„Die Wikinger“ (Capelight Pictures)

„Die Wikinger“ (Capelight Pictures)

Im Kindesalter ist Eric (Tony Curtis) von Wikingern entführt und versklavt worden. Die Barbaren haben nicht gewusst, dass es sich bei dem Jungen um den unehelichen Sohn handelt, den der grausame Wikingeranführer Ragnar mit der englischen Königin während eines Raubzugs gezeugt hat. Auch Eric weiß nichts über seine Herkunft, die ihn zum Halbbruder von Einar (Kirk Douglas) macht, dem Sohn und zukünftigen Erben des Wikingerhäuptlings. Unwissend über ihr Verwandtschaftsverhältnis, stehen sich die beiden Männer im Krieg zwischen Wikingern und Engländern voller Hass gegenüber. Ihre Feindschaft wird befeuert, als sich beide in die englische Prinzessin Morgana (Janet Leigh) verlieben. Einar nimmt sie gefangen, doch Eric gibt nicht kampflos auf und setzt alles daran, sie zu befreien.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Die Wikinger waren, glaubt man den Überlieferungen, ein raues Völkchen. Versierte Seefahrer, die kämpferisch jedoch keine Länderein erobern wollten, sondern lediglich loszogen, um zu plündern und, sollte es unvermeidbar sein, im Kampf aufrecht zu sterben und nach Walhalla zu fahren. Bei einem dieser Raubzüge tötet Ragnar (Ernest Borgnine) den König von Northumbria und vergewaltigt dessen Frau, die er dabei schwängert. Enid trägt das Kind aus, schickt es jedoch heimlich nach Italien, da sie fürchtet, dass der Cousin des getöteten Königs, der nun der Thronnachfolger ist, den rechtmäßigen Erben umbringen würde. Zwanzig Jahre später flieht der ehemalige Vertraute des verstorbenen Königs, Lord Egbert (James Donald) und findet Unterschlupf bei Ragnar. Hier trifft er auf den Sklaven Erik (Tony Curtis), den er als den verschollenen Königssohn identifiziert. Der Beginn eines verhängsnisvollen Verlaufs…

Die 1950er Jahre gelten als die goldene Ära Hollywoods und steht sinnbildlich für pompös ausgestattete und aufwändig inszenierte Monumentalepen. Ende der 50er neigte sich diese Ära ihrem Ende und als einer der letzten Vertreter wird häufig Richard Fleischers The Vikings genannt. Fleischer (Conan der Zerstörer, Soylent Green), ein versierter Handwerker, der es gewohnt war, den Widrigkeiten der Filmstudios zu trotzen, um seine Ideen zu verwirklichen, nutzte die Macht seines Produzenten Kirk Douglas, um gemeinsam die Idee eines sehr realitätsnahen, in kleinsten Details authentischen Wikingerfilms zu drehen. Man begab sich an die Originalschauplätze in den Fjorden Norwegens, suchte die Unterstützung zahlreicher Museen und schuf in einem Jahr alles, was nötig war, um die Wikinger zum Leben zu erwecken. Das Drehbuch, welches von Dale Wasserman (Cleopatra) und Calder Willingham (Die Brücke am Kwai, Die Reifeprüfung) verfasst wurde, erinnert in seiner inhaltlichen Konstellation an die klassischen Dramen Shakespeares und gibt den Darstellern die Bühne, im großen Stil zu spielen. Dabei konnte Fleischer neben seinen Darstellern auch Orson Welles (in der deutsch Synchronisation ist es Curd Jürgens) als Erzähler gewinnen, so dass Die Wikinger auch aus filmhistorischer Sicht spannend ist. Der Film ist ein trotz seiner sehr ruhigen Erzählweise faszinierender, auf charmante Weise altmodischer Abenteuerfilm, der eine Bereicherung des an guten Filmen raren Genres darstellt.

Capelight Pictures veröffentlichen den zu Unrecht fast vergessenen Abenteuerfilm Die Wikinger (Originaltitel: The Vikings, USA 1958) als schön gestaltete Blu-ray-Premiere als gewohnt hochwertig aufgemachte 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook. Hauptfilm und Bonusmaterial liegen auf einer Blu-ray- und einer DVD-Disc vor, Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: PCM 2.0) der von mir getesteten Blu-ray waren für einen Film dieses Alters auf einem qualitativ guten Niveau. Im Bonusbereich gab es das knapp halbstündige Special Eine Geschichte über Norwegen, in welchem Regisseur Richard Fleischer über die Dreharbeiten, die Zusammenarbeit mit Kirk Douglas und die gemeinsamen Bemühungen, einen authentischen Wikingerfilm zu inszenieren, berichtet. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch den Trailer, Programmtipps und einem 24 Seiten starken Booklet, in welchem Autor Nicolai Bühnemann u.a. ausführlich auf das Schaffen des vielseitigen Regisseurs, Kirk Douglas und seine Filmfiguren und den Spielfilm eingeht.   

Richard Fleischers Die Wikinger ist ein farbenprächtiger, hervorragend besetzter und sehr detailverliebter Abenteuerfilm, der auch nach über 60 Jahren noch einen nicht zu leugnenden Charme besitzt. Ein Film aus einer längst vergangenen Ära Hollywoods, den jeder Filmfreund in seiner Sammlung haben sollte. Dank Capelight Pictures endlich in einer Veröffentlichung, die keine Wünsche offen lässt.

Christian Funke