Gefährliche Begierde - Im Rausch dunkler Gelüste (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Gefährliche Begierde – Im Rausch dunkler Gelüste (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Martin ist ein talentierter Drehbuchautor und Schriftsteller, dessen letzter Erfolg allerdings schon eine Weile zurückliegt. Seine Welt ändert sich radikal, als er auf die verführerische und mysteriöse Französin Angelique trifft und sie am nächsten Morgen tot in der Themse aufgefunden wird. Martin gilt als einer der Verdächtigen, daCover der Fall verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Verschwinden seiner Frau vor zehn Jahren aufwirft. Als dann auch noch Angeliques Zwillingsschwester Therese auftaucht, gerät Martin in ein gefährliches Netz aus Leidenschaft, Betrug und Täuschung.

In der düstereren ‚Film-Noir‘-Fantasie ist nichts so wie es zunächst scheint. Der zweifach Oscar®-nominierte Regisseur Mike Figgis („Leaving Las Vegas“, „One Night Stand“) hat mit seinem neuesten Film eine fesselnde Mischung aus Erotik-Thriller, Psychodrama und Film im Film geschaffen, die den Zuschauer in seinen Bann zieht. Vielschichtig verweist der Film immer wieder geschickt auf sich selbst und feierte in diesem Sommer auf dem Filmfest München seine Deutschlandpremiere. In den Hauptrollen sind Sebastian Koch („Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“, „Das Leben der Anderen“), Lotte Verbeek („Die Borgias“) und Emilia Fox („Der Pianist“) zu sehen.

Meinung zum Film:

Bei einem Titel wie Gefährliche Begierde – Im Rausch dunkler Gelüste auf einen Thriller von Mike Figgis zu kommen, wäre mir beim ersten Hinschauen wahrscheinlich nicht eingefallen. Da klingt der Originaltitel mit Suspension Of Disbelief doch etwas stimmiger. Figgis jedoch spielt in seiner Geschichte, auch wenn der Titel erst einmal was anderes suggeriert, mit der Theorie Jungs, dass ein Leser sich so in ein WerkSzene 2 eines Schriftstellers vertiefen kann, dass er/sie denkt, es selber verfasst zu haben, beziehungsweise Fiktion und Realität vermengen.

Hauptfigur dieses philosophisch angelegten Film Noir-Verwirrspiels ist Martin (Sebastian Koch), der vor Jahren von seiner Frau (Emilia Fox) verlassen wurde. Diese ist seitdem unauffindbar. Seitdem arbeitet er an einem Drehbuch, in welchem er die Geschehnisse verarbeiten möchte, doch als man seine neue Bekanntschaft Angelique (Lotte Verbeek) tot auffindet, kommt der Verdacht auf, dass Martin ein gefährliches Spiel treibt. Dass zudem noch die Zwillingsschwester der Toten auftaucht, macht die Situation nicht einfacher.

Mike Figgis versucht, einen erotischen Thriller mit der inszenatorischen Experimentierfreude des großen europäischen Kinos zu vereinen. Ein wenig wird noch auf Lynch geschielt und fertig ist der intellektuell anregende Arthouse-Erotik-Thriller. Doch leider fehlt ihm für ein vollends überzeugendes Ergebnis trotz der guten Ideen und Darsteller die gewisse Leichtigkeit, um solch einen etwas verqueren Stoff für den Zuschauer konsumierbar zu machen. Vieles wirkt künstlich verworren und ein wenig wie Bausteine eines Setzkastens, die man nicht passgenau zusammenbekommen hat, so dass letztendlich kein homogenes Gesamtbild entsteht. Dies wird durch die Aufteilung in unterschiedliche Szenen und Akte, zusätzliche Voice-Over-Kommentare, inszenatorische Tempi-Veränderungen und die nüchtern-düstere Bildgestaltung noch verstärkt, so dass man als Zuschauer an vielen Stellen kaum Möglichkeit hat, sich gänzlich in den Film ziehen zu lassen, sondern durch die gezielten Brüche immer wieder herausgerissen wird.

Szene 1Die Blu-ray aus dem Hause Sunfilm Entertainment und Tiberius Film präsentiert Gefährliche Begierde – Im Rausch dunkler Gelüste in einer sehr guten Bild- und Tonqualität, der Bonussektor beinhaltet lediglich einen Trailer und eine Programmübersicht.

Mike Figgis präsentiert mit seinem neusten Film Gefährliche Begierde – Im Rausch dunkler Gelüste einen interessanten Versuch, seine philosophischen Gedanken in Form eines Erotik-Thrillers darzustellen. Leider gelingt ihm dies wegen seines stellenweise zu verkopften Drehbuchs trotz der sehr guten Darsteller nur bedingt, da sich aus meiner Sicht eine nüchterne, Theater-ähnliche, Inszenierung mit düster-unterkühlte Grundstimmung nur sehr schwer mit einem erotischen Film kombinieren lassen.

Christian Funke-Smolka