„Hitman: Cohen & Tate“ (Koch Films)

„Hitman: Cohen & Tate“ (Koch Films)

Darsteller: Roy Scheider, Adam Baldwin, Harley Cross

Regie: Eric Red

Zwei gegensätzliche „Hitmen“ bekommen es ihm Verlauf einer höllischen Nacht mit ihrem gefährlichsten Gegner zu tun: sich selbst. Denn als sie mit dem erst neunjährigen Travis den einzigen Zeugen eines Auftragsmordes entführen, zeigt sich, wie unterschiedlich die beiden Profikiller ticken. Während der skrupellose Tate (Adam Baldwin) den unliebsamen Zeugen so schnell wie möglich loswerden will, plagt Cohen (Roy Scheider) sein Gewissen. Eine Situation, die der clevere Travis geschickt gegen die beiden auszuspielen weiß…

Mit seinen Drehbüchern für HITCHER – DER HIGHWAYKILLER und NEAR DARK – DIE NACHT HAT IHREN PREIS hat Eric Red den Genrefilm der späten 80er-Jahre geprägt, mit HITMAN – COHEN & TATE sein eindrucksvolles Regiedebüt vorgelegt. Eine Thriller-Perle, die keine Gefangenen macht und Roy Scheider (DER WEISSE HAI, DAS FLIEGENDE AUGE) in einer seiner stärksten Rollen zeigt.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Die Familie Knight steht im Zeugenschutzprogramm, da ihr neunjähriger Sohn Travis (Harley Cross, Das Ritual, Die Fliege II) einen von der Mafia beauftragten Mord beobachtet hat. Doch in dem angelegenen Safe House tauchen die beiden Auftragskiller Cohen (Roy Scheider, Der weiße Hai, Punisher) und Tate (Adam Baldwin, Full Metal Jacket, The Last Ship) auf, erschießen alle und kidnappen den Jungen, um ihn ihren Auftragsgebern zu bringen. Doch der Junge hat es faustdick hinter den Ohren…

Eric Red dürfte den Genrefreunden eher mit seinen Drehbüchern Hitcher, der Highway Killer, Blue Steel und Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis, als mit seinen selbst inszenierten Spielfilmen (Im Auge des Hurricane, Bad Moon, 100 Feets) ein Begriff sein. Hier vorliegend haben wir seinen ersten nach eigenem Drehbuch inszenierten Spielfilm Hitman: Cohen & Tate, den er nach den Erfolgen Hitcher und Near Dark verwirklichen durfte. Was Red hier präsentiert, ist im Gesamteindruck ein erstaunlich düsterer Thriller, der seine Geschichte geradlinig erzählt, ein Minimum an Handlungssträngen und Charakteren aufbaut und dabei ein erstaunlich hohes Maß an Spannung erzielt. Man trifft auf seine Markenzeichen: deftige Shoot-outs und krachige Autostunts, der Fokus jedoch liegt auf sein Psychoduell zweier sich nicht unbedingt wohlgesonnen Auftragsmörder, die gemeinsam mit einem kleinen Jungen durch die Gegend fahren und dem es erstaunlich gut gelingt, diese aufgeheizte Stimmung in einem beengten Bewegungsraum für sich nutzbar zu machen. Roy Scheider, immer gerne gesehen, ist hier der König der Lässigkeit und man nimmt ihm den gnadenlosen und erbarmungslosen Killer in jeder Sekunde ab. Währenddessen verkörpert auch Adam Baldwin seinen eher unberechenbaren, sehr temperamentvollen Hitman überzeugend, lediglich der Junge nervt gelegentlich (was aber an meiner Abneigung gegenüber neunmalklugen Kindern liegen mag!).

Hitman: Cohen & Tate ist so ein interessanter Genrebastard, der den Noir mit Südstaatenthriller kombiniert, gleichzeitig Roadmovie und Gangsterdrama verkörpert und letztendlich doch ein auf sein erzählerisches Minimum reduziertes Drama dreier Personen darstellt, die unfreiwillig viel Zeit auf engem Raum miteinander verbringen müssen. Auch wenn eigentlich nicht viel passiert, bleibt der film stets spannend, erzeugt eine subtil wirkende Ungemütlichkeit und explodiert in punktuellen impulsiven Gefühlsausbrüchen. Der Film mag kein alles überragendes Meisterwerk sein, ist aber ein herrlich dreckiger, stellenweise ziemlich derber und größtenteils auf den Punkt inszenierter Thriller, den man sich immer wieder angucken kann und bei dem es schön ist, dass Koch Films ihn endlich in einer wirklich gelungenen Veröffentlichung den Zuschauern zur Verfügung stellen.

© Trailer: VHS Trailer Park

Koch Films veröffentlicht den Videothekenkracher Hitman: Cohen & Tate (Originaltitel: Cohen & Tate, USA 1988) erstmals in digitaler Form in der ungekürzten Fassung auf DVD und Blu-ray. Besonders findige Zuschauer werden in den Deleted Scenes ein Easter-Egg entdecken, welches die entfernten Szenen in den Hauptfilm einfügt und so den Genuss der legendären Unrated-Fassung ermöglicht! Da auch schon die letzte TV-Ausstrahlung etwa zehn Jahre zurückliegt, kann sich der geneigte Actionfan freuen! Bild (1,85:1/1080p/16:9) und Ton (Deutsch & Englisch: PCM 2.0) der von mir getesteten Blu-ray befinden sich auf einem erstaunlich guten Niveau, die Besitzer der VHS können diese also getrost entsorgen!  Das Mediabook besitzt zwei Cover-Varianten und beinhaltet neben der DVD und der Blu-ray noch ein Booklet. Im Bonusbereich der Blu-ray gab es zudem einen Audiokommentar mit Regisseur Eric Red und einen mit Filmkritiker Patrick Lohmeier. Dazu gesellen sich das 21 Minuten lange Special „A Look Back at Cohen & Tate“, neun entfernte oder erweiterte Szenen, der Trailer und eine Bildergalerie.

Hitman: Cohen & Tate mag das cineastische Rad nicht neu erfinden, ist aber ein durchweg fesselnder, minimalistischer Thriller, der von seinen guten Darstellern und einer bewusst spartanischen Regie lebt, die ähnlich ihren Protagonisten an manchen Stellen unerwartet brachial explodiert. Eric Red, der eher mit seinen Drehbüchern in Erinnerung geblieben sein dürfte, zeigt hier eine zu Unrecht in Vergessenheit geratene Perle, die dankenswerterweise von Koch Films liebevoll aufbereitet präsentiert wird.

Christian Funke