Hara – Kiri: Tod eines Samurai (Ascot Elite)

Hara – Kiri: Tod eines Samurai (Ascot Elite)

 

Immer noch gilt Kultregisseur Takashi Miike als das Enfant terrible des japanischen Kinos. Das jedoch seit seinen skandalträchtigen Filmen wie zum Beispiel Audition, Dead or Alive oder Visitor Q schon viele Jahre ins Land gegangen sind, zeigt die immer ruhiger werdende Gangart seiner aktuelleren Filme (wobei er auch in der Vergangenheit schon oft bewiesen hat, dass er in der Lage war, eine ernsthafte Geschichte ruhig, und mit dem Blick für die perfekten Akzente zu inszenieren). Aber erst mit seinen Remakes des japanischen Samurai-Klassikers 13 Assassins gelang es dem Vielfilmer, sowohl Zuschauer als auch die Kritiker vollends zu überzeugen.

In der Tradition des eben genannten Filmes präsentiert uns der Regisseur mit dem vorliegenden Hara-Kiri erneut (s)eine Interpretation eines japanischen Klassikers, in welcher er wieder auf seine bizarren und überzogenen Einfälle verzichtet, sondern sich komplett auf die in sich stimmige und sehr ruhige Geschichte verlässt. Hier findet man, ausgenommen der sehr unangenehm inszenierten Seppuku-Szene, welche jedoch auch Schlüsselmoment der Story ist, keine überbordenden Gewalteskapaden oder Actionsequenzen.

Die Geschichte spielt im Japan des 17. Jahrhunderts, und macht uns mit dem verarmten Ronin Motome bekannt, der sich mit der Bitte an das wohlhabende Haus Li wendet, ihren Innenhof für seinen rituellen Suizid zu nutzen. Jedoch sind in der jüngsten Vergangenheit oftmals verarmte Krieger mit dieser Bitte an reiche Familien herangetreten, in der Hoffnung, mit einer kleinen Geldspende des Hofes verwiesen zu werden. Da der Chefverwalter des Hofes Li dieses nicht unterstützen möchte, möchte er ein Exempel statuieren, indem er den jungen Ronin beim Wort nimmt, und ihn letztendlich unerbittlich zwingt, seinen Worten Taten folgen zu lassen, bis dieser qualvoll stirbt.
Wenige Tage später steht erneut ein todeswilliger Samurai vor den Toren, und bittet um Einlass, doch dieser verbirgt ein Geheimnis, welches sich den Betroffenen nur stückchenweise offenbart.

Die Blu-ray von Ascot Elite, hier vorliegend als Single Edition (die Special Edition beinhaltet neben umfangreichen Bonusmaterial noch den in schwarz-weiß gedrehten Klassiker Hara-Kiri aus dem Jahr 1962 – im Original mit deutschen Untertiteln- der als Vorlage für das Remake diente), bietet eine bestechende Bild- und Tonqualität, im Bonussektor befindet sich lediglich der Originaltrailer und eine Programmübersicht.

Hara-Kiri ist ein Film, der würdevoll und bildgewaltig seine komplexe, verschachtelt erzählte Geschichte trotz der zum Teil vorhandenen Längen in formvollendeter Eleganz und Schönheit darstellt, und damit einen intensiven und faszinierenden, aber auch überaus kritischen Einblick in die japanische Kultur gibt. Es ist ein Film über (falsch verstandene) Ehre, Gerechtigkeit, und Armut, die die Betroffene zum Äußersten treibt. Ein interessanter Film für jeden, der sich auf die Geschichte einlassen kann.

Christian Funke-Smolka