Frankenweenie (Walt Disney)

Frankenweenie (Walt Disney)

81JtQFNo9KL._SL1500_Von Disneys Meisterregisseur und Ausnahmekünstler Tim Burton (Alice im Wunderland, Nightmare before Christmas) kommt nun der liebenswert-skurrile und schaurig-schöne Frankenweenie, eine herzerwärmende Geschichte über einen Jungen und seinen Hund.
Nachdem der junge Victor seinen geliebten Vierbeiner Sparky unerwartet verloren hat, holt er seinen besten Freund durch die Macht der Wissenschaft zurück ins Leben – ganz in Frankenstein-Manier, aber mit einigen kleinen Besonderheiten. Er versucht seine selbst geschaffene Kreation zu Hause zu verstecken, doch bald erleben Victors Mitschüler, seine Lehrer und die gesamte Stadt die monströsen Auswirkungen seines Experiments.
Frankenweenie, durch seine Charakterköpfe ganz „Burton-Style“, ist in seiner Mischung aus 3D und klassischer schwarz-weißer Stop-Motion-Technik ein hinreißend lebhafter Spaß mit elektrisierendem Bonusmaterial!

Meinung zum Film:

Es gibt nur wenige Regisseure, die so mit ihrem Stil identifizierbar sind, wie Tim Burton. Konsequent hat er in den Jahrzehnten seine Vision verfolgt, eine Melange aus Referenzen an die alten Klassiker des Horror-Genres und seinem skurril-verspielten visuellen wie inhaltlichen Ideen zu präsentieren, so dass man jeden Film direkt diesem Mann zuordnen kann, auch wenn kein Verantwortlicher genannt wäre.71t4hDHBO9L._SL1500_

Einer seiner ersten Filme war 1984 der Kurzfilm Frankenweenie, den er für den Konzernriesen Disney inszenierte. Diese jedoch waren aufgrund der düsteren Atmosphäre und der ungewöhnlichen Story wenig angetan, passte diese Thematik damals noch nicht in das Firmenkonzept. Erst Jahre später, Tim Burton war mittlerweile, ohne wirklich von seinem Weg abgewichen zu sein, überaus erfolgreich, sah man den damaligen Fehler ein. Nochmal einige Jahre später bot man ihm dann sogar die Möglichkeit, seine Vision in Form eines animierten Langfilmes erneut zu realisieren. Herausgekommen ist ein Film, der quasi ein Konzentrat all dessen darstellt, was Tim Burtons Filme ausmacht und zudem noch die wohl liebevollste Referenz an den 1993 verstorbenen Mimen Vincent Price mit seiner animierten Figur des Lehrers Mr. Rzykruski präsentiert. Gewinnen konnte er für die Original-Synchronisation dann alte Bekannte: sowohl Catherine O’Hara, als auch Martin Short, Martin Landau oder Winona Ryder traten schon in früheren Filmen des Regisseurs auf.

Frankenweenie, der, quasi als Wiedergutmachung für die damalige Schmähung des Original-Kurzfilms (man betitelte den Film seinerzeit als „Verschwendung von Ressourcen“), bei Disney als wunderbar aufgemachte Blu-ray in einer sehr guten Bild- und Tonqualität. Der Bonusbereich ist zudem vollgepackt mit interessanten und herrlichen Beiträgen. Hier findet man den Original-Real-Kurzfilm „Frankenweenie“ von 1984, einen neuen, animierten Kurzfilm namens „Captain Sparky vs. Fliegende Untertassen”, ein Feature über die Stop Motion-Miniaturen, einen Beitrag über die Frankenweenie-Ausstellung (wo die Produktionsskizzen des Autors vorgestellt werden) so wie das Plain White T’s Musikvideo “Pet Sematary”.

71EBTnrbJNL._SL1500_Frankenweenie zeigt einen Tim Burton, der erneut in den Stop Motion-Bereich zurückgekehrt ist und den Eindruck erweckt, als sei er wieder nach Hause gekommen. In diesem Film präsentiert er eine visuelle und inhaltliche Stärke, die man in einigen seiner letzten Werke schmerzlich vermisste, hier aber in der von ihm gewohnten hohen Qualität bewundern kann. Sein teils morbider aber immer zwinkernd -humorvoller Umgang mit den Themen „Tod“, Wiederkehr“, Liebe und „Verlust“ treffen auf die von ihm bekannte Detailversessenheit, die sich bis in das kleinste Dekorationsstückchen in liebevoller Akribie finden lässt und es so dem Zuschauer leicht macht, sich den Film noch ein zweites oder drittes Mal anzuschauen, da einem bei einmaliger Betrachtung nicht möglich ist, alle Anspielungen zu entdecken. Im Vergleich zum Kurzfilm wird deutlich, wie viel der Originalideen ihren berechtigten Platz in der Animations-Version bekamen, dabei aber ergänzt wurden durch zahlreiche Anspielungen an die klassischen Universal-Genrefilme, japanische Godzilla-Streifen, oder auch an eigene Filme (Sleepy Hollow, Ed Wood und viele mehr). Unterstützt wird er dabei erneut von seinem Stammmusiker und guten Freund Danny Elfman, der einen gewohnt perfekten Soundtrack beisteuert.

Auch wenn Frankenweenie definitiv nicht für die ganz kleinen Zuschauer geeignet ist, ist er ein klassischer Familienfilm, der die moralischen Werte auf eine charmant-morbide Weise darstellt und einen an die wirklich wichtigen Dinge im Leben erinnert. Ein schöner Film, der zeigt, dass es sehr gut ist, dass man noch Regisseure wie Tim Burton hat, auf die man zählen kann!

Christian Funke-Smolka