Gangs of Wasseypur - Der Pate von Bollywood - Teil 1 & 2 (Polyband Medien GmbH)

Gangs of Wasseypur – Der Pate von Bollywood – Teil 1 & 2 (Polyband Medien GmbH)

Teil I:

Wasseypur, Indien: Die Industriestadt sieht sich mit dreier Generationen von Gangstern konfrontiert, Erben zweier verfeindeter Clans. Zum einen der von Shahid Khan, der sicCoverh als erster an die Plünderung britischer Züge wagt, zum anderen der von Ramadhir Singh, der die ungeteilte Macht über seine Region hat. Nachdem er zum Ausgestoßenen erklärt wird, muss Shahid Khan notgedrungen in der Mine seines ärgsten Feindes schuften. Sardar Khan, Sohn von Shahid und hoffnungsloser Schürzenjäger, hat sich geschworen, die Ehre seines Vaters wiederherzustellen, indem er zum gefürchtetsten Mann von ganz Wasseypur aufsteigt.

Teil II:

Die Clans von Shahid Khan und Ramadhir Singh bekriegen sich weiter in der Region von Wasseypur. Und jetzt liegt es an Shahids Enkel, FaizaCover IIl, die Spitze des Clans Khan zu übernehmen. Er raucht seit seiner Kindheit und ist sehr schüchtern – deshalb glaubt niemand, vor allem nicht seine Mutter, an sein Potenzial als Gang-Chef. Aber bald erobert er sich seinen Platz, mit Intelligenz und einem unglaublichen Rachedurst, der unstillbar zu sein scheint. Mit Hilfe seiner Brüder und inspiriert von den Helden Bollywoods weitet er die Macht des Khan-Clans aus, bekämpft unablässig Ramadhir und wird vielleicht bald als Sieger aus dem endlosen Zwist hervorgehen …

„Gangs of Wasseypur“ hat das Zeug zum Kult-Klassiker, der schon bald in einem Atemzug mit der Trilogie DER PATE genannt werden könnte.

Meinung zum Film:

Indisches Kino ohne Gesang und pompös in Szene gesetztem Kitsch? Geht das? Und ob! Der Beweis wird hier erbracht von Regisseur Anurag Kashyap, der das Gangsterdrama Gangs of Wasseypur – Der Pate von Bollywood inszenierte. Mit einem eher geringen Budget von 3 Mio. setzt der Regisseur ein Epos Szenein Szene, welches einen inhaltlichen Bogen von der britischen Kolonialzeit in die Gegenwart schlägt und seine Geschichte zweier verfeindeter Clans in grandiosen Bildern und einem ausgeprägten Hang zu einer düsteren, brutal-gewalttätigen Grundatmosphäre erzählt. Gezeigt wird hier der Werdegang krimineller Gruppierungen in Wasseypur, wobei die Story um Mord, Verbrechen, Rache, Korruption aber auch um Liebe, immer im Bezug zur gesellschaftlichen und politischen Situation Indiens gelesen werden kann. Trotz komplett unterschiedlicher Herangehensweise erinnerte mich Gangs of Wasseypur – Der Pate von Bollywood in seiner kraftvollen Wucht an „City of God“ von Fernando Meirelles. Der komplette Verzicht auf Kitsch, Gesang und Tanz, Schauspieler, die sich die Seele aus dem Leib spielen und ein fesselndes Drehbuch machen den Film zu einem Erlebnis, der trotz der Lauflänge von über 320Szene 2 Minuten extrem kurzweilig wirkt und die Zeit wie im Fluge verstreichen lässt. Regisseur Anurag Kashyap zeigt dabei ein durchgehend sehr hohes inszenatorisches Niveau, welches eine in die Tiefe gehende Geschichte in imposante Bilder kleidet und dabei einen konstant hohen Spannungsbogen zu halten vermag. Hier zeigt sich deutlich, dass man mit Talent, überzeugenden Darstellern und einer guten Geschichte kein großes Budget benötigt, um fesselnde Unterhaltung zu präsentieren. 

Polyband Medien GmbH veröffentlicht das indische Gangsterepos Gangs of Wasseypur – Der Pate von Bollywood aufgrund der unglaublichen Lauflänge von über fünf Stunden in zwei Teilen. Die Blu-ray des vom Cover und dem zugehörigen Schuber sehr schön gestalteten ersten Teils glänzt durch eine hervorragende Bild- und Tonqualität. Im BSzene 1onussektor befindet sich lediglich der Originaltrailer. Auch die Veröffentlichung des zweiten Teils, vom Artwork an das erste Release angelehnt, glänzt durch eine sehr gute Bild- und Tonqualität. Da das Gewaltlevel und die düster-bedrohliche Atmosphäre spürbar angestiegen ist, erhielt Teil II jedoch  eine Freigabe für ein erwachsenes Publikum. Bonusmaterial ist auch auf dieser Blu-ray keines vorhanden.

Ich bin immer noch sprachlos, wie beeindruckend, kraftvoll und düster  Gangs of Wasseypur – Der Pate von Bollywood ist. Natürlich kann man anmerken, dass fünf Stunden Laufzeit schon ein echtes Brett sind, aber das clever konzipierte DrehbSzene 2uch, die guten Darsteller und die fesselnde Inszenierung machen die beiden Teile des Gangsterfilms zu einem exotischen und fesselnden Filmerlebnis jenseits der üblichen Bollywood-Klischees und können jedem Fan der Filme eines Scorsese, Coppola oder Leone empfohlen werden. Es lohnt sich immer wieder, mal über den eigenen filmischen Tellerrand zu schauen…

Christian Funke-Smolka