"Django - Sein Gesangbuch war der Colt" (explosive media)

„Django – Sein Gesangbuch war der Colt“ (explosive media)

Regie: Lucio Fulci

Darsteller: Franco Nero, George Hilton, Nino Castelnuovo, Giuseppe Addobbati, Tom Felleghy, Sal Borgese, John Bartha u.a.

Django kehrt in seinen Heimatort zurück und muss mit Entsetzen feststellen, dass die Ranch seiner Familie an den alles beherrschenden Scott-Clan verkauft wurde. Als er kurz darauf ein gut gehütetes Familiengeheimnis aufdeckt, bringt er eine Kette von Ereignissen ins Rollen, die alles unwiederbringlich verändern.

Die meisterhafte Regie von Lucio Fulci wird durch das gelungene Drehbuch von Fernandi Di Leo (NAVAJO JOE) und die schauspielerischen Meisterleistungen Franco Neros und George Hiltons unterstützt. Ein Italo-Western, der seinesgleichen sucht.

© explosive media

Meinung zur Veröffentlichung:

Der Goldwäscher Tom „Django“ Corbett (Franco Nero) kehrt nach Hause zurück. Doch er muss feststellen, dass das Familiengrundstück inklusive dem dazugehörigen Land mittlerweile dem wohlhabenden Mr. Scott (Giuseppe Addobbati, Sartana – Bete um Deinen Tod) gehört. Scott und sein skrupelloser Sohn (Nino Castelnuovo, Der englische Patient) regieren in ihrem Revier mit eiserner Härte. Doch Tom und sein Bruder Jeff (George Hilton, Gewalt über der Stadt) provozieren den Scott – Clan, speziell Scott Jr., bis die Situation eskaliert…

Der Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler Lucio Fulci (* 17. Juni 1927; † 13. März 1996) dürfte den meisten Filminteressierten wegen seiner Beiträge im Horrorgenre bekannt sein. Doch tatsächlich bewegte sich Fulci künstlerisch durchaus souverän in vielen Genres, so dass er mit seinen knapp sechzig Filmen nahezu alle Genres, auch den Italowestern, bediente. Seinen ersten Western drehte er 1966 mit dem grandiosen Titel Le colt cantarono la morte e fu… tempo di massacro, was übersetzt in etwa Die Colts besangen den Tod… und es war die Zeit des Massakers bedeutet. Da jedoch Corbucci mit Django, der zeitlich später gedreht wurde, aufgrund diverser Umstände jedoch vor Fulcis Film in die Lichtspielhäuser kam, einen großen Erfolg in den Kinos verbuchen durfte, wurde in Deutschland flugs Django in den Titel eingebaut, denn schließlich spielte auch hier Franco Nero die Hauptrolle.

Anfangs verkannt, mauserte sich Django – Sein Gesangbuch war der Colt zu einem kleinen Klassiker des Genres, der vielleicht nicht unbedingt an die zeitlosen Meisterwerke des Italowestern heranreicht, jedoch mit seinem erzählerisch dunklen Grundton, einer ungewöhnlichen Ernsthaftigkeit mit leichtem Hang zur Verbitterung und seinen in ihren Handlungen wenig zimperlichen, innerlich zerrissenen Charakteren lange nachwirken sollte. Fulcis Westerndebüt glänzt mit einer lässigen Kameraarbeit und vielen ungewöhnlichen Perspektiven und Blickwinkeln, ist in den Actionsequenzen und den reichlich derben Shoot-outs gut choreografiert und bietet ein beeindruckendes Finale, bei dem sich am Ende symbolträchtig die blutbefleckten weißen Tauben in den Himmel erheben. Musikalisch eingängig von Lallo Gori (Adios Companeros, Zinksärge für die Goldjungen) untermalt, erfährt der von 1982 bis 2007 in Deutschland indizierte Django – Sein Gesangbuch war der Colt in dem hier vorliegenden Mediabook eine würdige Veröffentlichung!

© Trailer: The Spaghetti Western Database

Django – Sein Gesangbuch war der Colt (Originaltitel: Le colt cantarono la morte e fu… tempo di massacro, Italien 1966) erscheint bei explosive media als HD-Premiere mit einem neuen 4K-Master im schön gestalteten Mediabook mit zwei auf jeweils 1.000 Stück limitierten Covermotiven. Die Veröffentlichung beinhaltet den Film auf DVD und Blu-ray, letztgenanntes Medium wurde von mir getestet. Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch, Italienisch und zweimal Englisch: dts-HD Master Audio 2.0) sind auf einem für einen Film dieses Alters qualitativ hervorragenden Niveau! Dazu gibt es einen Audiokommentar der Deadline-Redakteure, eine Galerie seltener Artworks, ein kurzes Interview mit Franco Nero, zwei längere Interviews (einmal 10 Minuten und einmal 20 Minuten) mit dem im letzten Jahr verstorbenen George Hilton, ein siebzehnminütiges, herrlich grantiges und launisches Audiointerview mit Regisseur Lucio Fulci, welches um 1990/`91 geführt worden sein muss und den italienischen Trailer. Abgerundet wird diese phantastische Veröffentlichung mit einem vierzigseitigen, reich bebilderten Booklet, wo Autor Leonhard Elias Lemke in seinem Essay über den Werdegang Fulcis, seine Filme und speziell seine Western, die Django-Filme Franco Nero und George Hilton berichtet. Ein speziell für den Italo-Western-Fan sehr interessantes und lesenswertes Booklet!

Mit Django – Sein Gesangbuch war der Colt präsentiert Lucio Fulci seinen ersten Ausflug in das Genre des Italo-Western. Vielleicht nicht ganz so filigran wie die Leone-Beiträge, nicht ganz so ruppig wie Corbucci, aber von einer tiefen Intensität, atmosphärisch und in seiner Bildsprache extrem gelungen, weiß der Film auch heute noch zu gefallen! Ein wenig zimperlicher (mit seiner FSK 18-Freigabe allerdings vielleicht etwas zu hoch eingestufter) Genrebeitrag, der speziell mit seinem atemberaubenden Finale aus der Masse hervorsticht und dem hier endlich eine angemessene Veröffentlichung spendiert wird!

Christian Funke