Dog Bite Dog

Dog Bite Dog

Dog Bite Dog
(KinoKontrovers)

Dem asiatischen Kino gelingt etwas, was sonst in vergleichbarer Form kaum zu finden ist: es erfindet sich in regelmäßigen Abständen neu. Imme wieder erlebt man Zeiten, wo der dortige Filmmarkt für offiziell tot erklärt wird, doch dass dies bekanntlich länger leben, zeigt sich dann auch immer wieder deutlich. Bei der Reanimation wirken dann alte und neue Regisseure gleichermaßen daran, eine kleine oder große filmische Revolution zu starten, und die Zuschauer zu faszinieren.

Manche Regisseure nutzen die Chance, um erstmals beweisen zu können, was wirklich in ihnen steckt. Einer von ihnen ist der Regisseur Pou-Soi Cheang des hier vorliegenden visionären Meisterwerks Dog Bite Dog, der nach einer Reihe eher belangloser Filmchen mit Home Sweet Home und Love Battlefield bewiesen hat, das viel mehr in ihm steckt.
Sein Film Dog Bite Dog ist nun das radikalste Werk, was mir seit langem unter die Augen gekommen ist! Die Geschichte, die Umsetzung, der Sound, alles ist so garstig und böse in Szene gesetzt, dass es einem als Zuschauer schmerzt! Hier hat das, manchmal arg strapazierte CAT III – Siegel seine volle Berechtigung!

Die Geschichte dreht sich um einen kambodschanischen Auftragskiller Pang, der emotionslos seine Aufträge auch unter schwierigsten Bedingungen ausführt. Als Kind unter extremsten Bedingungen herangewachsen (die Kinder mussten eine Art Hahnenkampf für Schaulustige veranstalten, der Gewinner bekam dann die Nahrung), nahm ihm das die Fähigkeit, Emotionen zu fühlen. Erst als er, den Mord an eine Staatsanwältin ausführend, dabei recht schnell von der Polizei gefasst, und unter den Beamten und unschuldig Anwesenden ein Blutbad veranstaltend, auf der Flucht ist, lernt er auf einer Müllkippe ein junges Mädchen kennen, welches regelmäßig von ihrem Vater vergewaltigt wird. Diesen beseitigt er sofort, um dann gemeinsam mit dem Mädchen zu fliehen. Dabei wird er von einem manischen Polizisten gejagt, dessen Kollegen er auf dem Gewissen hat. Es entwickelt sich ein Katze und Maus – Spiel, welches in seiner Dramatik und Rasanz selten so zu sehen war.
Der Schauspieler Edison Chen (bekannt aus The Grudge 2, Infernal Affairs oder The Twin Effect) liefert als Auftragskiller ebenso eine hervorragende Leistung wie sein Kollege Sam Lee als manischer Cop (gerne gesehen in Gen – X Cop, Bio Zombie, Beast Cop oder One Nite in Mongkok).
Aber der wahre Schauwert ist die Inszenierung. Dreckige, braun-graue Färbung, trostlose Umgebung, deprimierte Menschen mit verstörenden Biografien, alles unterlegt mit einem passenden Soundtrack der zwischen Industrialklängen, Soundcollagen und Gitarrenspiel wechselt! Grandios auch die ungewöhnlichen Kamerafahrten, die einem verstörende Perspektiven liefert, und so dem Zuschauer visuell den Boden unter den Füssen wegzieht in dem er ihn seiner Orientierung beraubt. Dog Bite Dog ist so angenehm wie ein harter Tritt in den Bauch! Trotzdem ist es faszinierend, die Charaktere zu ergründen und ihren wirklich fesselnden Weg nach ganz unten zu verfolgen. Für mich eines der absoluten Highlights desmodernen asiatischen Kinos!!!

Die Veröffentlichung von Kino Kontrovers glänzt durch eine perfekte Umsetzung. Sound und Bild sind hervorragend abgemischt, die druckvolle und wuchtige DTS – Tonspur liefert den passenden Druck für dieses verstörende Klanggebilde. Die Aufmachung entspricht den anderen Veröffentlichungen der Reihe, so ist auch hier die Verpackung eine Buchform, in welcher sich auf der linken Seite in diesem Fall zwei DVDs befinden, auf der rechten Seite dafür ein informatives Booklet mit Szenenbildern und Texten von Marcus Popescu beinhaltet. Im Bonussektor der zweiten Disc findet der geneigte Zuschauer dann Trailer, eine Fotogalerie, Featurettes, am Set von Dog Bite Dog, nicht verwendete Szenen, Ansichten zum Film, und einiges mehr.

Dog Bite Dog wimmelt von genialen Ideen. Etwa, als der Vermittler der Polizei den Killer in ein Gespräch verwickeln will, um ihn zur Aufgabe zu überreden, dieser aber kein Wort versteht, da er dieser Sprache nicht mächtig ist, oder die Momente, wo in all der Hektik und Brutalität die anrührende Fürsorge für das junge Mädchen den sonst kalt reagierenden Killer menschlich erscheinen lassen. Die Kunst, Emotion und Gewalt unter einen Hut zu bekommen, und dabei ein faszinierendes Gesamtwerk hinzubekommen, zeigt, zu was Kino auch heute noch in der Lage ist.
Ein zwar meistens trüber und zynischer, aber durchweg faszinierender und mitreißender Film, der auch fünf Jahre nach seiner Entstehung immer noch wegweisend ist!

CFS