Drive (Universum Film)

Drive (Universum Film)

Der dänische Regisseur Nikolas Winding Refn ist ein echtes Wunderkind des modernen Kinos. Es dürfte schwerfallen, ihn auf ein bestimmtes Muster festzulegen, da er sowohl Stil als auch Genre quasi mit jedem euen Film verändert und neu definiert. Pusher I-III waren noch ganz klassische Milleu-Thriller, gnadenlos hart und dreckig inszeniert, nur um mit Bronson ein modernes Clockwork Orange zu präsentieren, und einen dann in Walhalla Rising mit einem beinahe Dialogfreien Film vollends das Schubladendenken zu versauen.
Mit Drive präsentiert er jedoch seinen bisher reifsten und souveränsten Film!

Die Geschichte handelt von dem namenlosen Driver (Ryan Gosling), der tagsüber als Stuntfahrer arbeitet, abends jedoch seine Dienste demjenigen zur Verfügung stellt, der für einen guten Fahrer bereit ist zu zahlen. In der Regel fährt er hier Fluchtwagen, ohne jemals aktiv in das Geschehen jenseits des Fahrzeugs einzugreifen.
Das Leben des wortkargen Einzelgängers ändert sich, als er die alleinerziehende Mutter Irene (Carey Mulligan) kennenlernt, und sich in sie verliebt. Um ihr einen Gefallen zu tun, lässt er sich auf ein scheinbar sicheren Deal ein: ihr Ehemann, gerade aus dem Gefängnis entlassen, möchte seine Schulden abbezahlen, und plant einen Raubüberfall, bei dem der Driver fahren soll. Jedoch geht alles schief, was irgendwie schief gehen kann, und plötzlich sind Irene und der Driver im Fadenkreuz von Verbrechern, denen ein Leben nicht viel bedeutet. Nun ist es an ihm, zu zeigen, was in ihm steckt…

Basierend auf den Roman Drive von Autor James Sallis schuf der oscarnominierte Drehbuchautor Hossein Amini (Kill Shot, Wings of the Dove) aus der verschachtelten und Gedichtartigen Vorlage eine beinahe poetisch anmutende Drehbuchversion, die rauschähnlich auf ihren finalen Klimax zusteuert.
Regisseur Refn inszenierte daraus einen altmodisch anmutenden Film mit schweigsamen Helden, die einer inneren Stimme folgend ihren Weg gehen. Ihm gelingt ein Neo-Noir-Thriller, der Arthouse und Action, klassischen Gangsterfilm und modernes Kino zu verbinden weiß, und dabei viel erzählt, ohne zu reden.

Die Blu-ray von Drive aus dem Hause Universum Film präsentiert den Film in einer hervorragenden Bild- und Tonqualität. Das Bonusmaterial erreicht dann zusätzlich nochmal beinahe Filmlänge, nämlich knapp 90 Minuten erhält der interessierte Zuschauer hier zusätzliche Informationen zum Film. Neben einem kürzeren Making of gibt es noch Interviews mit Cast & Crew, eine knapp 20 Minuten langen B-Roll, diverse Kurzdokumentationen von jeweils fünf bis zehn Minuten zu einzelnen Aspekten des Films, eine Frage-und-Antwort-Runde mit dem Regisseur, den Originaltrailer und eine Programmübersicht.

Drive ist, und ich tue mich normalerweise schwer mit diesem inflationär genutzten Begriff „Kultfilm“, schon jetzt auf dem besten Wege, eben solch einer zu werden. Regisseur Nikolas Winding Refn wurde von mir schon lange, eigentlich seit seinem ersten Pusher-Film, abgefeiert, aber was er hier mit seinem aktuellen Beitrag vorlegt, ist an Stil und Coolness kaum zu überbieten. Lässig vermischt er Genres, kombiniert diese mit einem feinen, nostalgisch anmutenden 80’s Soundtrack und schmettert dem Zuschauer das Gesamtergebnis mit einer würzigen aber gnadenlosen Härte um die unvorbereiteten Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Dabei schadet es dem Film natürlich nicht, dass zudem auch noch unglaublich talentierte und charismatische Schauspieler wie der großartige Bryan Cranston (Breaking Bad, Malcolm Mittendrin), Ron Perlman (Sons of Anarchy, Hellboy), Carey Mulligan (Public Enemies, Shame) oder der unglaublich fesselnd agierende Ryan Gosling (The Ides of March, State of Mind) ihre Rollen spielfreudig zum Leben erwecken.

Wer sich als Zuschauer auf Drive einlässt, wird aus meiner Sicht mit einem der intensivsten Filmmomente seit langer Zeit belohnt. Selten war ich von einem Film so lange anhaltend gefesselt, wie es mir bei Drive ergangen ist. Unbedingte Empfehlung für jeden, der gutes und künstlerisches Kino zu schätzen weiß!

Christian Funke-Smolka