Ip Man

Ip Man


(Splendid film)

Es gibt filmische Biografien wie Sand am Meer. Die einen sind besser, über andere breitet man besser den Mantel des Schweigens.
Hier nun kommt eine überaus gelungene Biografie eines Mannes, der in der westlichen Welt trotz seines für Fans einflussreichen Wirkens eher unbekannt ist: Yip Man. Geboren im Oktober 1893 (gestorben im Dezember 1972) in China wird offiziell als der Großmeister der (süd-) chinesische Kampfkunst Wing Chun geehrt. Sein Einfluss ist so groß, dass sich auf seine Lehren mittlerweile viele Varianten dieser Kampfkunst beziehen. Sein Kampfstil war so revolutionär, dass seine Kampfschulen ohne Werbung immer großen Zulauf hatten. Unter seinen zahlreichen Schülern befand sich zum Beispiel der bekannte Bruce Lee.
Zeitlich angesiedelt ist der auf einen Mehrteiler ausgelegte Ip Man Anfang 1930. Es werden die Anfänge des Großmeisters beleuchtet, so wie den Einfall der Japaner und die darauf folgende Unterwerfung der chinesischen Bevölkerung. Hier gelingt es Ip Man, durch seinen im Film immer als vorbildlich und tadellos dargestellten Charakter, sich als Volksheld gegen seinen Willen darzustellen. Dies ist auch meiner Meinung nach der einzige Schwachpunkt. Kritische Betrachtungen der Person Ip Man sucht man nahezu vergebens. Es gibt einige subtil eingestreute Punkte, die man als unterschwellige Kritik sehen kann (zu Beispiel seine Rolle in der Familie, welche er wegen seiner Kämpfe stark vernachlässigt), allerdings sind diese selten und sehr unterschwellig (nun gut, am Dreh beteiligt waren seine zwei Söhne, die der Sache wohl eher unkritisch gegenüberstehen). Dadurch wirkt die Figur des Meisters oft unantastbar, gar übermenschlich, was ihn teilweise in einer etwas versnobten und leicht arroganten Art darstellt.
Hauptdarsteller Donnie Yen (Blade II, Hero) gelingt es, diese bekannte Person mit Leben zu füllen, und ihm die gewisse Würde und Glaubwürdigkeit zu verleihen, Highlight jedoch sind natürlich die gezeigten Kämpfe. Diese entstanden unter der Leitung von Sammo Hung, und sind auch filmisch gut dargestellt. Hier verzichtete man auf zu schnelle Schnitte, so dass das Gezeigte entsprechend zur Geltung kommt. Regisseur Wilson Yip (Dragon Tiger Cage, Killzone SPL) gelingt es, einen Detailverliebten, sorgfältig ausgestatteten Film mit hervorragenden Darstellern abzuliefern. Dabei gelingt ihm ein teils humorvoller, spannender Geschichtsabriss an Hand der Biografie des Großmeisters.
Die Special Edition aus dem Hause Splendid film liegt in einer edel aufgemachten Doppel- DVD im Pappschuber vor.Im Bonussektor der vorliegenden Doppel- DVD gibt es neben einem informativen Making of noch einige geschnittene Szenen, Interviews mit Cast und Crew plus Hintergrundinformationen vom Set, wo unter Anderem Vergleiche der historischen Orte zu den inszenierten Drehorten gezeigt werden. Ip Man ist ein gelungenes, fesselndes Biopic, welches zwar einige Details verklärt darstellt, jedoch den Spagat zwischen historischem Drama, Biografie und Actionfilm mühelos meistert, und den Zuschauer knapp zwei Stunden gut unterhält.

CFS