Kriegerin  (Ascot Elite)

Kriegerin (Ascot Elite)

Marisa (Alina Levshin wurde für ihre beeindruckende Leistung in Kriegerin mit der Lola, dem deutschen Filmpreis 2012 belohnt) ist ein fanatisches Mitglied einer ostdeutschen rechtsradikalen Jugendgruppierung. Entsprechende Tattoos befinden sich gut sichtbar auf ihrem gesamten Körper, ihre Meinung tut sie sowohl verbal als auch durch aggressive Handlungen jederzeit kund. Ihr Hass richtet sich dabei auf all jene, die sie für ihre Situation verantwortlich macht, Politiker und Polizei miteingeschlossen.
Als Svenja, ein fünfzehnjähriges Mädchen, aus einer Protesthaltung heraus zu der Clique stößt, und Marisa auf die zwei Asylbewerber Jamil und Rasul trifft, verändert sich ihr Leben und damit ihre Sicht auf viele Dinge. Die Wahrheit über ihren kurz vorher verstorbenen Großvater, der für sie eine politisch prägende Vaterfigur war, stürzt sie in eine emotionale Ausnahmesituation, die jedoch eine fürchterliche Kettenreaktion auslöst.

Die Blu-ray von Kriegerin, veröffentlicht von Ascot Elite, glänzt auf der technischen Seite mit einem gestochen scharfen, kontrastreichen Bild und einem gut ausbalancierten, räumlichen Sound.
Im Bonussektor befinden sich neben zehn Minuten langen Making of mit Interviews und Szenen vom Dreh noch ein acht Minuten langes Feature zu den Dreharbeiten, diverse Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur, Unterrichtsmaterial, dem Originaltrailer und eine Programmübersicht.

Ich bin von dem Film Kriegerin echt positiv überrascht. Die Thematik ist schwierig, in einem Film, der primär unterhalten möchte, adäquat und angemessen umzusetzen. Oft läuft man als Filmemacher Gefahr, erst Recht, wenn es sich um ein Debüt handelt, in plakative Stereotype zu verfallen und Klischees zu bedienen. Es ist wichtig, eine differenzierte, gut ausbalancierte Sichtweise zu haben, die ihre Charaktere, egal welcher politischen Gesinnung, ernst nimmt. Nur so kann eine glaubhafte und emotional greifbare Geschichte funktionieren.

Regisseur David Wnendt hat lange Zeit in der rechtsextremen Jugendszene Ostdeutschlands recherchiert, so dass ihm ein vermutlich recht authentisches Bild dieser Szene gelingt. Auch der Schritt, die Protagonisten nicht zu karikieren, sondern ihnen trotz ihrer aggressiven und feindlichen Ansichten so was wie Tiefe und Emotionen zu geben, macht den Reiz von Kriegerin aus. Auch die visuelle Umsetzung ist hervorragend gelungen, da er auf der einen Seite eine temporeiche und packende Inszenierung vorweist, auf der anderen Seite aber die ästhetische Seite seines Themas hervorhebt, wodurch einem Außenstehenden, eine entsprechende Sichtweise vorausgesetzt, deutlich wird, was Menschen in bestimmten familiären oder gesellschaftlichen Situationen an dieser Szene faszinieren kann.
Aus meiner Sicht hat der Film ein einziges Manko: er ist zu kurz. Selbst 106 Minuten sind nicht ausreichend, um dieses heikle Thema sensibel und angemessen umzusetzen, und so merkt man an manchen Stellen, dass man einiges hätte länger ausbauen müssen, um es glaubhafter und nachvollziehbarer gestalten zu können, aber die (zeitlichen oder finanziellen) Mittel nicht vorhanden waren.

Kriegerin ist aus meiner Sicht ein zu Recht vielfach preisgekrönter Film, der eine aktuelle und erschreckende Thematik mutig und ehrlich aufgreift und in einer authentisch wirkenden Geschichte erzählt. Sowohl die Inszenierung als auch die charismatischen, hervorragenden darstellerischen Leistungen aller Beteiligten machen den Film zu einem wichtigen Beitrag, der aus meiner Sicht einer der besten deutschen Filme der letzten Zeit ist, und den jeder, der sich für die aktuelle Situation in unserem Land interessiert, ansehen sollte. Man darf hier nicht die Augen verschließen, denn unsere Geschichte zeigt, wohin das führen kann!

Christian Funke-Smolka