"Hanna Svensson - Blutsbande" (Edel:Motion)

„Hanna Svensson – Blutsbande“ (Edel:Motion)

Regie: Simon Kaijser, Kristian Petri, Kristina Humle, Jonas Westbom

Darsteller: Marie Richardson, Adam Palsson, Magnus Krepper, Alexej Manvelov, Sofia Ledarp, Sara Jangfeldt, u.a.

Hanna Svensson ist Polizistin mit hohen moralischen Grundsätzen und starken Prinzipien. Im Zwiespalt zwischen Mutterliebe und Sorgfaltspflicht als Polizistin, brachte Hanna schweren Herzens, aber dennoch unerbittlich, ihren eigenen Sohn Christian wegen Drogenhandels für zwei Jahre ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung möchte er zu Hannas Leidwesen nichts mehr von ihr wissen. Als ihr Kollege und heimlicher Liebhaber Sven entführt wird, nimmt Hanna die Spur auf. Dabei findet sie heraus, dass Sven bei seinen Ermittlungen gegen eine kriminelle Organisation mit einem Informanten namens Inez in Verbindung stand. Es gelingt Hanna, per SMS den Kontakt zu Inez aufzunehmen und Svens verdeckte Ermittlungen weiterzuführen. Was sie jedoch nicht ahnt: Inez ist niemand anderer als ihr eigener Sohn! Während die familiäre Beziehung von Hanna und Christian unter schwierigen Bedingungen steht, wird ihre berufliche Verbindung zunehmend enger. Als sich ihre Kollegen auf den blutigen Krieg zweier rivalisierender Rockerbanden konzentrieren, stellt Hanna dank Inez fest, dass eine dritte Partei im Begriff ist, den gesamten schwedischen Drogenhandel an sich zu reißen. Um dies zu verhindern und ihren Sohn zu retten, ist Hanna gezwungen, eine andere Familie zu zerstören…

Die intelligent geschriebene Story fesselt von Anfang an und zeichnet sich aus durch eine vielschichte Dramaturgie, unerwartete Wendungen und nicht zuletzt durch eine von Folge zu Folge zunehmende Spannung. Exzellente Schauspieler wie Marie Richardson (Wallander, GSI – Spezialeinheit Göteborg, Eyes Wide Shut, Don’t Ever Wipe Tears…, Verdict Revised), Adam Pålsson (Die Brücke, Arne Dahl, Don’t Ever Wipe Tears…, Ted), Magnus Krepper (Kommissar Winter, Die Brücke, Millennium- Trilogie, 100 Code), Alexej Manvelov (Kommissar Beck, Occupied – Die Besatzung, Jordskott – Der Wald Vergisst Niemals) oder Sofia Ledarp (Millennium-Trilogie, Verdict Revised) beeindrucken darüber hinaus durch die authentischen Darstellungen ihrer komplexen Rollen. Dass Marie Richardson als „Beste Darstellerin“ für den Kristallen Award nominiert wurde und Senkrechtstarter Adam Pålsson gar für seine Rolle als Christian den Kristallen Award als „Male TV Actor of the Year“ erhielt, unterstreicht die außerordentliche Qualität dieser neuen ZDF-Sonntagskrimireihe.

© Edel:Motion

Meinung zur Veröffentlichung:

Kommissarin Hanna Svenson (Marie Richardson) ist eine Frau mit klaren Vorstellungen. Da ihr Sohn Christian (Adam Pålsson) immer wieder in Dogendelikte verstrickt ist, lässt sie ihn kurzerhand verhaften. Der Familienfrieden ist dadurch natürlich nicht hergestellt, da sich Christian von seiner Mutter abwendet. Zwei Jahre später, ihr Sohn ist mittlerweile wieder frei, lebt die Ermittlerin in einer heimlichen Affäre mit ihrem Arbeitskollegen Sven Birgersson (Johan Hedenberg). Dieser ermittelt in einem aufreibenden Fall der organisierten Clan-Kriminalität. Als Sven am helllichten Tag entführt wird, beginnt Hanna zu recherchieren, um Sven zu finden und stößt dabei auf ein Netzwerk von skrupellosen Geschäftsleuten, konkurrierender Motorradgangs und gefährlichen Clans…       

Nein, Hanna Svensson ist keine Person, die mir auf Anhieb sympathisch ist. Verbissen, nicht unbedingt teamfähig, impulsives Auftreten, um nur ein paar Aspekte zu nennen, weshalb Frau Svensson und ich im realen Leben keine Freunde würden. Aber als ich mich erstmal an den Gedanken gewöhnt hatte, eine Serie zu schauen, deren Hauptfigur ich nicht mag, hatte ich plötzlich die Freiheit, mich den wahren Qualitäten der Serie Hanna Svensson: Blutsbande zu widmen. Denn wie erfrischend ist es eigentlich, der Titelfigur keinen inhaltlichen Honig um den Bart zu schmieren, sondern sie so zu gestalten, wie das Leben oftmals ist, nämlich bissig, ruppig und verhärmt, dafür gleichzeitig auch abwechslungs- und facettenreich und angenehm komplex. Hier liegt die wahre Stärke dieser skandinavischen Serie. Denn sie schlägt inhaltlich Haken, schert sich nicht wirklich um das Sicherheitsempfinden der Zuschauer und überrascht dadurch immer wieder mit Ausfallschritten, die man aus vergleichbaren Serien nicht kennt. Die Serienschöpfer und Drehbuchautoren Wilhelm Behrman und Niklas Rockström wissen genau, was sie wollen. Und so ist Hanna Svensson: Blutsbande keine Serie, die den Zuschauer in die dunklen Schlünde der blutigen Gewaltverbrechen ziehen will, sondern mit vielschichtigen Charakteren und einem hochspannenden Beziehungsgeflecht arbeitet. Hier werden moralische Grenzen ausgelotet und familiäre wie freundschaftliche Beziehungen seziert. Dadurch ergibt sich eine vielschichtige Dramaturgie, die deutlich tiefer wirkt, als dies in gängigen Serien der Fall ist. Eine Serie, die man sich stellenweise als Zuschauer erarbeiten muss, die dadurch aber extrem lohnenswert ist.       

© Trailer: KrimiKollegen

Die Krimiserie Hanna Svensson: Blutsbande (Originaltitel: Innan vi dör, Schweden / Deutschland / Norwegen 2017) erscheint bei Edel: Motion auf DVD und Blu-ray. Mir lag letztgenanntes Format zur Ansicht vor. Die zehn jeweils etwa 58 Minuten langen Episoden verteilen sich auf zwei Discs, Bild (1080/50i/HD/16:9) und Ton (Deutsch & Schwedisch: dts-HD Master Audio 5.1) sind auf einem qualitativ sehr guten Niveau. Im Bonusbereich befindet sich auf der zweiten Disc lediglich eine Programmübersicht.

Ich muss gestehen, dass ich mich anfangs ein wenig schwergetan habe, mich mit der Serie anzufreunden. Dies lag weniger an der Qualität, oder der gut gewählten Darsteller, sondern viel mehr daran, dass mir die Hauptfigur Hanna Svensson, hervorragend von Marie Richardson dargestellt, sehr unsympathisch war. Eine sehr eigenbrötlerische, unangenehm dominante Person, die ihrem Sohn gegenüber so pflichtbewusst ist, dass sie ihn verhaften lässt, sie selbst jedoch in ihren persönlichen Belangen ihre beruflichen Gesetze sehr frei auslegt. Doch erstaunlich schnell wurde man von der Serie in Beschlag genommen und wurden einige Aspekte an der Hauptfigur vielleicht nicht unbedingt nachvollziehbarer, jedoch tolerierbarer, zumal die Dynamik der Inszenierung und das hohe Erzähltempo vieles wieder ausglichen. So war ich spätestens ab der dritten Episode gefangen und muss gestehen, dass Hanna Svensson: Blutsbande vielleicht nicht an meine großen Favoriten, wie zum Beispiel die grandiose Serie Die Brücke herankommt, mich jedoch trotzdem sehr gut unterhalten und mit dem hohen Spannungslevel gefesselt hat. Freunde guter Krimiserien sollten deshalb unbedingt zugreifen!

Christian Funke