"El Chapo": Staffel 1 (Polyband)

„El Chapo“: Staffel 1 (Polyband)

Regie:

José Manuel Cravioto, Ernesto Contreras

Darsteller:

Marco de la O, Valentina Acosta, Juan Carlos Olivas, Humberto Busto, Alejandro Aguilar

Die Serie umfasst die Geschichte des berüchtigten mexikanischen Drogenboss Joaquin „El Chapo“ Guzman, der 2015 Schlagzeilen machte, als er aus seinem Gefängnis flüchtete. 1985 begann er seine kriminelle Karriere als kleines Mitglied des Guadalajara-Kartells und stieg zum gefürchteten Gangsterboss auf.

El Chapo hatte den Schlüssel gefunden, der die Tür zu den oberen Rängen des Drogenhandels öffnete – kolumbianisches Kokain. Während die große Mehrheit seiner Kollegen immer noch mit Marihuana handelte, sah er in dem weißen Pulver eine Chance, die höchsten Ebenen der Macht zu betreten: den Kreis, der sich aus Bossen des Guadalajara-Kartells zusammensetzt.

© Polyband

Meinung zur Veröffentlichung:

Im Jahr 1957 wurde Joaquín Archivaldo Guzmán Loera, auch bekannt unter dem Spitznamen El Chapo, in La Tuna, Sinola geboren. Seine Karriere begann Anfang der 1970er Jahre als Gefolgsmann von Amado Carrillo Fuentes, dem Gründer des Juárez-Kartells, und Miguel Ángel Félix Gallardo, dem Mitbegründer des Guadalajara-Kartells. Bei seiner Aufgabe, Kokainflüge aus Kolumbien zu koordinieren, lernte er Pablo Escobar kennen und begann, in den frühen 80ern Schritt für Schritt die Führung des Sinaloa-Kartells zu übernehmen. Der Kleine, wie er wegen seiner Körpergröße von 1,68m genannt wurde, zeichnete sich sowohl durch seine gnadenlose Härte, aber auch durch ein Talent, Situationen stets für sich nutzen zu können und ein Geschick, clever zu taktieren und seine Gegner aus dem Weg zu räumen aus. Doch die Situation gerät ausßer Kontrolle un dRegierung, die Konkurrenz und Guzmán geraten in blutieg Kämpfe, bei denen es auf allen seiten zahllose Opfer gibt. Plötzlich ist der Jäger der Gejagte…

Seit geraumer Zeit herrscht ein großes Interesse an dem Wirken der Kartelle und Serien über Escobar und seine Nachfolger erfreuen sich großer Beliebtheit. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis man auch das Leben El Chapos, international nicht nur wegen seiner Drogengeschäfte, sondern wegen seiner waghalsigen Fluchtversuche, als Gundlage für eine mittlerweile drei Staffeln umfassende Serie auswertet. Die Serie beginnt dabei mit dem bisherigen Finale der Geschichte, nämlich der medienwirksamen Verhaftung im Januar 2016. Doch die für die Idee, die Skripts und die Produktion verantwortlichen Silvana Aguirre und Carlos Contreras konzentrieren sich nicht nur auf die Figur des Drogenbosses, sondern beleuchten auch unter Einbeziehung diverser Archivmaterialien die politische Situation der Vereinigten Staaten gegenüber Mexiko. Dabei beleuchten sie den Werdegang Guzmáns ab dem Jahr 1985, wobei man sich sowohl auf seine Geschäfte, aber auch sein Privat- und Familienleben vorstellt. Dadurch wird ein facettenreiches Portrait seiner Person gezeichnet, welches den Menschen hinter dem Gangster deutlich darstellt. Auch wenn man aufgrund der zahlreichen Charaktere und der unübersichtlichen Vernetzung von Verbrechen, Polizei und Politik anfänglich schnell den Überblick über das Geschehen zu verlieren droht, entwickelt sich die Serie zu einer spannenden und äußerst faszinierenden Beschreibung einer der schillernden Personen des Drogenhandels und der zeit, in der diese lebt. Wer Narcos mochte, kommt hier voll auf seine Kosten!

© Trailer: Netflix En Español

Polyband veröffentlicht die erste Staffel der Krimiserie El Chapo (Originaltitel: El Chapo, USA 2017) auf DVD und Blu-ray, mir lag das letztgenannte Format zur Ansicht vor. Die neun zwischen 40 und 55 Minuten langen Episoden sind auf zwei Discs verteilt, Bild (1,78:1/16:9/1080 Full HD) und Ton (Deutsch & Spanisch: dts-HD Master Audio 5.1) befinden sich auf einem durchweg guten Niveau. Im Bonusbereich liegt lediglich eine Programmübersicht vor.

Derzeit plant El Chapo Guzmán, den Streamingdienst Netflix wegen dieser hier vorliegenden Serienadaption zu verklagen. Er fühle sich in der Darstellung seiner Person verunglimpft, zudem habe man ihn nicht an den Einnahmen beteiligt. Allerdings dürfte der Kartellboss aktuell deutlich größere Probleme haben.

Nach einem Interview mit Schauspieler Sean Penn für das Rolling Stones-Magazin wurde er 2016 verhaftet (man munkelt, die Ermittler hätten die Handys der Beteiligten abgehört und seien so auf seine Spur gekommen) sitzt er nun in den USA im Gefängnis und wurde im Februar 2019 in allen Punkten für schuldig gesprochen. Es sieht also schlecht für den Kleinen aus. Doch wer weiß, vielleicht gelingt ihm erneut eine spektakuläre Flucht und bietet Stoff für weitere Verfilmungen?!?

Christian Funke