“Kopfüber in die Nacht” (Koch Films)

“Kopfüber in die Nacht” (Koch Films)

Regie: John Landis
Darsteller: Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, David Bowie u.a.

Öder Job, untreue Ehefrau, kein Schlaf – Ed Okin (Jeff Goldblum) fühlt sich wie im falschen Film. Bei einem ziellosen nächtlichen Autotrip durch Los Angeles springt dem Nobody unversehens die hübsche Diana (Michelle Pfeiffer) auf die Kühlerhaube. In ihrem Gepäck: sechs Schmuggel-Smaragde. Auf ihren Fersen: schießwütige Iraner. Diana hüpft in den Wagen, und Ed drückt wohl oder übel aufs Gaspedal. Das ist der Startschuss für eine wilde Highspeed-Hatz, in der nicht nur iranische Geheimdienstler und französische Gangster mitmischen, sondern auch US-Cops und ein undurchsichtiger Dandy (David Bowie).

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Für den Mitarbeiter einer Satellitenfirma, Ed Okin (Jeff Goldblum), läuft es nicht besonders gut. Geplagt von einer massiven Schlafstörung entgleiten ihm sowohl sein Berufs-, als auch sein Privatleben. Seine Frau betrügt ihn, bei der Arbeit ist er durch seinen Schlafmangel permanent unaufmerksam und baut grobe Fehler, so dass er in einer weiteren schlaflosen Nacht beschließt, eine kleine Spritztour zu machen. Diese führt ihn zum Flughafen, wo er jedoch im dortigen Parkhaus Zeuge eines Mordes wird. Während der Mann erstochen wird, kann die Frau flüchten… ausgerechnet in Eds Wagen. Dies ist der Beginn einer Nacht, die das Leben des übermüdeten jungen Mannes grundlegend auf den Kopf stellen wird.

John Landis, der hier ein Drehbuch von Ron Koslow verfilmt, befand sich in den 1980ern auf dem Zenit seines Erfolgs. Erfolge wie Blues Brothers, Die Glücksritter, American Werewolf in London oder das Video zu Michael Jacksons Thriller gaben ihm quasi einen Freibrief bei der Wahl seiner Projekte. So kam es 1985 zu dem hier vorliegenden Film über einen Mann, der aufgrund seiner Schlaflosigkeit schon zu Beginn des Films völlig am Ende ist und den die Zuschauer dabei beobachten, wie er zwei weitere turbulente Tage ohne Ruhe verbringt. Herausgekommen ist ein klassischer Landis-Film, der zwar im Vergleich zu seinen anderen Filmen eher ruhig inszeniert ist, jedoch wieder dir kraftvolle Unterstützung durch passende Musik, hier die von B.B. King, zu nutzen weiß und zudem durch einen Cast glänzt, bei dem der Filmfreund große Augen bekommt. Denn neben bekannten Hauptdarstellern, hier Jeff Goldblum und Michelle Pfeiffer, tummeln sich in den Nebenrollen und kleinen Cameos Musiker, so wie Schauspiel- und Regiegrößen wie David Bowie, Regisseur John Landis in einer tragenden Nebenrolle, Don Siegel, Rick Baker, Carl Perkins, Dan Aykroyd, Richard Franklin, David Cronenberg, Paul Bartel, Jack Arnold, Lawrence Kasdan, Jim Henson, Jonathan Demme, Roger Vadim und viele weitere mehr. Alleine dies ist schon ein Grund, den Film mehrfach zu gucken, um alle kleinen Auftritte und Anspielungen zu entdecken. Kopfüber in die Nacht wirkt dabei in seinem Gesamteindruck, als leide man selber an Schlafentzug. Denn hier verfolgt man weniger eine stringente, straff aufgebaute und durchkonzipierte Story, vielmehr wirkt es, als habe man kurze Blackouts, verfolge eine fragmentarisch erzählte Struktur, die im Großen und Ganzen einen Sinn ergibt, jedoch immer wieder kleine inhaltliche Leerstellen aufweist. Eine zeitlose, etwas überdrehte Gangsterkomödie, die man sich immer wieder gerne anschaut.

 

© Trailer: Shout! Factory

 

Kopfüber in die Nacht (Originaltitel: Into The Night, USA 1985) erscheint bei Koch Films als gut bearbeitete HD-Premiere in einer edlen 3-Disc Mediabook-Edition. Der Hauptfilm liegt sowohl auf Blu-ray, als auch auf DVD vor, Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: Linear PCM 2.0 Stereo) der von mir getesteten Blu-ray waren auf einem qualitativ guten Niveau. Auf der Bonus-DVD befinden sich das 24 Minuten lange Special „John Landis: Back into the Night“, dass zweiundzwanzigminütige Interview mit Jeff Goldblum mit dem Titel „Requiem for an Insomniac“, das 26 Minuten lange Special „B.B. King: Into the Night“, zwei zum Teil extrem prominent besetzte Musikvideos von B.B. King, eine Bildergalerie und der Trailer. Die beiden letztgenannten Specials befinden sich auf der Film-DVD/BD. Abgerundet wird die Veröffentlichung durch ein Booklet mit einem Essay von Wolf Jahnke.

Kultregisseur John Landis Film über einen schlaflosen Stadtneurotiker ist ein bis in die kleinste Rolle prominent besetzter, herrlich überzogener Action-Thriller der durch seinen verschrobenen Humor glänzt. Ein Juwel der 80er Jahre, hier endlich in einer angemessenen Veröffentlichung.

Christian Funke