Fear X - Im Angesicht der Angst (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Fear X – Im Angesicht der Angst (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Es gibt Filme, die sind so angenehm und entspannend wie ein fester Tritt in den Bauch. Der hier vorliegende Film Fear X – Im Angesicht der Angst, ein Frühwerk des dänischen Ausnahmeregisseurs Nicolas Winding Refn (Bleeder, Pusher I-III, Drive, Walhalla Rising, Bronson), und gleichzeitig sein erster in Amerika abgedrehter Film, ist solch einer.

Die Geschichte handelt vom Security Guard eines Kaufhauses namens Harry (gewohnt großartig: John Turturro – The Big Lebowski, Miller’s Crossing, und viele andere Meilensteine des Independent-Kinos), dessen Frau ermordet wurde, ohne dass ihm einer die Frage beantworten kann, warum! Weder der Tathergang, noch der Mörder sind bekannt, was Harry quält, und ihn in seine ganz eigene zerrissene Welt der Paranoia, der Depression und der manischen Suche nach dem Schuldigen katapultiert. Sein einziger Lebensinhalt ist es, während seiner Arbeitszeit in dem Kaufhaus, in dessen Parkhaus sie starb, Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras zu entnehmen, um diese dann abends zu analysieren, um verdächtige Personen herauszufiltern.
Plötzlich findet er eine Spur, und erhält Hinweise, die ihn nach Montana führen, wo er mit seiner Recherche beginnt, und durch die Befragung der Anwohner den Mörder auf seine Fährte lenkt. Doch die Begegnung läuft nicht so, wie Harry sich dies in seiner Vorstellung ausgemalt hat…

Puh! Fear X – Im Angesicht der Angst ist echt harter Stoff. Basierend auf eine literarische Vorlage des für unangenehme Geschichten bekannte Hubert Selby jr. (Letzte Ausfahrt Brooklyn, Requiem for a Dream) erleben wir hier einen filmischen Trip in die zerrissene Seele eines manischen Menschen, der getrieben von seinen inneren Dämonen auf der Suche nach der Wahrheit ist.
Der Verzicht auf einen prägnanten Soundtrack (wir haben hier eher untermalende Soundcollagen) und die kaum vorhandenen Dialoge in Verbindung mit den in knalligem blutrot gehaltenen visuellen Spielereien und Verzerrungen machen den Streifen eher zu einem filmischen Experiment als zu einem klassischen Psychothriller. Refn meets Lynch!

Die Blu-ray aus dem Hause Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film präsentiert den Film, der schon im Jahr 2003, zwischen Bleeder und Pusher II, gedreht wurde, in einer sehr guten Bild- und Tonqualität. Der Bonussektor liefert zusätzlich noch einen Audiokommentar, ein interessantes, knapp 25 Minuten langes Making of mit Interviews und Szenen vom Dreh, dazu haben wir dann noch den Originaltrailer und eine Programmshow.

Fear X – Im Angesicht der Angst ist ein Film, der das Mainstreampublikum höchstwahrscheinlich überfordern dürfte. Sehr ruhig inszeniert folgt man dem grandiosen Hauptdarsteller, der erneut beweisen kann, dass er solche Rollen zu meistern weiß, aber auch die anderen Darsteller wie zum Beispiel Deborah Kara Unger (The Game, Crash) oder James Remar (Dexter) liefern eine überzeugende Darstellung ab. Gefilmt vom Shining-Kameramann Larry Smith ist der Film visuell interessant umgesetzt, aber durch seine Geschichte und die entsprechende Darbietung sehr ernüchternd, wenn nicht sogar deprimierend!

Wer sich auf einen inhaltlich wie visuell verstörenden Film einlassen kann, sich auch nicht von einer sehr nüchternen Inszenierung erschrecken lässt, oder eine schlüssige Auflösung aller Handlungsfäden erwartet, sondern sich ganz auf die phantastische Bildsprache, die Sounduntermalung und die dadurch entstehende Atmosphäre einlässt, der wird mit einem zwar schwer zugänglichen, aber überaus intensiven und interessanten Film belohnt.

Christian Funke-Smolka