Dogtooth

Dogtooth

Uuuhh, ein Film, wie ich ihn als Zuschauer liebe, aber als Rezensent extrem schwierig zu beschreiben finde.
Der griechische Film Dogtooth von Regisseur Giorgos Lanthimos (Kinetta) ist sperrig, verstörend und bietet wenig Ansätze, auch nur einem der Charaktere so was wie Sympathie entgegenzubringen. Das er aber trotz dieser schwierigen Grundvoraussetzung soviel Beachtung findet, ja sogar neben unzähligen Festivalpreisen eine Oscarnominierung als „Bester fremdsprachiger Film“ einheimste, liegt dann eindeutig an der hervorragenden Darstellung der Geschichte und der überzeugenden Performance der Darsteller. Dazu bedient sich der Regisseur zudem noch eines sehr eigenwilligen Drehstils, der durch abrupte Schnitte, wenigen Dialogen und dem Verzicht auf einen Soundtrack akzentuiert wird.
Die Story erinnerte mich ein wenig an den grandiosen Bad Boy Bubby, und handelt von einer Familie, bestehend aus den Eltern, zwei Töchtern und einem Sohn. Da die Eltern der Überzeugung sind, dass alles außerhalb des heimischen Grundstücks böse und verdorben ist, haben sie einen hohen Zaun darum gezogen, und halten sich nur in diesem „geschützten“ Bereich auf. Einzig der Vater hat durch seine Arbeit Kontakt zur Außenwelt. Abgeschottet in diesem Kokon der Unwissenheit entwickeln die Familienmitglieder eigene, teils absonderliche Verhaltensmuster, so lecken sich zum Beispiel gegenseitig alle als Zeichen der Zuneigung an bestimmten Körperstellen. Zudem werden Begriffe und Namen einfach umgeändert, um den Bezug zur Außenwelt zu vermeiden und ungewollte Fragen zu vermeiden (gelbe Blumen zum Beispiel heißen „Zombie“, eine Vagina „Tastatur“). Das diese Lebensweise gerade bei den Jugendlichen komische Freizeitgestaltungen nach sich zieht, ist dabei ganz natürlich. So verbringen sie ihre Freizeit damit, sich Wetten auszudenken, wer wohl am längsten seine Finger unter heißes Wasser halten kann, oder wer als erster aus der Betäubung erwacht, nachdem man sich ein Narkosemittel verabreicht hat. Immer mehr jedoch drängt sich bei den Jugendlichen die Frage auf, was außerhalb des Zaunes liegt.
Technisch bewegt sich die Blu ray sowohl beim Bild als auch beim Ton auf sehr soliden Füssen, im Bonusbereich wäre ein wenig mehr als eine Programmshow und der Originaltrailer wünschenswert gewesen. Auch fällt auf, dass die für die störKanal-DVDs üblichen informativen und interessanten Booklets bei der Blu ray leider fehlen.
Dogtooth ist ein verstörender, teils perverser aber überaus intelligenter und faszinierender Film, der dem Publikum auf der einen Seite viel abverlangt, aber auf der anderen Seite viel gibt. Er hinterlässt einen bleibenden Eindruck, und man wird sich nach dem Nachspann noch viel Zeit nehmen, um über das Gesehene nachzusinnen, bietet er doch auf eine abstoßende Art und Weise einen Spiegel für die Gesellschaft.

Dogtooth
(Splendid film/I-On/störKanal)

CFS