Headshot (Koch Media)

Headshot (Koch Media)

Die Welt von Profikiller Tul steht buchstäblich Kopf, als er nach einem missglückten Auftragsmord aus dem Koma erwacht. Von seinen ehemaligen Auftraggebern ebenso gejagt, wie von der Polizei, begibt er sich auf die Suche nach den Puzzlestücken seiner Vergangenheit, die ebenso verdreht erscheint, wie seine durch einen Kopfschuss beCovereinträchtigte Sicht der Dinge. Vom Killer über den Flüchtling zum Mönch wird er auf seinem visuell spektakulären Trip, der zu den spannendsten fernöstlichen Gangsterfilmen der letzte Jahre zählen dürfte.

Tempowechsel für das thailändische Regie- und Arthouse-Wunder Pen-Ek Ratanaruang, der nach fast meditativen Festivalhits wie „Last Life In The Universe“, „Invisible Waves“ oder „Ploy“ mit „Headshot“ einen brutalen und stylischen Noir-Thriller vorlegt. Ein packender Killer-Thriller, der die Genrekonventionen buchstäblich auf den Kopf stellt und mit seinem philosophisch-buddhistischen Subtext auf etlichen Festivals für Furore sorgte.

Meinung zum Film:

Will man innovatives und mutiges Kino mit neuen, spannenden Ideen erleben, muss man sich manchmal sehr weit umschauen, denn in dem Wust an Veröffentlichungen ist eines oftmals sehr dünn gesät: das Überraschungsmoment!
Doch wenn ich mir überlege, welchen Filmen es in den letzten Jahren gelungen ist, mich auf positive Weise zu überrumpeln, dann waren dies häufig asiatische Beiträge, oftmals Filme aus Thailand, die sich wild und ungezähmt in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Regisseur Pen-Ek Ratanaruang, der mir erstmals vor etwa zehn Jahren mit seinem Film „Last Life in the Universe“ aufgefallen ist, ist dabei solch ein Filmemacher, der sich nicht scheut, einen wilden Mix an unterschiedlichsten Stilmitteln zu kombinieren und daSzeneraus etwas furioses eigenes zu machen. Hier haben wir seinen neuen Film Headshot, der uns einen sehr ungewöhnlichen Ansatz bietet.

Die Hauptfigur ist Tul (Nopachai Chaiyanam), ein Ex-Polizist, der nach seinen Recherchen bei einem Korruptions-Komplott auf der höchsten politischen Ebene eine Gefängnisstrafe verbüßen musste und nach dieser nun als Exekutions-Spezialist Jagd auf Kriminelle macht. Bei einem dieser Aufträge bekommt er jedoch einen Kopfschuss, der für ihn fortan die Welt auf dem Kopf stehen lässt. Denn ein durch die Kugel erlittener Hirnschaden lässt ihn seine Umwelt verkehrt herum wahrnehmen. Tul macht sich nun daran, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, um nach den Gründen für sein schlechtes Karma zu suchen.

Headshot basiert auf den Roman von Win Lyovarin und ist das komplette Gegenteil von einem adrenalingeschwängerten, temporeichen Actionfilm, den man vielleicht bei der Sichtung des Trailers erwartet hat. Vielmehr ist es ein Trip eines gestrandeten Mannes in dessen Vergangenheit, der sich, mit seinem Schicksal hadernd auf die Suche nach den Gründen für sein Scheitern macht. Die französisch-thailändische Produktion ist dabei visuell beeindruckend mit deutlichen Anleihen beim Film Noir inszeniert, geizt dabei aber nicht mit einigen blutigen Shoot-outs und der Einstreuung klassischer Thriller-Elemente. Das Stilmittel der 180 Grad-Drehung trifft man jedoch, trotz dieser Story, relativ selten im Film an.

Szene 2Koch Media zeigt mit ihrer Headshot-Veröffentlichung, wie eine gute Veröffentlichung auszusehen hat. Bild- und Ton sind auf einem sehr guten, fehlerfreien Niveau, die Synchronisation ist gelungen und der Bonussektor bietet neben einem Originaltrailer und einer Programmübersicht noch ein 25 Minuten langes, interessantes Making of und einen Kurzbericht über einen Mann, der an der im Film vorkommenden Erkrankung des Hirns litt.

Headshot ist ein etwas sperriger, künstlerisch interessant inszenierter Film, der seine düstere Story lakonisch erzählt. Visuell beeindruckende Bildkompositionen treffen auf eine Action-Noir Story, die einen in ihren blutig-brutalen Bann zieht. Ein spannend inszenierter, interessanter Film mit Hang zum Nihilismus für Freunde des etwas andersartigen Kinos!

Christian Funke-Smolka