„Heathers“ (Koch Films)

„Heathers“ (Koch Films)

Sie bilden eine In-Clique, an der in der Highschool kein Weg vorbeiführt: Drei Mädchen, die alle den Namen Heather (u. a. Shannon Doherty) tragen. Pech für die junge Veronica (Winona Ryder), dass sie nicht zum auserwählten Kreis gehört, Glück hingegen, dass sie den draufgängerischen J. D. (Christian Slater) kennenlernt. Gemeinsam vertreiben sie sich die Zeit mit ihren mörderischen Phantasien den Highschool-Grazien gegenüber. Dabei ahnt Veronica nicht, wie ernst es J. D. mit diesen Hirngespinsten ist. Als die erste Heather tatsächlich eines unnatürlichen Todes stirbt, ist es für einen Rückzieher bereits zu spät…

Lange vor den MEAN GIRLS gab diese Mädchenclique in Sachen bitterböse Highschool-Satire den Ton an: Angeführt von BEVERLY HILLS 90210-Zicke Shannen Doherty und mit den 80ies-Ikonen Winona Ryder (STRANGER THINGS) und Christian Slater (MR. ROBOT) perfekt besetzt, hat es der pechschwarze Teenie-Thriller schon unmittelbar nach seiner Premiere 1989 zu absoluten Kultehren gebracht.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Die drei Heathers (Shannen Doherty, Lisanne Falk und Kim Walker) bilden die In-Clique an ihrer Highschool. Sie sind sich ihrer Ausstrahlung bewusst und lassen es in ihrer Arroganz alle anderen spüren. Veronica (Winona Ryder) ist zwiegespalten, denn so sehr sie gerne Teil der Clique sein möchte, so sehr hasst sie auch die Methoden der Mädchen. Als Jason „J.D.“ Dean (Christian Slater), ein echter Rebell, an die Schule kommt, erkennt sie einen Verbündeten, der ihre geheimen Wünsche in die Tat umsetzt. Doch zu spät erkennt Veronica, dass J.D. keine moralischen Grenzen zu kennen scheint…

Regisseur Michael Lehmann (Marvel’s Jessica Jones, Veronica Mars), der hier ein Drehbuch von Daniel Waters (Batmans Rückkehr, Ford Fairlane – Rock’n‘ Roll Detective) verfilmt, vereint hier eine Riege an zur Zeit der Entstehung recht populären Jungdarstellern, die noch am Anfang ihrer Karriere standen. Dabei genießen es alle Beteiligten offensichtlich, sich auf bissige Weise austoben zu können. Der Film sprüht dabei vor bissigen Ideen und morbiden Momenten, nimmt gekonnt die damals populären Teenagerfilme aufs Korn und scheut sich trotzdem nicht, ernste Themen anzusprechen, manchmal ernsthaft nachklingen zu lassen, manchmal aber auch wieder pointiert zu karikieren. Zwischen all den Seitenhieben auf Teenagergebaren und dem Gruppendruck wird jedoch eines deutlich: Erst über den zu frühen Verlust wird der wahre Wert des Lebens erkannt. Man erlebt junge, oftmals orientierungslose oder ungeliebte Menschen, die sich entscheiden müssen, welchen Weg zur persönlichen, charakterlichen Entwicklung sie einschlagen wollen und dabei auf einen diabolischen J.D. treffen, der als Zünglein an der Waage agiert, den Weg in die eine, oder die andere Richtung zu lenken. Heathers ist ein typischer und doch ungewöhnlicher Film seiner Zeit, der trotzdem durchaus frisch geblieben ist und seine Geschichte immer noch wirkungsvoll zu erzählen vermag!

© Trailer: Arrow Video

Koch Films veröffentlicht hier in aufwändiger Gestaltung den 80er Jahre Kultfilm Heathers (Originaltitel: Heathers, USA 1988) als alle Wünsche zufriedenstellendes Mediabook. Der Hauptfilm, der in Bild (1,85:1/16:9) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 2.0/5.1) erstaunlich gut aufbereitet wurde, liegt auf DVD und Blu-ray vor. Auf diesen Discs befinden sich noch ein Audiokommentar mit dem Regisseur, der Produzentin und dem Drehbuchautoren, der Trailer und eine Bildergalerie. Dazu gibt es noch eine Bonus-Blu-ray, die neue Interviews mit den Filmemachern, Darstellern und der Crew (mehr als 70 Minuten), Specials zur Musik und dem Look, dass umfangreiche Featurette „The Big Bowie Theory“, der Kurzfilm „The Beaver Gets a Boner“ und einigem mehr beinhaltet.

War Heathers bei meiner Erstsichtung seinerzeit im Kino noch ein bissig-pointierter emotionaler Befreiungsschlag, wirkt er heute an vielen Stellen irgendwie knuffig und sympathisch old school. Nichtsdestotrotz gelingt es ihm auch heute noch überzeugend, die Gratwanderung zwischen herrlich bösem Humor, übertriebener Comedy und einer stellenweise nachdenklich stimmenden Ernsthaftigkeit zu meistern, der Oberflächlichkeit den Krieg zu erklären und alte Werte, die in den 1980ern galten, aber auch heute immer wieder präsent zu sein scheinen, in Frage zu stellen. Ein Kultfilm, den man sich auch heute noch gut anschauen kann und all jenen, die ihn noch nicht kennen, unbedingt ans Herz gelegt werden kann.

Christian Funke