Haftbefehl - Im Zweifel gegen den Angeklagten (Koch Media)

Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten (Koch Media)

Alain Marécaux und seine Frau Edith haben keine Chance, als plötzlich die Polizei vor ihrer Tür steht und das Ehepaar aus heiterem Himmel wegen Kindsmissbrauchs Coverinhaftiert. Ihre drei Kinder werden indessen bei Pflegefamilien untergebracht, Alain mit einem ehrgeizigen jungen Richter konfrontiert, der den Fall offenbar zur Selbstprofilierung nutzen möchte. Auch ohne aussagekräftige Beweise…

Die Unschuldsvermutung scheint nicht zu gelten in dieser Verfilmung eines aufsehenerregenden französischen Kriminalfalls, dessen skandalöse Tragweite 2001 nicht nur in Frankreich für Empörung sorgte. Zehn Jahre später inszenierte Vincent Garenq, basierend auf den Memoiren des Hauptangeklagten, die dramatische Geschichte, die neben ihrer Auszeichnung in Venedig auch für zwei Césars nominiert war.

Meinung zum Film:

Französische Thriller haben sich in den letzten Jahren wegen ihrer nahezu durchgängig hohen Qualität in der obersten Liga der Genre-Veröffentlichungen etabliert. Der hier vorliegende Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten, den Regisseur Vincent Garenq nach wahren Begebenheiten inszenierte, wird den sehr guten Ruf untermauern. Basierend auf einen Fall aus dem Jahr 2001 bezieht sich das Drehbuch auf die Memoiren des Hauptangeklagten Alain Marécaux, der unschuldig der Kinderschändung verdächtigt, angeklagt und für mehrere Jahre inhaftiert wurde. Der Film zeigt dabei auf intensive und in die Tiefe gehende Art, wie schnell ein Mensch in die Mühlen der Justiz geraten kann und was diese mit einem macht. Denn auch nach der Aufdeckung der Tatsachen kann man den unschuldig verurteilten Alain Marécaux als gebrochenen Mann bezeichnen, dessen Leben in Trümmern liegt.

Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten lebt von seinem intensiven Inszenierungsstil, der den Fall beinahe dokumentarisch darlegt und dabei alle Seiten facettenreich beleuchtet. Schonungslos wird hSzeneier der Alltag der Ermittler als auch des Gefangenen gezeigt, so dass zu jederzeit ein realistisches und sich nahe an den Figuren befindendes Bild entsteht. Darstellerisch ist hier ein großes Lob auszusprechen. Hauptdarsteller Phillipe Torreton (Sky Fighters, Ghettogangz) gelingt ein intensives und in jeder Sekunde überzeugendes Spiel, durch das er seine Figur zu einem faszinierend intensiven Leben erweckt.

Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten erscheint bei Koch Media als in Bild und Ton gelungene Veröffentlichung. Der Bonussektor bietet neben einer Trailershow noch ein kurzes Making of, welches Einblicke in die Produktion gewährt.

Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten ist ein französisches Drama, welches einen authentischen, beinahe dokumentarisch inszenierten Blick auf den Fall eines irrtümlich Inhaftierten richtet. Ein Film, der inhaltlich vielschichtig und intensiv dargestellt jedem unter die Haut gehen wird. Von mir gibt es dafür eine eindeutige Empfehlung!

Christian Funke-Smolka