Doomsday Book  (Splendid Film)

Doomsday Book (Splendid Film)

Das Doomsday Book beinhaltet die entscheidenden Kapitel, die den Tag des jüngsten Gerichts einleiten werden. Da das Ende der Welt den Apokalyptikern zufolge naht, ist es nachvollziehbar, dass sich auch im Film auf unterschiedliche Weise damit auseinandergesetzt wird.
Wir springen in der Zeit zurück und befinden uns im Jahr 2006. Drei der innovativsten Filmemacher Südkoreas planen einen sogenannten Omnibusfilm, bestehend aus drei Segmenten, die sich jeweils thematisch mit dem Ende der Welt auseinandersetzen. Kim Jee-won (I Saw the Devil, The Last Stand), Han Jae-rim (Portrait Of A Gangster) und Yim Pil-sung (Hansel & Gretel, The Flower of Evil) begannen mit den Dreharbeiten, jedoch bei Beendigung der zweiten Episode brach die Finanzierung zusammen. Nach langem hin- und her gelang es, das noch fehlende Geld aufzutreiben, jedoch stieg zwischenzeitlich Regisseur Han Jae-rim aus dem Projekt aus. So drehten die beiden übrigen Regisseure Kim Jee-won und Yim Pil-sung, bevor sie wieder an andere Projekte gebunden waren, die letzte noch fehlende Episode, und veröffentlichten die hier vorliegende Anthologie Doomsday Book.

Inhaltlich unterschiedlich setzten sich die drei Episoden thematisch mit dem menschlichen Drang zur Selbstzerstörung auseinander.
In „Brave New World“ wird eine sich anbahnende Liebesgeschichte abrupt von einer Zombieinvasion gestört. Diese wurde durch einen freigesetzten Virus, entstanden durch falsche Mülltrennung und damit verbundene Verarbeitung zu Futtermehl, ausgelöst.
Krude, mit einem Hang zur absurden Überzeichnung, präsentiert sich hier eine im wahrsten Sinne des Wortes bissige Satire auf unsere Essgewohnheiten.

„Heavenly Creatures“ handelt von dem Roboter RU-4 (auf dem Cover zu sehen), der lange Jahre seinen Dienst tat und nun, anscheinend durch göttliche Bestimmung, der Überzeugung ist, er sei der Erleuchtete, woraufhin die Herstellerfirma versucht, ihn wegen seiner angeblich defekten Schaltkreise stillzulegen, da er beginnt, seine Mit-Roboter aus der Knechtschaft führen zu wollen. Diese Bevormundung durch die Herstellerfirma können RU-4 und seine Helfer jedoch nicht akzeptieren.

In der Episode „Happy Birthday“ wollen Kinder ihrem Billard-versessenen Vater ein ganz besonderes Geschenk machen, welches auf einer mysteriösen Internetseite angeboten wird, und lösen damit eine Katastrophe mit ungeahnten Folgen aus.

Doomsday Book macht Laune. Gekonnt und teilweise ungewohnt von den beiden Regisseuren inszeniert zeigen alle drei Geschichten das Können der Filmemacher. Bissig und punktgenau, aber teils auch ungewohnt emotional und sensibel wurden die drei Episoden zu einem sich ergänzenden und trotzdem sehr abwechslungsreichen Ganzen zusammengeführt, dem man die lange Pause zwischen den Dreharbeiten nicht anmerkt. Man huldigt den großen Vorbildern, erkennt Anleihen sowohl bei den älteren als auch den jüngeren Klassikern des Genres und spürt deutlich, welchen Spaß die Regisseure hatten, ohne irgendwelche engen Vorgaben ihre Visionen ausbauen zu können.

Die Blu-ray, verpackt in einem sehr hübschen Schuber, erscheint bei Splendid Film auf dem für asiatische Filme spezialisierten Label Amasia, und präsentiert die Anthologie in einer sehr guten Bild- und Tonqualität. Im Bonusbereich befinden sich dann neben einem Trailer und einer Programmshow knapp 15 Minuten Film-Clips und ein kürzeres Making of mit Interviews.

Doomsday Book ist eine faszinierende und überaus abwechslungsreiche Kurzfilmsammlung, die ihre Geschichten atmosphärisch und spannend erzählt. Bildgewaltig wird hier ein fesselnder Blick auf die Zukunft der Menschheit gerichtet, und die ihr im schlimmsten Fall drohende Apokalypse. Wer Spaß an solchen Szenarien hat, der kommt an Doomsday Book nicht vorbei. Von mir gibt es auf jeden Fall eine klare Empfehlung!

Christian Funke-Smolka