Get The Gringo (Concorde Home Entertainment)

Get The Gringo (Concorde Home Entertainment)

Es hätte ein toller Tag für Driver werden können. Nach einem Millionen-Coup versucht er, sich für einen „Sommerurlaub“ Richtung Mexiko abzusetzen – und wird prompt erwischt. Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd landet er schließlich doch in Mexiko, allerdings hinter schwedischen Gardinen. Und zwar hinter denen des härtesten Knasts aller Zeiten. Driver gedenkt keineswegs ewig hier zu schmoren, doch seine Auftraggeber „draußen“ haben auch noch eine Rechnung mit ihm offen …

Meinung zum Film:

Kein mir bekannter Sc91+ks8wO8qL._SL1500_hauspieler ist so hoch geflogen und auf Grund persönlicher Entgleisungen so tief gefallen wie Mel Gibson. In den 80ern und 90ern war er der Inbegriff des coolen, zynisch-wortgewandten Actionhelden, der jede Situation entweder mit einem humorvollen Augenzwinkern, oder der Anwendung von Gewalt zu lösen wusste (oftmals wurde aber auch beides kombiniert).
Später zeigte sich noch, dass er neben Charisma auch ein großes Talent auf der anderen Seite der Kamera hatte, so dass er mit seinem monumentalen „Braveheart“, den er als Regisseur und Hauptdarsteller bereicherte, einen wahren Höhenflug erlebte. Doch bald holten ihn die Teufel seiner Vergangenheit ein: sein unkontrollierter Alkoholkonsum und damit verbunden der totale Kontrollverlust. Plötzlich war Mel Gibson ein Kassengift, seine guten Filme wurden immer seltener und blieben dann bis auf den grandiosen „Auftrag Rache“ ganz aus. Eigentlich hatte ich ihn mittlerweile gänzlich abgeschrieben, aber totgesagte leben eben manchmal doch länger. Dies beweist der Mime mit dem vorliegenden Debüt seiner ehemaligen Regieassistenz Adrian Grunberg.

Get The Gringo heißt der Film, der den Schauspieler nach einigen misslungenen Comeback-Versuchen an alte Zeiten anknüpfen lassen soll. Gibson mimt hier den titelgebenden Gringo, auch Driver genannt, der mit seinem Partner eigentlich mit dem aus obskuren Quellen erbeuteten Geld nach Mexiko durchbrennen möchte. Doch wie einem der filmische Einstieg direkt grandios inszeniert darlegt, ging dieser Plan nicht so reibungslos auf, wie erhofft und endet für Driver in dem härtesten mexikanischen Knast, den man sich vorstellen kann und für seinen Kumpel im Sarg. Doch Driver ist ein Überlebenstalent, so dass er schnell die Gepflogenheiten der Gefängniskultur und der dort herrschenden Hierarchien durchschaut und für sich zu nutzen weiß. Aber er ist nicht umsonst der Gringo, denn innerhalb der Gefängnismauern kommt er den falschen Leuten in die Quere und draußen haben noch einige Menschen unbequeme Fragen wegen der verschwundenen Beute. Um hier zu überleben sind neben Scharfsinn und lockeren Sprüchen nun auch Waffen und rohe Gewalt 81qBywqmCgL._SL1500_nötig…

Es gibt nur einen Begriff, der dem Film gerecht wird: cool! Auf seinen Darsteller perfekt zugeschnitten liefert Get The Gringo genau das, was man in einem Actionfilm von Mel Gibson erwartet. Eine charmant-ironische Kaltschnäuzigkeit und eine unglaubliche Lässigkeit. Der Tex-Mex-Actionfilm erinnert dabei an vielen Stellen frappierend an die cool inszenierten Filme eines Robert Rodriguez („Desperado“) und zeigt einen Gibson, wie wir ihn aus alten Zeiten kennen. Darstellerisch zwischen „Payback“ und „Lethal Weapon“ angelehnt beweist er, dass er es auch noch mit beinahe 60 Jahren kann!

Get The Gringo erscheint bei Concorde Home Entertainment in einer hervorragenden Veröffentlichung. Bild und Ton können auf ganzer Linie überzeugen und der Bonusbereich ist gut ausgestattet. Hier findet man ein längeres Making of, Szenen vom Set, einige längere Interviews, eine B-Roll, den Originaltrailer und eine Programmübersicht.

Auch wenn Mel Gibson wahrscheinlich nie wieder den Status haben wird, den er vor Jahren mal hatte, ist ihm mit Get The Gringo eine überzeugende Rückkehr in alte Gefilde gelungen. Lässig, schwarz-humorig, bleihaltig, actionreich und brutal bietet der Film einem volljährigen Publikum eine perfekte kurzweilige Unterhaltung. Eine wirklich gelungene Rückkehr, die beinahe schon an die Qualitäten eines „Payback“ heranreicht!

Christian Funke-Smolka