Harry Brown

Harry Brown (2009)
(Ascot Elite)

Filmisch gesehen befinden wir uns aktuell wieder weit in den 70ern, wo harte Männer wie etwa Charles Bronson das Gesetz selbst in die Hände nahmen. War es damals unter anderem Ein Mann sieht rot, so heißen die Filme jetzt Death Sentence, Gran Torino oder Die Fremde in dir, inhaltlich bewegen sie sich aber genau auf dem Terrain welches schon vor Jahrzehnten der Klassiker beschritt.
Die Geschichte von Harry Brown zeigt uns einen alten Mann, dargestellt von einem weit über 70 Jahre alten Sir Michael Caine, den das Schicksal zweimal hart straft. Erst stirbt seine schwerkranke Frau, dann wird sein bester (und nahezu einziger) Freund ermordet. Dieser hatte ihn einen Abend vorher um Rat und Hilfe gebeten, denn beide wohnen in einer sozial schwachen Brennpunktsiedlung in London, und Leonard lag im permanenten Streit mit den Drogen konsumierenden und dealenden Jugendlichen in der Siedlung. Da ihm die Polizei nicht helfen würde, plante er, gegen den Rat Harry Browns, sich nun selbst zu verteidigen. Nach der Ermordung des Freundes merkt Brown relativ schnell, dass die Polizei diesen Fall nicht wirklich intensiv verfolgt, so dass er sich nach einem gewalttätigen Zwischenfall nach einem Abend in seinem Lieblingspub entschließt, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. Er begibt sich in die sozialen Abgründe von Drogendealerei, Waffenhandel und Prostitution, um die Verantwortlichen des Mordes an seinem Freund zu finden. Damit seine Fragen den nötigen Druck haben, hilft ihm seine Erfahrung aus alten Marine-Zeiten weiter, die ihn alsbald wenig zimperlich mit seinen Gesprächspartnern umgehen lassen. So wird aus dem friedlichen Rentner Harry Brown recht schnell der gnadenlose Racheengel, der in der britischen Unterwelt aufräumt.
Mit Harry Brown liefert Regieneuling Daniel Barber einen soliden britischen Beitrag zur aktuell wieder sehr hippen Rachethematik ab. Düstere Szenarien, überzeugende Darsteller, gute Kameraführung, alles vorhanden. Jedoch stoßen dem mitdenkenden Zuschauer im Verlauf des Filmes immer mehr Logiklöcher auf, die zwar den Genuss des Filmes nicht beeinträchtigt, ihm aber immer mehr die Glaubwürdigkeit nimmt. Nur schwer nimmt man einem Mittsiebziger den eiskalten und skrupellosen Killer ab, der es mit einer Gruppe gewalttätiger Krimineller aufnimmt. Auch die Entwicklung des zu Beginn friedliebenden Rentners, der dann jedoch relativ plötzlich zum eiskalten Rächer mutiert, ist ein wenig eilig inszeniert worden.
Im Bonussektor finden sich neben dem Originaltrailer noch eine Programmschau, geschnittene Szenen, Videos vom Dreh und Interviews mit Cast und Crew.
Freunde spannender Rächerfilme werden trotz der genannten Mängel ihren Spaß an Harry Brown haben, jedoch ist ein Film wie zum Beispiel Gran Torino weitaus überzeugender da glaubhafter. Allerdings freut sich der Genrefan über die doch teils krasse Art der Vorgehensweise, mit der sich unser Protagonist durch die Unterwelt wälzt, erst Recht, wenn dies durch einen Charaktermimen wie Sir Michael Caine dargestellt wird.

CFS