariser Ermittler arbeiten am liebsten als Zweierteam, übernachten gerne mal am Ort ihrer direkten Mordermittlung und konfrontieren Zeugen, Tatverdächtige und ihre Kollegen in der Provinz mit hintersinnigen Fragen und unbequemen Wahrheiten.

© Edel: Motion

Meinung zur Veröffentlichung:

Dem 1961 in Paris geborene Schriftsteller und Journalist Jean-Christophe Grangé gelang direkt mit seinem Debütroman Der Flug der Störche der internationale Durchbruch. Deutlich merkt man seinen Romanen an, dass ihr Schöpfer auf der einen Seite über eine sehr bildhafte Phantasie verfügt und ein zweites Standbein als Drehbuchautor hat. So wurden einige seiner Romane verfilmt und Grangé verfasste dazu die Drehbücher. Sein wohl größter Erfolg war die Verfilmung seines Buches Die purpurnen Flüsse (geschrieben 1998, verfilmt zwei Jahre später), dem noch eine Fortsetzung für die große Leinwand spendiert wurde, dessen Potenzial jedoch damit noch nicht verbraucht schien, so dass man dreizehn Jahre später eine TV-Serie mit den Romanfiguren konzipierte. Man konnte den Schriftsteller gewinnen, weitere Fälle für seinen raubeinigen Ermittler Pierre Niémans (nach Jean Reno nun von Olivier Marchal verkörpert) zu schreiben. Ihm zur Seite stellte man die junge Kollegin Camille Delaunay (Erika Sainte), die vielleicht im Temperament etwas zurückhaltender ist, jedoch keine Gefahr scheut.

Die vier Doppelfolgen („Melodie des Todes“, „Tag der Asche“, „Kreuzzug der Kinder“ und „Die letzte Jagd“) präsentieren weitere Fälle für den wenig zimperlichen französischen Ermittler, die sich inhaltlich vielleicht unterscheiden mögen, ihnen gemein jedoch ist der Blick auf das abgrundtief Böse. Das mag jetzt etwas überdramatisiert klingen, jedoch ist die Stärke Grangés ein faszinierendes Ausloten der dunklen Seiten. Ob er dies in einem Kloster, in einer strenggläubigen Sekte, einem Kinderheim oder eine schwerreichen Familie macht, in allen Fällen erleben wir die schrecklichsten Taten, zu denen Menschen fähig sein können. Sind die ersten beiden Episoden noch im weitesten Sinne an religiöse Themen angelehnt, entfernt man sich davon bereits in der dritten Episode. Dies mag nicht stören, ich jedoch fand gerade deshalb die ersten beiden Episoden fesselnder, als die zweite Hälfte der Staffel. Denn spätestens hier muss man bei all der Spannung feststellen, dass die Drehbücher zahlreiche Klischees bemühen und im Gegenzug auf eine glaubwürdige Charakterskizzierung verzichten. Hier werden viele fragen aufgeworfen und Themen angeschnitten, ohne diese weiter zu verfolgen. Dies ist schade, da hier einiges an vorhandenem Potenzial verschenkt wird und zu einer tieferen Verbindung zwischen Zuschauer und Hauptfiguren geführt hätte. Da die Fälle trotzdem auf dem Spannungsniveau solide überzeugen konnten, hoffe ich auf weitere Fälle, in denen man dann vielleicht auch die Chance nutzt, mehr über die Ermittler zu erzählen.

 

© Trailer: Krimi Kollegen

 

Edel: Motion veröffentlicht die Serienadaption Die purpurnen Flüsse (Originaltitel: Les Rivières pourpres, Belgien, Deutschland, Frankreich 2017) auf DVD, Blu-ray und digital. Die erste Staffel besteht aus vier Doppelfolgen in Spielfilmlänge, die jeweils einen Fall behandeln. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die die vier jeweils etwa 95 Minuten langen Fälle auf zwei Discs verteilt. Bild (1080i/25, 16:9) und Ton (Deutsch & Französisch: dts-HD Master Audio 5.1) waren auf einem qualitativ überzeugenden Niveau, als Bonus gab es eine Programmübersicht.

Mit den bisherigen vier Fällen der TV-Adaption Die purpurnen Flüsse bekommen wir harte, sehr düstere TV-Unterhaltung mit überzeugenden Darstellern und einigen spannenden Geschichten. Wer die Filme mochte, wird an der Serie seinen Spaß haben.

Christian Funke