“Fukushima“ (Capelight Pictures)

“Fukushima“ (Capelight Pictures)

Regie: Setsuro Wakamatsu

Darsteller: Ken Watanabe, K ichi Sat, Hidetaka Yoshioka, Naoto Ogata

Am 11. März 2011 um 14:46 Uhr Orszeit wird Japan vom schlimmsten Erdbeben in der Geschichte des Landes erschüttert. Das Beben löst einen verheerenden Tsunami aus, der das Kernkraftwerk von Fukushima unter einer gigantischen Flutwelle begräbt. Die Naturkatastrophe verursacht einen gefährlichen Stromausfall in der gesamten Anlage – Explosionen, Brände und irreparable Schäden an vier Reaktorblöcken führen zu Kernschmelzen und massiver Freisetzung radioaktiver Stoffe. Schichtleiter Izaki und Werkschef Yoshida stehen vor einer schweren Entscheidung: Sollen sie und ihre Arbeiter vor der gefährlichen Strahlung fliehen oder ihr Leben aufs Spiel setzen, um den Super-GAU zu verhindern…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Die Welt am Abgrund

Als am 11. März 2011 ein Beben vor der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshū einen Tsunami auslöste, setzt dies eine Kette von Unfällen mit verheerenden Folgen im nahegelegenen Kraftwerks Fukushima I in Gang. Fehlende Warnsysteme ließen die fast 15 Meter hohen Wellen auf das nach dem Beben angeschlagene und völlig unvorbereitete Kernkraftwerk und seine Mitarbeiter schlagen. Herumliegende Trümmer, eine Unterbesetzung der Mitarbeitenden, ein Stromausfall und fehlende Kommunikationsmittel erschwerten die Arbeit in solch einem kritischen Notfall. Durch das Beben fielen vier von sechs Reaktorblöcke aus, durch den Stromausfall konnten keine ausreichende Kühlung stattfinden, weshalb es zur Kernschmelze kam und große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt wurden. Der Film beleuchtet diese Katastrophe…  

Basierend auf dem Buch von Ryûshô Kadota schrieb Yoichi Maekawa gemeinsam mit dem Autor das Drehbuch zu Fukushima 50, welches von Regisseur Setsurô Wakamatsu (White Heat) verfilmt wurde. Grundlage war die Katastrophe am 11. März 2011, welche zum größten Atomunfall Japans im Kernkraftwerk Fukushima führte. Der Film konzentriert sich dabei den chronologischen Abläufen und den daran beteiligten Mitarbeitenden, die sich der Gefahr von Strahlung und dem daraus resultierenden Tod aussetzten und anschließend als die Fukushima 50 in die Geschichte eingingen. Der Werkschef Masao Yoshida, der durch seine Entscheidung eine weitaus größere Katastrophe verhindern konnte, wird von Ken Watanabe (Inception, The Last Samurai) verkörpert, ihm zur Seite steht sein Schichtleiter und Freund Toshio Izaki, der von Kôichi Satô (Flower and Sword, Terminal) gespielt wird. Regisseur Setsurô Wakamatsu setzt auf eine chronologische Erzählung, die sämtliche Begebenheiten mit Zeit und Datumsangabe unterlegt, so dass ein sehr genauer Ablauf der Geschehnisse mit einem beinahe dokumentarischen Charakter gegeben ist. In der Inszenierung bewusst nüchtern und dabei in den Katastrophensequenzen trotzdem eindrucksvoll, haben wir hier ein Drama, welches den Vergleich zur preisgekrönten HBO-Serie Chernobyl nicht scheuen braucht, an diese aber in der Emotionalität, Intensität und erzählerischen Dichte nicht heranreicht. Denn dafür werden in Fukushima letztendlich dann doch zu viele inszenatorische Klischees bemüht, die emotionale Momente mit orchestraler Musik oder sogar dem immer in solchen Momenten gerne genutzten „Be With Danny Boy!“ unterlegt und dazu weinende und singende Männer in Szene setzt. Auch die bewusst überspitzte Emotionalität mancher Figuren und die obligatorische Heldenverehrung irritiert an manchen Stellen, so dass der Film seine wahre Größe in den Momenten präsentiert, wo er einfach ruhig und unauffällig das Geschehen zeigt. In diesen Abschnitten entsteht eine sehr intensive und lange nachklingende Verbindung mit starker Wirkung, wodurch wir hier einen aussagestarken Appell gegen den menschlichen Größenwahn haben.        

Fukushima (Originaltitel: Fukushima 50, Japan 2020) erscheint zum zehnten Jahrestag der Katastrophe bei Capelight Pictures auf DVD, Blu-ray und Video on Demand. Mir lag die Blu-ray zur Sichtung vor, die sich in Bild (2,39:1 / 1080p) und Ton (Deutsch & Japanisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem qualitativ exzellenten Niveau befand. Im Bonusbereich befanden sich der Trailer und Programmhinweise.

Fukushima ist ein akribisch recherchiertes, im dokumentarischen Stil inszeniertes Drama, welches mit Ken Watanabe exzellent besetzt ist. Auch wenn das oftmals sehr emotionale Verhalten einiger Darsteller für meine Sehgewohnheiten irritierend war, haben wir hier insgesamt ein fesselndes und sehenswertes Drama, welches detaillierte und oftmals sehr kritische Einblicke in die Abläufe des größten Atomunfall Japans bietet.

Christian Funke