King of Devil’s Island (Alamode Film)

King of Devil’s Island (Alamode Film)

 

Jede Generation hat ihre düsteren Kapitel. Eines davon ist das der norwegischen Gefängnisinsel Bastoy bei den Fjorden Oslos, welches über 53 Jahre lang eine Besserungsanstalt für junge Männer zu Beginn des letzten Jahrhunderts war. Geleitet unter dem strengen Regime des Anstaltsleiters (Stellan Skarsgard – The Avengers, Finchers Verblendung) wird nach außen hin das Bild präsentiert, es handele sich um eine Einrichtung zur „Behandlung vernachlässigter Kinder“. Fakt jedoch war, dass hier junge Menschen, die auf Grund verschiedener Vorkommnisse in der Gesellschaft (und hier reichten auch schon kleine Vergehen), auf diese Insel kamen, systematisch entmenschlicht wurden. Strenge, teils unmenschliche Regeln, harte Sanktionen (Essensentzug, körperliche Züchtigung und seelische Misshandlungen waren hier an der Tagesordnung, extrem harte Arbeiten) und jeglicher Verzicht auf Privatsphäre brachen über kurz oder lang auch den Willen des stärksten Jugendlichen. Erst der junge Erling (Benjamin Helstad) schafft es, aus den jungen Menschen ein kollektiv zu bilden, welches nach diversen tragischen Vorfällen den Mut hat, aufzubegehren und gemeinsam Stellung zu beziehen.

Regisseur Marius Holst gelingt es in seiner intensiven und düsteren Geschichte, welche auf wahre Begebenheiten beruht, zum Ende hin Hoffnung und Glaube an Gerechtigkeit aufkommen zu lassen. Ihm gelingt ein faszinierender Film, der sich sowohl das Talent seiner Darsteller, die Dramatik der Geschichte als auch die unglaublichen Landschaften des winterlichen Norwegens zunutze zu machen. Seine Inszenierung ist dabei so sensibel, wie es das Thema benötigt, wirkt dadurch aber umso aufwühlender und bedrückender, und erinnert in ihren besten Momenten an die Klassiker wie Einer flog über das Kuckucksnest und Sleepers.

Die Blu-ray von King of Devil’s Island, veröffentlicht bei Alamode Film, kann durchweg als gelungen bezeichnet werden. Das Bild ist sehr plastisch und farbintensiv, der Ton sauber akzentuiert und ausgewogen. Aber das wahre Highlight liegt im Bonusmaterial. Hier findet man diverse kleine VFX-Feature, den Originaltrailer und eine Programmübersicht, den Mittelpunkt jedoch bildet die Dokumentation „Bastoy – geordnete Erziehung“, welche sich mit einer knapp 50 Minuten langen Laufzeit um die wahren Begebenheiten der Erziehungsanstalt befasst, Archivmaterial zeigt, und Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Dies ist gleichzeitig erschreckend und faszinierend, und rundet das positive Gesamtbild des Filmes und seiner hier vorliegenden Veröffentlichung ab.

King of Devil’s Island von Regisseur Marius Holst ist ein ergreifendes Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit, welches zu Recht mehrfach nominiert und ausgezeichnet wurde.

Christian Funke-Smolka