“Kansas City” (Koch Films)

“Kansas City” (Koch Films)

Regie: Robert Altman

Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Miranda Richardson, Harry Belafonte u.a.

Entführungen gehören im Kansas City der 1930er-Jahre zum Alltag: Der Gangsterboss Seldom Seen (Harry Belafonte) kidnappt den Kleinkriminellen Johnny O’Hara (Dermot Mulroney), weil der einen Gast von Seens angesagtem Jazzclub beklaut hat. Johnnys Ehefrau Blondie (Jennifer Jason Leigh) schnappt sich im Gegenzug die drogensüchtige Politikergemahlin Carolyn Stilton (Miranda Richardson), damit deren Ehemann (Michael Murphy) mit seinen Verbindungen zum Mob Johnny freibekommt. Blondies Verzweiflungstat mündet in einen tödlichen Schlussakkord.

Es jazzt gewaltig! Für seinen im Mai 1996 in Cannes erstmals präsentierten KANSAS CITY holte sich Robert Altman (THE PLAYER) zur musikalischen Unterstützung aktuelle Jazzgrößen wie James Carter, Craig Henry und David Murray in den Cast, die namhafte Musiker der 1930er-Jahre verkörpern. Während diese ohne Pause jammen, was das Zeug hält, entfaltet der Regisseur mittels seines Krimi-Plots das faszinierende Porträt einer vibrierenden Metropole – und das nun weltweit erstmals auf Blu-ray.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Der Kleinkriminelle Johnny O´Hara (Dermot Mulroney, Insidious: Chapter 3) wird vom farbigen Gangster Seldom Seen (Harry Belafonte, BlacKkKlansman) beim Bestehlen eines Spielers seines Clubs erwischt. Obwohl er das Geld zurückzahlt, nimmt ihn der Gangsterboss gefangen und möchte an ihm ein Exempel statuieren. Da seine Frau Blondie (Jennifer Jason Leigh, Hateful 8) um das Leben des Kleinkriminellen fürchtet, entführt sie in ihrer Verzweiflung die gelangweilte, opiumabhängige Ehefrau von Henry Stilton, einem demokratischen Senator, um ihren Mann mit diesem Druckmittel freizupressen. Doch nichts läuft in Kansas City so, wie man es plant…

Robert Altman (* 20. Februar 1925; † 20. November 2006) war ein Filmemacher, der in den frühen 1970ern mit seinen bissigen Satiren große Erfolge (M*A*S*H ) verzeichnen konnte, um den es dann jedoch etwas ruhiger wurde und er sich dem Theater zuwandte. Erst Anfang der 1990er gelang ihm dann mit The Player und direkt im Anschluss Short Cuts ein fulminantes Comeback, welches ihm künstlerische Freiheit bescherte und zu dem hier vorliegenden Kansas City führte, zu dem er parallel die Dokumentation Jazz ’34 inszenierte. Bereits in den 80ern als TV-Film konzipiert, kann man als Zuschauer froh sein, dass dieses Projekt nicht zustande kam, sondern weitere Jahre ins Land gehen mussten, um zu diesem hier vorliegenden Ergebnis zu führen. Der leidenschaftliche Jazz-Fan Altman erzählt hier eine Geschichte, bei der weniger das perfekt besetzte Gangsterdrama im Vordergrund steht, sondern die Musik die Hauptrolle spielt. Und hier gelang es ihm, die Crème de la Crème zu bekommen, die den Film musikalisch tragen und ihm seinen ganz eigenen Rhythmus geben. So wirkt der gesamte Film wie ein Jazzstück, bei dem es diverse fixe Punkte gibt, die Zwischenräume jedoch viel Freiraum für Improvisation lassen. Dies ist eine Erzählweise, auf die man sich einlassen muss, die sich aber, beginnt man den Film eher mit dem Bauch, als mit dem Kopf zu erleben, durchaus lohnt.

© Trailer: Video Detective

Kansas City (Originaltitel: Kansas City, Frankreich/USA 1996) erscheint bei Koch Films weltweit erstmals auf Blu-ray. In dem ansprechend gestalteten Mediabook befinden sich die DVD und die Blu-ray des Films, für die Besprechung wurde die Blu-ray getestet. Diese war in Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 2.0; Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem gut aufbereiteten Niveau, im Bonusbereich befanden sich neben einem Audiokommentar, einer Einführung von Filmhistoriker und Altman-Experte Luc Lagier, der auch die viertelstündige Dokumentation Robert Altmans Kansas City beisteuerte, noch eine Bildergalerie, den Trailer, ein zweiminütiges Behind-the-Scenes-Special, ein Booklet und Interviews mit den am Film Beteiligten.

Mit Kansas City schuf Robert Altman eine liebevolle Hommage an seine Geburtsstadt und den Jazz der frühen 30er. Hervorragend besetzt und musikalisch beeindruckend, legt der Film seinen Schwerpunkt weniger auf eine straff erzählte Story, sondern auf die Musik, so dass hier alle Jazzliebhaber auf ihre Kosten kommen. Ein stimmungsvoller, inszenatorisch atmosphärischer Film, der vielleicht nicht zu seinen pointiertesten, aber wahrscheinlich zu einem seiner persönlichsten Filme gezählt werden kann.

Christian Funke