Italowestern-Enzyklopädie No. 2  (Koch Media)

Italowestern-Enzyklopädie No. 2 (Koch Media)

Vier Klassiker des italienischen Westerns in einer limitierten Box mit exklusivem Bonusmaterial

Schluss mit dem sauberen Wilden Westen! Zwischen Hommage, Persiflage und revolutionärer Neuinterpretation des amerikanischsten aller Filmgenres bewegten sich die grimmigen bis brutalen Italowestern der sechziger und siebziger Jahre. Dreckverkrustete Pistoleros, zynische Kopfgeldjäger und zwielichtige Anti-Helden reiten auch im zweiten Teil der Italowestern Enzyklopädie in Richtung Showdown.

Meinung zur Film-Box:

51qxNVcdw-LWenn dem geneigten Zuschauer Titel wie Bleigericht, Der Mann aus Virginia, Vier Teufelskerle oder Die sich in Fetzen schießen um die Ohren fliegen, weiß man, dass man bei der Koch Media – Box der weniger edlen Western, nämlich der Italowestern-Enzyklopädie No. 2 angekommen ist. Der Kenner weiß, was das für den Genre-Fan bedeutet, nämlich vier interessante Vertreter des Italowesterns, teils erstmalig in ihrer unzensierten Version, Bild und Ton auf dem Koch Media-typischen guten Niveau und zudem ausgestattet mit teils exklusivem, für den Kenner meistens hochinteressantem Bonusmaterial. Also begeben wir uns in die bleihaltige, gewalttätige aber immer mit schmissiger Musik unterlegten Welt der harten Kerle und der lasziven Frauen!

Bleigericht, der bis vor zwei Jahren noch wegen einiger überraschender Härten indiziert war, ist ein relativ spannender Western-Krimi, in dem sich Pistolero Slim Corbett (der spätere DDR-Elvis Dean Reed, der hier auch den Titelsong singt) auf die Suche nach bei Überfällen entwendetem Geld machen muss. Da sich in Wells City jedoch nicht nur Saubermänner aufhalten, sondern die Korruption anscheinend bis in die höchsten Ränge zu gehen scheint, wird die Recherche für Corbett bald lebensgefährlich.
Im Jahr 1967 von Regisseur Paolo Bianchini (Django spricht kein Vaterunser) inszeniert, handelt es sich hier um die ungekürzte Version, deren ehemals fehlenden Teile in der Originalsprache mit Untertiteln eingefügt wurden. Die deutsche DVD-Premiere hat zudem noch ein längeres Feature namens „Der Cowboy mit der Gitarre“, einen kürzeren Bericht von Filmhistoriker Fabio Melelli so wie Trailer und Bildergalerien an Bord.2103903-dvm001401d-2

Der Mann aus Virginia ist ein von Michele Lupo im Jahr 1977 inszenierter Film, ist ein düsterer, dramatische Spätwestern, der mit Raimund Harmsdorf als Kopfgeldjäger Whittaker zudem prominent besetzt ist. Musikalisch durch Gianni Ferrios sehr melancholisch untermalt erleben wir hier den Südstaatler Random (Giuliano Gemma), der sich nach Kriegsende auf die Farm eines getöteten Freundes zurück zieht und gegen gnadenlose Kopfgeldjäger wehren muss.
Auch hier haben wir wieder einen längeren („Der Drehbuchautor aus Rom“, ein Gespräch mit Roberto Leoni) und einen kürzeren („Die Abenddämmerung des Westerns“ erneut mit Filmhistoriker Fabio Melelli) Bericht im Bonusmaterial, dazu noch den Trailer und eine Bildergalerie.

2103903-dvm001401d-3Der nächste Film Vier Teufelskerle ist ebenfalls eine ungekürzte DVD-Premiere. Im Jahr 1973 von Giuseppe Rosati inszeniert, erleben wir Gianni Garko als muslimischen, den Koran zitierenden Kopfgeldjäger namens Korano, der sich mit drei Offizieren auf die Jagd nach mexikanischen Banditen macht, die eine Gruppe US-Soldaten getötet haben und dabei neben Munition und Waffen auch die Tochter des örtlichen Arztes mitnahmen.
Hier haben wir eine ganze Reihe interessanter Zusatzmaterialien. Neben einem längeren Bericht über den Komponisten Nico Fidenco haben wir noch ein Interview mit Gianni Garko, ein Feature mit Filmhistoriker Fabio Melelli namens „Garko gegen Alle“, so wie Trailer und Bildergalerien.

Als letzten Film der sowohl abwechslungsreichen wie auch gelungenen Italowestern-Enzyklopädie No. 2 von Koch Media haben wir einen Film, dessen Titel ich am kernigsten finde:

vlcsnap-00034-300x126Die sich in Fetzen schießen. Regisseur Tanio Boccia inszenierte diesen sehr atmosphärischen Italo – Western im Jahr 1967. Skurril ist, dass man nach dem gleichen Drehbuch drei Jahre später den Film „Matalo – Willkommen in der Hölle“ drehte.
Hier treffen wir auf einen Räuber, der mit seiner Geliebten und einem Kollegen in einer Geisterstadt abtauchen wollen, um sich wegen ihrer jüngsten Verbrechen zu verstecken. Doch als zwei Fremde die Stadt erreichen, droht die Situation zu eskalieren.
Hier handelt es sich um eine Wiederauflage des Films, im Bonusmaterial befinden sich ebenfalls ein längeres und ein kürzeres Feature, so wie Trailer und eine Bildergalerie.

Koch Media bietet hier dem Fan des härteren Italo-Westerns eine gute Möglichkeit, vier Filme in einer gelungenen Zusammenstellung, in einer gut aufgemachten Box und teils erstmals ungekürzt erwerben zu können. Zudem liebevoll mit gutem Zusatzmaterial und einer technisch guten Qualität ausgestattet, kann die Italowestern-Enzyklopädie No. 2 somit jedem Fan empfohlen werden!

Christian Funke-Smolka

Trailer:

Die sich in Fetzen schießen:

Bleigericht:

Vier Teufelskerle: