"Ip Man 4: The Finale” (Koch Films)

„Ip Man 4: The Finale” (Koch Films)

Regie: Wilson Yip

Darsteller: Donnie Yen, Scott Adkins, Kwok-Kwan Chan, Chris Collins, Vanness Wu, Kent Cheng u.a.

Wing-Chun Großmeister IP Man (DONNIE YEN) kommt nach San Francisco, um eine Schule für seinen Sohn zu finden und seinem Schüler Bruce Lee beim Aufbau eines Wing Chun-Trainingscenters zu unterstützen. Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden sorgen für Anfeindungen von chinesischen und westlichen Martial Arts-Kämpfern. Besonders brutal geht dabei Barton (SCOTT ADKINS) vor, ein amerikanischer Marineoffizier, der die Auseinandersetzungen auf einen unausweichlichen Clash der Kampfkunst-Disziplinen zuspitzt: Welche Martial Arts-Form ist die überlegene? Welche Nation kann den Sieg davontragen?

IP MAN 4: THE FINALE ist das actiongeladene Finale der größten und erfolgreichsten Martial Arts-Saga der letzten Dekade. Ein letztes Mal schlüpft Donnie Yen in seine größte Rolle und es erwarten uns wie üblich perfekt inszenierte Choreographien und die personifizierte Würde und der Geist der Kampfkunst!

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Seit dem Tod seiner Frau ist Ip Man (Donnie Yen) alleinerziehender Vater seines jugendlichen Sohnes. Als er erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, muss er schauen, wie er seinen Sohn langfristig versorgen kann. Er folgt einer Einladung seines Schülers Bruce Lee (Danny Kwok-Kwan Chan, Kung Fu Hustle) nach Amerika, wo er in San Francisco nicht nur dem Karate-Turnier seines Schülers beiwohnen möchte, sondern nach einer geeigneten Schule für seinen Sohn sucht. Doch Amerika erweist sich für den Wing-Chun Großmeister als ein von Rassismus geprägtes, feindseliges Land, bei dem er selbst bei den dort zugezogenen Chinesen auf Vorbehalte und Vorurteile stößt. Was als freundschaftlicher Besuch gedacht war, wird für Ip Man, der sich immer für Toleranz eingesetzt hat, zu einem Kampf gegen Fremdenhass und Vorurteile.

Yip Man, geboren im Oktober 1893 in China und im Oktober 1972 in Hongkong gestorben, wird offiziell als der Großmeister der (süd-) chinesischen Kampfkunst Wing Chun geehrt. Sein Einfluss ist so groß, dass sich auf seine Lehren mittlerweile viele Varianten dieser Kampfkunst beziehen. Sein Kampfstil war so revolutionär, dass seine Kampfschulen ohne Werbung immer großen Zulauf hatten. Unter seinen zahlreichen Schülern befand sich zum Beispiel die Martial Arts-Ikone Bruce Lee. Seit 2008 bemüht sich Regisseur Wilson Yip in seinen filmischen Biografien des Großmeisters Yip Man weniger, historisch lückenlos und korrekt, sondern vielmehr ein spürbar machen der Person des Wing-Chun Lehrers darzustellen. Dazu hat er in Donnie Yen die ideale Besetzung des Kampfkünstlers gefunden, der seiner Figur sowohl die nötige Würde und Autorität verleihen kann, aber auch in den zahlreichen Kämpfen zu bestehen weiß! Mit dem vorliegenden Ip Man 4: The Finale erleben wir nun das Ende dieser Saga, welches angesiedelt ist im Zeitraum 1964 bis zum Tode des Großmeisters im Jahr 1972. Eines wird schnell deutlich: das Finale ist deutlich emotionaler und persönlicher, als die allesamt hervorragenden Vorgänger. Man zeigt den Großmeister als Familienmensch, lässt ihn nicht als strahlenden Helden in Szene setzen, sondern gibt ihm ein facettenreiches Spektrum an Gefühlen und Emotionen, sodass wir hier einen sehr glaubhaften und berührenden Abschied einer liebgewonnenen Figur erleben können. Dass die Kämpfe jedoch trotzdem grandios choreografiert sind, verdankt man Action-regisseur Yuen Woo-Ping, der hier jedoch deutlich das Tempo reduziert hat, dafür jedoch prägnanter auf den Punkt kommt. Die Fights, speziell mit dem herrlich böse agierenden Scott Adkins, glänzen von der ersten bis zur letzten Sekunde! Man merkt, dass hier ein wunderbar aufeinander eingespieltes Team am Werk ist! Dabei bietet die Story eine vielseitige Geschichte, die nicht nur die familiären Schwierigkeiten glaubhaft behandelt, sondern auch Themen wie Ausgrenzung, Migration und Rassismus stimmig einbringt. Somit ist Ip Man 4: The Finale nicht nur ein überzeugender Kampffilm, sondern auch ein emotionaler, fesselnder und würdiger Abschied!

Ip Man 4: The Finale (Originaltitel: Yip Man 4, Hongkong 2019) erscheint bei Koch Films als DVD, Standard – Blu-ray und als Blu-ray-Steelbook. Bild (2,40:1/1080p) und Ton (Deutsch & Kantonesisch: dts-HD Master Audio 5.1) der von mir getesteten Blu-ray befanden sich auf einem qualitativ sehr ausgewogenen Niveau. Im Bonusbereich befanden sich neben dem Trailer und einer Bildergalerie das zweiminütige Special zur „10-jährigen Legende“, ein kurzes Making-of, ein dreiminütiges Featurette über die Geschichte und drei kurze Ansagen von Donnie Yen und Scott Adkins.

Mit Ip Man 4: The Finale führt Wilson Yip die Sage zu einem würdigen Ende. Donnie Yen, der Wing-Chun Großmeister seit 2008 verkörpert, bietet eine in sich ruhende, sehr ausgewogene Darstellung, die das Gefühl vermittelt, dass der Schauspieler mit seiner Rolle (trotz des speziell in diesem Film auffälligen Altersunterschieds zum realen Yip Man, der in diesem hier behandelten Zeitabschnitt fast 20 Jahre älter als sein Darsteller war.) verschmolzen zu sein scheint. Dazu die sauber choreografierten, angenehm entschleunigten Kampfchoreografien und ein angenehmer Score von Kenji Kawai. Ein sehr persönlicher, emotionaler Ausklang einer mir sehr ans Herz gewachsenen Filmreihe!

Christian Funke