Freiwild - Zum Abschuss freigegeben  (Sunfilm/ Tiberius Film)

Freiwild – Zum Abschuss freigegeben (Sunfilm/ Tiberius Film)

Freiwild – Zum Abschuss freigegeben von dem britischen Regisseur Edward Boase ist ein überaus interessanter, unerwartet intelligenter Debütfilm, der in seinem dokumentarisch gehaltenen Stil weniger Thriller als viel mehr ein Statement darstellt, und den Zuschauer auf faszinierende Weise zwingt, sich mit dem Thema „Jagd“ auseinanderzusetzen.

Die auf real getrimmte Geschichte spielt im Oktober 2005, und beginnt mit einem britischen TV-Bericht über die Verabschiedung des Gesetzes, welches jeden, der bei der Hetzjagd auf Füchse erwischt wird, als Sanktion 7.500€ Strafe kostet. Trotzdem bietet das Gesetz Schlupflöcher, die bei Tierschützern für Proteste sorgten.
In Interviews werden hier die Protagonisten des Filmes vorgestellt, welche rückblickend nun ihre Geschichte an Hand von „nachgestellten Szenen“ erzählen. Einer von ihnen ist der wohlhabende Lucas Bell, der die Fuchsjagd liebt, und mit einer Gruppe von Freunden in die Highlands fährt, um sich dort seinem Hobby zu widmen. Jedoch endet die Jagd anders, als geplant, denn Tierschutz-Aktivisten überfallen die Gruppe in ihrem abseits gelegenen Ferienhaus, und drehen den Spieß um. Plötzlich sind die Jäger die Gejagten, und das treiben findet erst dann ein Ende, wenn diese vor laufender Kamera ihre Schuld anerkennen, und öffentlich der Fuchsjagd abschwören.

Der Film Freiwild – Zum Abschuss freigegeben ist eine echte Überraschung, denn auch wenn man sich gedanklich auf eine ähnliche Thematik eingelassen hat, bietet die Geschichte doch immer noch Überraschungen und Spannungsmomente, die man nicht erwartet hätte. Auch wenn die eingeschobenen Interviewpassagen das Tempo des Filmes drosseln, macht dies doch den Reiz aus, verleiht es ihm doch so eine ziemlich intensive Atmosphäre!

Stilistisch erinnert der Film dabei weniger an den auf dem Cover erwähnten Blair Witch Project, viel mehr musste ich an Ruggero Deodatos Cannibal Holocaust denken, der zwar noch um einiges intensiver, aber trotzdem ähnlich inszeniert ist.

Die Blu-ray von Freiwild – Zum Abschuss freigegeben wird von Sunfilm/ Tiberius Film in seiner unzensierten Form in einer sehr guten Bild- und Tonqualität präsentiert. Im Bonusmaterial findet man noch einen informativen Audiokommentar, der unter Anderem von dem Schauspieler Nick Ashdon eingesprochen wurde. Zusätzlich gibt es dann noch ein vierzehn Minuten langes Making of, Interviews, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben, einen Kurzfilm des Regisseurs und den Originaltrailer.

Freiwild – Zum Abschuss freigegeben ist ein kontroverser Film, der sein Publikum fordert und mit seinen harten, teils bis an die Grenzen gehenden Szenen aufrütteln möchte. Glücklicherweise vermeidet es der Regisseur dabei, permanent mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln, und lässt dem Publikum sich eine eigene Meinung bilden.

Sunfilm/ Tiberius Film veröffentlicht den Film in einer sehr guten Qualität, was sowohl aus technischer Sicht als auch der Wahl des umfangreichen Bonusmaterials den Film zu einer guten Wahl werden lässt.
Freunde des kontroversen Films, die an einer überzeugend gespielten, geschickt inszenierten Fake-Dokumentation interessiert sind, kommen an dem faszinierenden Freiwild – Zum Abschuss freigegeben nicht vorbei.

Christian Funke-Smolka