Hellraiser: Revelations – Die Offenbarung  (Tiberius Film/ Sunfilm Entertainment)

Hellraiser: Revelations – Die Offenbarung (Tiberius Film/ Sunfilm Entertainment)

Der Horror-Fan erinnert sich und neigt ehrfürchtig sein Haupt: Mitte der 80er Jahre erschien ein damals am Beginn seiner Karriere stehender Schriftsteller namens Clive Barker, und revolutionierte mit der Verfilmung einer seiner Novellen das gesamte Genre. Hellraiser war ein Film, der einem als Zuschauer den Boden unter den Füssen wegzog. Düster, humor- und kompromisslos und ausgestattet mit Effekten, die auch heute noch überzeugen war der Film ein unglaublich dunkler und atmosphärischer Trip in die tiefsten Alpträume. Verantwortlich dafür waren eine Figur und ihr Gefolge, die eine neue Dimension des Schreckens verbreitete. Der Pinhead und seine Schar an Cenobiten. In Leder gewandet und fürchterlich entstellt, sahen sie aus wie einem höllischen S/M-Fetisch frönenden Halloween-Gestalten. Unerbittlich und gnadenlos brutal verfolgten sie jeden, der den Fehler beging, sie durch Nutzung/ Entschlüsselung eines magischen goldenen Würfels aus ihrer Hölle zu rufen.

Der Film erlangte einen nahezu magischen Ruf und war lange Zeit, gerade hierzulande, der heilige Gral eines jeden Genrefans, dem man auf diversen Filmbörsen in der möglichst ungeschnittenen Form habhaft werden wollte. Einige Zeit später erschien Teil 2, der inhaltlich relativ nahtlos anschloss, den Gewaltlevel um einiges anzog, aber auch eine stimmige Atmosphäre und eine passende Story zu bieten hatte. Jedoch mit jeder weiteren Fortsetzung sank das Niveau dieser Reihe ab, so dass im Verlauf der späteren Filme die Cenobiten immer weiter in den Hintergrund rückten und teilweise nur noch als faszinierender aber teils unbedeutender Aufhänger ins Spiel kamen. Irgendwann stieg auch der Pinhead-Stammschauspieler Doug Bradley aus und überließ seine legendäre Figur einem Nachfolger.

Hier vorliegend haben wir nun den neunten Teil der Reihe namens Hellraiser: Revelations – Die Offenbarung, welche bei Sunfilm Entertainment und Tiberius Film in der ungeschnittenen Fassung erscheint. Viel musste man im Vorfeld über diesen Film lesen. Er sei als sehr preiswerter „Schnellschuss“ in nur drei Wochen entstanden, da Dimension ansonsten die Rechte an der Franchise verloren hätte, und deshalb seien sowohl Location, Story als auch Darsteller unterstes Niveau.
Hier kann ich erst mal Entwarnung geben. Regisseur Victor Garcia (Mirrors 2) ist ein Film gelungen, der seit langer Zeit endlich mal wieder die Cenobiten in den Mittelpunkt stellt, und seine Geschichte thematisch an die Anfänge der Reihe andockt!
Zwei Teenager namens Steve und Nico beschließen, Nach Mexiko/ Tijuana zu fahren, um was zu erleben. Neben ihrem Wunsch, ihren Trieben freie Bahn zu lassen (was für eine der beteiligten Damen jedoch unschön endet), treffen sie jedoch auch noch auf einen mysteriösen Mann, der ihnen einen magischen Würfel gibt, der jedem Vergnügen bereiten würde, der ihn zu bedienen weiß. Was das bedeutet, weiß der kundige Fan der Reihe!
Nun lernen wir jedoch als Zuschauer auch noch das Elternhaus der Jungen kennen, denn diese sind von ihrem Trip nicht mehr zurückgekehrt, und somit lädt man zum ersten Jahres-Gedenktag zur gemeinsamen Trauer ein. Mitten in der Trauerfeier jedoch steht plötzlich einer der verschollenen Teens, Steve, vor der Tür. Zwar unversehrt aber charakterlich verändert. Den Grund für die Veränderung werden die Anwesenden jedoch schnell aber schmerzhaft erfahren. Manchmal wäre es besser, der Verschwundene bliebe dies auch, denn in diesem Fall bringt er unschöne Gäste mit.

Hellraiser: Revelations – Die Offenbarung macht nicht alles verkehrt! Die Story ist solide, wird gut erzählt und stimmig inszeniert. Man merkt an vielen Stellen das geringe Budget, aber in Summe sind sowohl die Kostüme als auch die Effekte in Ordnung. Dumm nur, dass man den Darsteller des Pinhead komplett falsch besetzt hat. Hier fehlt eindeutig das Würdevolle des großartigen Doug Bradley, der seiner Figur erst das richtige Maß an Bedrohlichkeit einflößen konnte. Das man dann zusätzlich noch den Clou mit dem gefundenen Film der Teenager anwenden musste, war absolut unnötig, da es die Story nicht wirklich nach vorne brachte und leider mittlerweile in jedem zweiten Horrorfilm vorkommt.

Die Blu-ray aus dem Hause Sunfilm Entertainment und Tiberius Film glänzt durch ein sehr gutes Bild und einen sauberen Sound, leider gibt es im Bonusmaterial nur eine Programmshow und den Originaltrailer zu finden.

Hellraiser: Revelations – Die Offenbarung ist ein guter Film für einen Themenabend bei Chips und Kaltgetränken. Als Teil des Klassiker-Franchise kann er natürlich an keiner Stelle dem Original das Wasser reichen, ist aber besser und stimmiger inszeniert, als so manch anderer der Fortsetzungen. Mit seinen knappen 79 Minuten Lauflänge bietet er somit solide und atmosphärische Unterhaltung.

Christian Funke-Smolka