if... (Paramount Home Media Distribution)

if… (Paramount Home Media Distribution)

CoverIm Mittelpunkt des preisgekrönten Meisterwerks „If….“ stehen eine englische Privatschule und drei renitente, unangepasste Oberschüler.
Der Film, in dem Malcolm McDowell sein Filmdebüt gibt, ist eine erstaunliche Mischung aus Fakten und Fiktion. Für die Schüler des Traditionsinternats sind strikte Disziplin und Erniedrigungen durch die Aufsichtsschüler an der Tagesordnung. Akribisch dokumentiert Regisseur Lindsay Anderson die Repressalien bis hin zur schmerzlichen Auflehnung gegen Autorität und Unmenschlichkeit. Diese Rebellion schließlich endet in einer surrealen und grausamen Traumsequenz. Trotz des erschreckenden Realismus ist und bleibt das 60er-Jahre-Kino-Highlight eine erstklassige, zutiefst verstörende und besonders britische Komödie.

Meinung zum Film:

Dass Filme zur richtigen Zeit beim richtigen Publikum wie Zündstoff wirken können, zeigen so manche klassisch-cineastischen Beiträge der Vergangenheit. Wenn ein Film auch noch nach heutigen Maßstäben mit seiner Story aufzurütteln vermag, dann kann man ihn getrost als ein zeitloses (Meister-)Werk bezeichnen. If… ein Titel, der mit einem einzigen Wort so viel aussagen kann: denn was passiert mit Menschen, wenn….

If… zeigt uns sehr anschaulich, was passiert, wenn man zu sehr bemüht ist, junge Menschen in ein gesellschaftskonformes, starres System zu presSzenesen. Moralpredigten und radikale Sanktionen haben noch keinen gut „funktionierenden“ Menschen geschaffen. So verwundert es nicht, dass sich die Schüler eines britischen Privatinternats nach einer langen Phase der Unterdrückung gegen das einengende Korsett der pädagogisch fragwürdigen Bevormundung auflehnen. Manchmal auch mit Hilfe von Waffen!

Regisseur Lindsay Anderson präsentiert hier den Beginn seiner Trilogie um Hauptfigur Mick Travis, die hier, wie auch in den beiden Nachfolgern „O Lucky Man!“ und „Britannia Hospital“, von Charakterkopf Malcolm McDowell verkörpert wird. Als Regieassistenz entdeckt man den späteren Regisseur Stephen Frears, als Kameramann arbeitet hier Chris Menges (später sehr erfolgreich mit „Killing Fields“ oder „Mission“). If… ist dabei in seiner Inszenierung in Kapitel unterteilt, die die Story prägnant und deutlich wiedergeben und den weiteren inhaltlichen Verlauf in eine klare und deutliche Struktur bringen.

Paramount Home Media Distribution veröffentlicht If… erstmals als deutschsprachige DVD, die mit einem gelungenen, sowohl schlichten als auch auffallenden Cover wie auch in einer gut bearbeiteten Bild- und Tonqualität aufwartet. Bonusmaterial ist keines vorhanden.

If…, ist ein Film, der ganz in der Tradition des zwar später entstandenen aber prägnanter Szene 3in den Köpfen verbleibenden „Clockwork Orange“ steht und neben dem eben erwähnten Film eine zentrale Rolle in dem zweiten Roman „Schändung“ von Jussi Adler-Olsen einnimmt. Auch wenn einige Handlungen etwas plakativ und in ihrem Entstehungsprozess zu wenig ausgearbeitet scheinen, klingt die Botschaft lange nach und hinterlässt einen tiefen Eindruck. Gut dargestellt und interessant inszeniert ist  ein Film, der auch heute, 45 Jahre nach seiner Erstaufführung noch zu begeistern weiß!

Christian Funke-Smolka