“Im Netz der Gewalt” (Capelight Pictures)

“Im Netz der Gewalt” (Capelight Pictures)

Regie:

Joel Souza

Darsteller:

Thomas Jane, Luke Kleintank, Bridget Moynahan, Josh Hopkins

Der erfahrene LAPD-Officer Ray Mandel (Thomas Jane) und Neuling Nick Holland (Luke Kleintank) sind gemeinsam auf Streife in Los Angeles. Für Nick ist es der erste Einsatz überhaupt, für Ray die erste Nacht als Begleitung eines Rookies. Der Polizeifunk schickt die beiden von einem Einsatz zum nächsten, doch je weiter die Nacht voranschreitet, desto mehr versinkt die Stadt im Chaos. Zwei Polizistenmörder sind auf der Flucht und ein skrupelloser Cop durchkämmt die Straßen auf der Suche nach Vergeltung. Noch bevor seine erste Schicht vorbei ist, muss Nick erkennen, dass es Wahnsinn und Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten des Gesetzes gibt, und er begreift, was es wirklich heißt, ein Cop zu sein…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Los Angeles bei Nacht ist geprägt von Gewalt und Kriminalität. Diese Erfahrung muss Nick Holland (Luke Kleintank), der seine erste Nachschicht als Streifenpolizist des LAPD macht, am eigenen Leib erfahren. Angeleitet wird der Neuling vom erfahrenen und abgehärteten Officer Ray Mandel (Thomas Jane). Es wird ein Nachtdienst, bei dem man tief in das Chaos der Großstadt eintauchen muss und bei dem die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, Gesetz und Verbrechen nicht immer eindeutig gezogen sind…

Crown Vic, oder Im Netz der Gewalt, wie er hier tituliert ist, wirkt, als hätten David Ayer, Antoine Fuqua und Shawn Ryan zusammengesessen und gemeinsam ein Drehbuch entwickelt. Somit sind dem im Genre bewanderten Filmfan die Zutaten hinlänglich bekannt. Aber im Gegensatz zu den bekannten Genrebeiträgen verfolgt Im Netz der Gewalt den Ansatz, seine Geschichte anhand einer Nacht zu erzählen. Dabei setzt Regisseur Joel Souza, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, auf ein gewisses Maß an Realismus, welches er durch einen beinahe dokumentarisch wirkenden Stil untermauert. Nun ist es aber nicht das Ziel des Regisseurs, eine lebensnahe Dokumentation zu inszenieren, weshalb die beiden Protagonisten von einem Einsatz zum nächsten gerufen werden, es mit Verbrechern, Vandalen und gewaltbereiten Kollegen zu tun bekommen. Dabei wiedersetzt sich Souza dem gängigen erzählerischen Aufbau, so dass Im Netz der Gewalt eine, vielleicht etwas überzogene Momentaufnahme darstellt, ohne die daraus resultierenden Konsequenzen aufzuzeigen. Das mag manch eine Zuschauer irritieren, ist jedoch ein guter Kniff, um auch nach dem Abspann noch nachzuklingen. Denn es werden einem keine Ergebnisse oder Lösungen präsentiert, der Film endet mit der Schicht, ohne jede Frage oder jeden Handlungsfaden final zu klären oder zusammenzubringen. So sehr man eine stringent erzählte Geschichte vermissen mag, so faszinierend ist ein Blick auf den Alltag der Polizeibeamten, die sich mit vielfältigen Problemen und den unterschiedlichsten Menschen auseinandersetzen müssen. Souza verfolgt dabei einem Weg, der Im Netz der Gewalt trotz der bekannten Versatzstücke aus der Masse an ähnlichen Filmen hervorstechen lässt.   

Capelight Pictures veröffentlichen Im Netz der Gewalt (Originaltitel: Crown Vic, USA 2019) als DVD, Blu-ray und Video on Demand. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die in Bild (2,35:1/1080p) und speziell im sehr räumlichen Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem qualitativ hohen Niveau überzeugenden konnte. Im Bonusbereich gab es neben einem vierminütigen Hinter-den-Kulissen-Special den Trailer und Programmhinweise.

Mit Im Netz der Gewalt erfindet Drehbuchautor und Regisseur Joel Souza natürlich das Rad nicht neu. Muss er aber auch gar nicht, denn was er hier präsentiert, ist ein solide inszenierter, gut gespielter und knochentrockener Cop-Thriller, der sich in seinem quasi-dokumentarischen Stil ganz in der Tradition der grandiosen TV-Serie The Shield bewegt. Wer damit etwas anfangen kann, wird hier bestens bedient!

Christian Funke