„Dust Devil“ (Koch Films)

„Dust Devil“ (Koch Films)

Regie: Richard Stanley

Darsteller: Robert John Burke, Chelsea Field, Marianne Sägebrecht, u.a.

Ein dämonischer Gestaltwandler (Robert Burke) durchstreift die Wüste Namibias auf der Suche nach neuen Opfern – und mit jedem Mord wachsen auch seine teuflischen Kräfte. Als sich die junge Wendy (Chelsea Field) in den geheimnisvollen Wanderer verliebt, scheint sie die einzige zu sein, die seinem grausamen Tun ein Ende setzen kann. Unterstützt wird sie dabei von einem örtlichen Cop – und schamanischer Magie…

Das hätte ein Jodorowsky kaum besser hinbekommen: Zwei Jahre nach seinem internationalen Durchbruch mit HARDWARE wagte sich Regisseur Richard Stanley mit DUST DEVIL an einen ungewöhnlichen Genre-Bastard. Zu gleichen Teilen von afrikanischer Naturmystik sowie Italo-Western inspiriert, schuf er einen surrealen und unvergesslichen Horror-Albtraum, der nicht nur dank des eindrucksvollen Soundtracks unter die Haut geht. Dieser ist auf der umfangreich ausgestatteten Sonderedition ebenso enthalten wie der Final Cut.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Durch eine seit Jahren andauernde Dürre befindet sich die in Namibia liegende Kleinstadt Bethanie in einem langen und unaufhaltsamen Siechtum. Sergeant Ben Mukurob (Zakes Mokae) ist einer der letzten vor Ort tätigen Gesetzeshüter, der sich mit einem besonders brutalen Mord auseinandersetzen muss. Eine Frau wurde zerstückelt, die Wandschmierereien lassen auf einen grausamen Ritualmord schließen. Gleichzeitig trifft man auf Wendy Robinson (Chelsea Field), die vor ihrem gewalttätigen Mann flüchtet. Auf ihrer Odyssee trifft sie auf den mysteriösen Anhalter (Robert John Burke), der so charmant wie gefährlich wirkt…

Der südafrikanische Drehbuchautor und Regisseur Richard Stanley schuf nach seinem vielbeachteten zweiten Film M.A.R.K. 13 – Hardware mit Dust Devil einen ambitionierten und inhaltlich wie stilistisch außergewöhnlichen Film, dem es gelingt, die Rituale und Bräuche Afrikas auf eine sich in der Endphase der Apartheid befindenden Gesellschaft treffen zu lassen. Gedreht in der Wüste Namibias, strahlt er Film in seiner Bildsprache eine atemberaubende Ruhe und Ehrfurcht aus, der es in seiner Handlung und der aufgebauten Atmosphäre jedoch in keiner Sekunde an Spannung mangelt. Der Regisseur widersetzt sich dabei sämtlichen gängigen Erzählmustern und zeigt einen sich weit entfernt vom Mainstream bewegenden Film, der erstaunlich gut gealtert ist und auch heute nichts von seinem geheimnisvollen, nur schwer greifbaren Reiz verloren hat. Dust Devil kombiniert auf beeindruckende Weise Elemente des Mystery-Horrors mit Versatzstücken des Italo-Westerns, würzt es mit der ein- oder anderen erstaunlich derben Goreeinlage und untermalt das Gesamtergebnis mit einem hypnotischen Score. Ein surreales, traumhaftes und bildgewaltiges Meisterwerk, welches man, genau wie den Vorgänger M.A.R.K. 13, unbedingt gesehen haben sollte!

© Trailer: VHS Trailer Park

Nach der gelungenen Limited Collector’s Edition von Dust Devil (Originaltitel: Dust Devil, Großbritannien/Südafrika 1992) kommt hier nun die etwas preisgünstigere, sehr ansprechend gestaltete Mediabook-Version, die, auch wenn hier die Soundtrack – CD und die Dokumentations-DVD fehlt, immer noch ein rundum-sorglos-Paket darstellt! Neben der Kinofassung (88 Minuten, HD) und dem Final Cut (108 Minuten, HD) gibt es den Workprint (114 Minuten, SD) und eine Unmenge an Bonusmaterial. Hier hat Koch Films für den Dust Devil – Fan alles zusammengetragen, was man als Hintergrundwissen benötigt. Neben einem Audiokommentar von Richard Stanley gibt es ein 34 Minuten langes Interview mit dem Regisseur, ein 17-minütiges Interview mit der Nebendarstellerin Marianne Sägebrecht (die auch eine Einleitung eingesprochen hat), diverse Trailer, die Dust Devil Home Movies, eine Präsentation zu der verschollenen 16mm-Version, ein Trailer zu eben dieser sehr frühen, die vollendeten Filmfassung (bei der noch nicht Robert John Burke die Rolle verkörperte) eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und ein 24-seitiges Booklet von Filmexperte Peter Osteried, welches zudem noch zahlreiche Bilder und ein Interview mit Richard Stanley beinhaltet. Bild (1,85:1/HD 1080p) und Ton (Englisch & Deutsch: dts-HD Master Audio 2.0, bei der deutschsprachigen Tonspur hat man die Wahl zwischen der Kino- und der Videosynchronisation.) der von mir getesteten Blu-ray des Final Cut waren hervorragend aufbereitet.

Richard Stanley präsentiert mit Dust Devil einen esoterischen Mystery.Horrorfilm, der dem damaligen Zeitgeist entsprach, in dieser Form jedoch heute wahrscheinlich nicht mehr hätte gedreht werden können. In seiner Bildsprache und dem inszenatorischen Aufbau wunderbar gealtert, erleben wir hier einen traumähnlichen Genrefilm, der sich stilistisch am Italo-Western orientierte, dabei aber erzählerisch eher in Richtung High Plains Drifter geht. Ein zeitloser Genrebeitrag, den ich seit meiner Erstsichtung in den frühen 90’ern sehr schätze und mich deshalb über diese wirklich liebevolle Veröffentlichung freue und sie jedem dringend empfehlen kann!

Christian Funke