“Girl” (dcm) +++Rezension, Special & Gewinnspiel+++

“Girl” (dcm) +++Rezension, Special & Gewinnspiel+++

GIRL ist ein sensibles Coming-of-Age Drama, das sich ganz auf die Perspektive und Sichtweise seiner transsexuellen Protagonistin Lara einlässt und dafür international von Kritikern und Festivals hoch gelobt und mehrfach ausgezeichnet wurde. Lara ist 15 und hat einen Traum: Sie will Balletttänzerin werden. Während sie an einer renommierten Akademie unter Vorbehalt angenommen wird, versucht Lara noch einen zweiten Kampf zu gewinnen: Sie will sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Äußerlich ist sie bereits ein Mädchen, doch ihr Körper ist noch der eines Jungen. Ihr Vater unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, begleitet seine Tochter bei jedem Schritt und ist für sie da, genau wie Psychologen und Ärzte. Doch der Leistungsdruck auf die junge Ballerina ist enorm und nebenbei wird Lara durch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ins heiß-kalte Wasser der Pubertät geworfen. Das kräftezehrende Training zwingt Lara schließlich zur Selbstkasteiung, mit der sie wiederum ihre Operation aufs Spiel setzt. Ihre beiden großen Träume scheinen sich immer mehr zu widersprechen. Als die Ärzte ihr schließlich das Ballett verbieten, trifft Lara eine folgenschwere Entscheidung, mit der sie endgültig zur Frau werden will…

© dcm, Kris Dewitte & Menuet

Meinung zur Veröffentlichung:

Lara (Victor Polster), 15 Jahre alt, lebt gemeinsam mit dem Vater und einem kleinen Bruder in Brüssel. Hier wird sie am Konservatorium weiter zur Ballerina ausgebildet und hat acht Wochen Zeit, hart zu trainieren, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Doch dies ist nicht die einzige Herausforderung, denn Lara hieß früher Viktor und muss sich auf die bevorstehende geschlechtsanpassende Operation vorbereiten. Ihr Traum wird wahr, denn endlich kann sie die notwendigen Hormone nehmen, die anfangen, ihren Körper auf ihre eigentliche Gender-Rolle anzupassen. Es ist ein harter, täglicher Kampf, ihr gegenwärtiges Geschlecht zu kaschieren und sich schon jetzt mit einem weiblichen Körper zu präsentieren. Dazu ist Lara bereit, alle erdenklichen Torturen auf sich zu nehmen…

Der belgische Drehbuchautor und Regisseur Lukas Dhont hat für sein Debüt Girl kein leichtes Thema gewählt. Doch ihm gelingt es mit seinem mehrfach preisgekrönten Spielfilm, dem komplexen Thema der Geschlechtsumwandlung sehr sensibel, feinfühlig und klischeefrei zu nähern und so ein vielschichtiges, höchst intensives Portrait eines jungen Menschen zu zeichnen, der sich nicht nur in den Wirren des Erwachsenwerdens befindet, sondern viel mehr einen Weg beschreitet, der eine grundlegende Veränderung darstellen wird. In einer sehr zurückhaltenden, entschleunigten, beinahe dokumentarischen Erzählweise beschreibt er die Stationen und Momente in Lars Leben, die aufzeigen, wie die Hauptfigur, aber auch deren Umwelt auf diese Situation reagiert. Ein solch interessanter Film steht und fällt mit den Darstellern, die ihre Rollen verkörpern. Hier hat man das Glück, dass die Hauptrolle mit dem unglaublich talentierten Victor Polster besetzen konnte, der aufgrund seiner Vorbildung sowohl über die nötige Tanzerfahrung, als auch das nötige Fingerspitzengefühl verfügte, diese extrem anspruchsvolle Rolle auszufüllen. Herausgekommen ist ein Film, der nicht belehren oder aufklären möchte, der den Zuschauer in keine Richtung drängt, oder eine Meinung aufzwängen möchte. Dadurch ist man als Zuschauer gefordert, sich eigenständig in den Film einbringen, beziehungsweise sich darauf einlassen zu müssen und so den immensen Druck, der auf der Hauptfigur lastet, zu spüren. Ein äußerst mutiger, unglaublich intensiver und dadurch wirkungsvoller Film, der lange nachklingt.      

Girl erscheint bei dcm als DVD, Blu-ray und Video on Demand. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die sich in Bild (1,66:1/1080p) und Ton (Deutsch & Französisch/Flämisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem sehr guten Niveau befand. Im Bonusbereich befand sich lediglich eine Programmübersicht.

Mit Girl präsentiert Lukas Dhont ein beeindruckendes Regiedebüt, welches getragen wird von einem beängstigend guten Hauptdarsteller. Dem jugendlichen Victor Polster gelingt es auf beeindruckende Weise, die komplexe Rolle glaubhaft und völlig klischeefrei mit Leben zu füllen und den Zuschauer auf seinen Weg der Geschlechtsangleichung mitzunehmen. Ein wichtiger und äußerst sehens- und empfehlenswerter Film!    

Wie Lukas Dhont und Victor Polster über GIRL zueinander fanden: Zwei belgische Nachwuchstalente im Portrait

GIRL ist der Debütspielfilm von Lukas Dhont, einer der jungen aufstrebenden Regisseure und Drehbuchautoren Belgiens. In seinem einfühlsamen Coming-of-Age Drama lässt er den Zuschauer unmittelbar am Leben von Lara teilnehmen und tief in ihr Inneres blicken. Lara ist 15 Jahre alt und fühlt wie ein Mädchen, ist aber körperlich ein Junge. Und sie hat zwei große Wünsche: Sich zur Profi Ballerina zu tanzen und durch eine Hormonbehandlung auf eine Transition, eine geschlechtsangleichende Operation, hin zu arbeiten.

Damit erzählt Dhont die Geschichte eines Mädchens, das in jungen Jahren bereits weitreichende Entscheidungen mit enormer Willensstärke trifft, innerlich aber auch zerbrechlich ist und dessen Leben sich weitaus komplexer darstellt als das gleichaltriger Teenager…

Der talentierte Filmemacher findet mit GIRL einen gekonnt sensiblen Weg, solch eine Geschichte zu erzählen und Victor Polster wiederum bringt die nötige Vielschichtigkeit als Schauspieler sowie das Talent als Tänzer mit, um Lara – ihre Wünsche, Zweifel, ihre inneren Kämpfe – darzustellen. Bevor ihr im Heimkino ab dem 22. Februar alle Höhen und Tiefen in und mit GIRL erleben könnt, wollen wir euch erzählen, wie Lukas Dhont und Victor Polster zueinander fanden, wie es zur Entstehung dieses feinfühligen Films kam.

Lukas Dhont: Ein „holpriger“ Weg, vom Pfadfinder zur Kunstkarriere

„Als Kind wollte mein Vater, dass ich Pfadfinder werde. Alle zwei Wochen setzte er meinen Bruder und mich dort ab, und wir spielten mit den anderen Kindern im Matsch oder gingen zelten. Wir haben es beide gehasst. Wir wollten lieber schauspielern, singen, und tanzen, weil wir uns dabei besser ausdrücken konnten.“

Für solche Wünsche wurden Lukas Dhont und sein Bruder allerdings ausgelacht. Das Umfeld verwies sie darauf, dass das Dinge für Mädchen seien. Und so mied Lukas Dhont vorerst Hobbies, die ihm eigentlich Spaß machten, um nicht weiter gehänselt zu werden. Austoben in all seiner Kreativität konnte er sich dann wieder während seines Studiums im Bereich der Audiovisuellen Medien an der KASK School of Arts in seiner belgischen Heimatstadt Gent. Der Fokus der Ausbildung lag auf dem Bereich „fiktive Erzählungen“, aber Dhont beschäftigte sich ebenso mit der Materie „Dokumentarfilm“. Seine ersten konkreten Schritte machte er mit den Kurzfilmen CORPS PERDU und L’INFINI, für die er zahlreiche Preise gewann.

Lukas Dhonts zentrale Ideen und Motive für seine Werke sind Tanz, Transformation und Identität. Für seine eigene Identitätsfindung und Coming-Out prägte ihn ein Momentum im Jahre 2009 und bildete damit zeitgleich den Auftakt für die Idee zum Film GIRL: Dhont las mit 18 Jahren einen Zeitungsartikel über ein junges Mädchen namens Nora, die im frühen Alter von 15 Jahren entschied, eine Ballerina zu werden, obwohl sie den Körper eines Jungen hatte:

„Ich wollte unbedingt solch eine Figur porträtieren, einen mutigen jungen Menschen, der eine Gesellschaft herausfordert, in der die biologische sowie gesellschaftliche und kulturelle Definition des Begriffs `Geschlecht` unweigerlich miteinander verknüpft sind.“

Lukas Dhont hätte sehr gern einen Dokumentarfilm über sie und mit ihr gedreht, doch Nora lehnte ab. Trotzdem freundeten die beiden sich an und die Idee für sein erstes Spielfilm-Drehbuch war geboren. Der 27-jährige Filmemacher rüttelt an Rollenbildern – er möchte die Zuschauer dafür sensibilisieren, unsere Wahrnehmung auf Geschlechter zu beobachten oder gar zu überdenken. Vor allem will Dhont in GIRL die Welt des Zuschauers aus Laras Augen sehen lassen: Was es bedeutet, mit einem männlichen Körper eine weibliche Position beim Ballett einzunehmen. Was es an Kraft bedarf, inmitten der Pubertät von anderen Teenagern als transgender komplett akzeptiert werden zu wollen.

GIRL ist Dhonts Spielfilmdebüt und wurde direkt mit zahlreichen Preisen überhäuft. Alle Welt schaute auf den jungen Filmemacher. Sein Film war als belgischer Beitrag bei den Golden Globes® 2019 als „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Er wurde mit der Queer Palm prämiert. Beim Filmfestival in Cannes 2018 wurde GIRL gleich dreimal ausgezeichnet – als bester Debütfilm, im Nebenwettbewerb „Un Certain Regard“ als bester Film und für den besten Hauptdarsteller mit Victor Polster!

Victor Polster

GIRL wäre kaum so gut vom Publikum, Presse und den Festival Jurys aufgenommen worden, würde nicht Victor Polster kongenial die starke Lara verkörpern! Eineinhalb Jahre castete das Team rund um den Regisseur Dhont zahlreiche Nachwuchskünstler, in der Hoffnung eine Person zu finden, die vielschichtig schauspielert und zugleich auf hohem Niveau tanzt.

Polster ist die perfekte Besetzung für die Rolle der Lara, Regisseur Lukas Dhont war postwendend von ihm überzeugt: Der heute 17–jährige talentierte Jungschauspieler brachte eine Schauspielausbildung sowie eine klassischen Tanzausbildung mit, er besuchte die Royal Ballet School im belgischen Antwerpen. Nachdem er in einem Musikvideo performte, zog das direkt royale Aufmerksamkeit nach sich – das Königliche Ballett von Flandern bat Polster einen Platz an, es folgten mehrere erfolgreich absolvierte Tanzwettbewerbe.

Polster zeigt die nötige Eleganz, Disziplin und Diversität für die Rolle der Lara. Victor Polster nahm seinen Preis „Un Certain Regard“ bei den Filmfestspielen Cannes erst dann entgegen, als das Festival sich bereit erklärte, die Auszeichnung „geschlechtslos“ zu verleihen.

Gewinnspiel:

Ich freue mich, zum Verkaufsstart von „Girl“

1 x die Blu-ray

1 x die DVD

verlosen zu können.

Frage:

Was ist euer liebstes Coming-of-Age Drama?

Wer mir bis zum 02. März 2019 eine Mail mit dem Betreff “Girl” (plus der Anschrift & der Antwort) an:

christian@wewantmedia.de

schickt, das Gewinnspiel freiwillig auf Facebook mit jemandem teilt, dem das auch gefallen könnte und mir, wer mag, noch ein “gefällt mir” auf meiner Facebook – Seite (https://www.facebook.com/wewantmedia) gibt, nimmt an der Verlosung teil!

Bestimmt durch die Reihenfolge der Teilnahme bekommt jeder Teilnehmer eine Nummer zugeordnet, über den oder die Gewinner/in entscheidet ganz unparteiisch und unbestechlich Random.org.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, der/die Gewinner/in wird zeitnah benachrichtigt.

Herzlichen Glückwunsch! Die Gewinner stehen fest und wurden per Mail informiert. Die Filme sind bereits auf dem Weg, viel Spaß damit! Allen anderen Teilnehmenden meinen herzlichen Dank für die große Resonanz und viel Glück beim nächsten Gewinnspiel!

Christian Funke