Jackpot -Vier Nieten landen einen Treffer (NFP marketing & distribution)

Jackpot -Vier Nieten landen einen Treffer (NFP marketing & distribution)

Regie: Magnus Martens
Drehbuch: Jo Nesbø und Magnus Martens
Mit: Kyrre Hellum, Mads Ousdal, Arthur Berning, Andreas Cappelen, u.a.

Basierend auf einem Original-Drehbuch von Bestseller-Autor Jo Nesbø – der u.a. auch die Romanvorlage zum Kino-Thriller „Headhunters“ lieferte – knüpft JACKPOT genau da an, wo skandinavische Kultfilme wie „In China essen Sie Hunde“ aufgehört haben. Als blutige Gaunerkomödie serviert sie ihren pechschwarz-trockenen Humor ohne mit der Wimper zu zucken und erfreut ihre Zuschauer mit skurrilen Charakteren und grotesk-absurder Action, die JACKPOT als „tarantinoesk“ zCoveru bezeichnen fast untertrieben erscheinen lassen. Für alle Fans skandinavischer Komödien ein Muss.

Happy Christmas sieht anders aus: Es ist kurz vor Weihnachten, als Oscar (Kyrre Hellum) in einem seriösen Striplokal wieder zu Bewusstsein kommt. Blutend liegt er auf dem Boden und kämpft sich unter dem Körper einer unförmigen toten Frau hervor, von weiteren sieben Leichen umgeben und mit einem Gewehr in der Hand. Was soll Kommissar Solør (Henrik Mestad) bei diesem speziellen Anblick wohl denken? Er muss jedenfalls nicht lang überlegen, wen er dafür verantwortlich machen soll – Oscar aber denkt gar nicht daran, ein Geständnis abzulegen. Sondern erzählt Solør stattdessen seine Geschichte. Und die beginnt damit, dass die drei Ex-Knackis Thor (Mads Ousdal), Billy (Arthur Berning) und Tresko (Andreas Cappellen) irgendwo im Nirgendwo in einer Fabrik am Fließband stehen und Plastikweihnachtsbäume zusammenschrauben. Alle drei können nicht nur eine beeindruckende kriminelle Vergangenheit vorweisen, jeder von ihnen ist auch ein Spieler. Natürlich glücklos und ohne jemals groß gewonnen zu haben. Bis – ja, bis sie ihn, ihren Chef Oscar, dazu überreden, eine Tippgemeinschaft zu gründen. Und sie tatsächlich gemeinsam den Jackpot knacken und eine fette Summe einstreichen. Eine Summe, die sich allerdings unmöglich durch vier teilen lässt. Und genau da fängt der Spaß an…

Meinung zum Film:

Der norwegische Autor Jo Nesbø hat ein Händchen dafür, seinen Protagonisten zu zeigen, dass das Leben manchmal eine Schatztruhe ist…. voll mit Sche*** (okay, ich gebe es zu, das Zitat wurde von Kurt Vonnegut ausgeliehen)! Hier zeigt er es dem eher unscheinbaren Oscar, dargestellt von Kyrre Hellum, der durch seine Tätigkeit als Betreuer von Strafgefangenen täglich mit dubiosen Figuren zu tun hat. Dieses Mal jedoch wird die Lage für ihn brenzlig, denn er erwacht in Anwesenheit der Polizei in einem Stripschuppen, der Schauplatz eines blutigen Massakers wurde…. und er ist der einzige Überlebende. Da zudem auch noch eine Tasche voller Geld fehlt, fällt der Verdacht aus Mangel an Alternativen auf ihn. Während des Verhörs erzählt Oscar nun seine absurd-skurrile Geschichte.

Der skandinavische Film ist bekannt für seine perfekte Kombination von tiefschwarzem, bitterbösen Humor und dem Hang zu überbordenden Gewaltausbrüchen. Beispiele dazu finden sich zu Genüge in der dortigen Filmlandschaft. Regisseur MaJackpot...gnus Martens präsentiert mit Jackpot einen Film, der sowohl gute Darsteller (Henrik Mestad – „Ein Mann von Welt“, Arthur Berning – „Cold Prey 3“ oder Mads Ousdal – „Norwegian Ninja“) als auch ein ungewohnt humorvolles Drehbuch des eigentlich auf verzwickte Thriller spezialisierten Jo Nesbø vereint. Auch wenn die Vergleiche zu Tarantino, den Coen-Brüdern (hier besonders „Fargo“) und Ritchie mittlerweile jedem Filmkenner aus den Ohren hängen sollten, sind sie an dieser Stelle nicht unpassend. Denn Martens vereint in seiner Inszenierung sowohl ein hohes Tempo, einen guten Soundtrack als auch eine Story, die auf zwei Zeitebenen spielt und mehr Haken schlägt als ein Hase im Galopp. Das Ganze reichert er mit einem unglaublich bösen Humor, verrückten Figuren und eine Menge Gewalt an, so dass Jackpot auf den ersten Blick voll überzeugen kann. Schaut man jedoch etwas genauer hin, wird schnell deutlich, dass es für ein länger anhaltendes Filmerlebnis an inhaltlicher Tiefe und einer prägnanteren Figurenzeichnung fehlt. Denn letztendlich bleibt bei dem irren Tempo, den perfekt choreografierten Schießereien und der tollen Kameraarbeit der Blick für Logik und nachvollziehbares Handeln ein wenig auf der Strecke.
Somit ist Jackpot ein Film, der sich deutlich an den großen Vorbildern orientiert, den Zuschauer für anderthalb Stunden sehr gut unterhält, die Tiefe und Nachhaltigkeit der genannten Klassiker jedoch nur ansatzweise erreicht.

Christian Funke-Smolka