“Lady Vengeance” (Capelight Pictures)

“Lady Vengeance” (Capelight Pictures)

Regie: Park Chan-wook

Darsteller: Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Oh Dal-su, Kim Shi-hoo, Lee Seung-shin, Kim Bu-seon, Oh Kwang-rok

13 harte Jahre hat die junge Lee Geum-ja wegen eines Mordes, den sie nie begangen hat, im Gefängnis absitzen müssen. Als sie entlassen wird, will sie nur noch eins: Rache an all jenen, die ihr Leben zerstört haben. Zusammen mit einer Gruppe von Frauen, mit denen sie sich hinter Gittern angefreundet hat, beginnt Geum-jas langer Weg der Vergeltung. Zugleich macht sie sich auf die Suche nach ihrer Tochter, die sie einst hat zurücklassen müssen…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Die 18-jährige Lee Geum-ja (Lee Yeong-ae, Joint Security Area, Bring Me Home) ist ungewollt schwanger und wendet sich in ihrer Not an ihren ehemaligen Klassenlehrer. Dieser nimmt sie auf, doch schnell merkt sie, dass dieser ein gefährliches Doppelleben führt. Ein Jahr später wird sie wegen der Entführung und dem Mord eines fünf Jahre alten Jungen verhaftet und verbüßt 13 Jahre in einem Frauengefängnis. Hier zeigt sie sich reuig und verhält sich vorbildlich, weshalb sie von allen der „gutherzige Engel“ genannt wird. Doch insgeheim verfolgt sie ganz andere Pläne, die sie nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis gnadenlos verfolgt…  

Gemeinsam mit Seo-kyeong Jeong verfasste Park Chan-wook das Drehbuch zu Lady Vengeance, dem Abschluss seiner Vengeance-Trilogie. Auch wenn es hier erneut um Rache geht, ist dies nicht der zentrale Stellenwert, vielmehr erleben wir hier den Weg einer Frau zu einer vermeintlichen, zu ihrer persönlichen Erlösung. Die an Zoë Lund in ihrer Rolle als Rächerin erinnernde Lee Yeong-ae weiß das Geschehen perfekt zu beherrschen, gleichzeitig jedoch glänzt auch dieser Teil der Trilogie durch eine bis in die Nebenrollen perfekte Besetzung. Park Chan-wook wiederum glänzt durch seine kreative Vielseitigkeit und kreiert so poetische wie verstörende Bilder, die sich tief in die Netzhaut brennen.  

Lady Vengeance reiht sich ein in die Riege großartiger femininer Rachefilme wie Sasori – Scorpion oder Ms. 45. Park Chan-wook, der den Film eher fragmentarisch und nicht linear aufbaut und erneut mit einem phantastischen Soundtrack begeistert, lässt sämtliche relevanten Darstellenden der beiden Vorgängerfilme in Cameos und kleineren Rollen in Erscheinung treten. Auch inhaltlich wird an vielen Stellen mal subtil, mal weniger subtil auf die ersten beiden Teile der Trilogie verwiesen. Insgesamt ist Lady Vengeance in seiner Gesamtheit der wohl künstlerischste Beitrag der drei Filme, der visuell sehr verspielt mit teils wahnwitzigen Ideen aufwartet, die oftmals im völligen Kontrast zum inhaltlichen Geschehen stehen. Ich kannte den Film bis dato nur in der Farbfilmfassung, weshalb ich sehr gespannt auf die Fade to Black & White-Version war. Diese im Finale mit farblichen Akzenten versehene schwarz-weiß-Fassung ist eine wirklich völlig neue Seherfahrung dieses schon oft gesehenen Films, bei der ich ihn mir nun kaum noch anders vorstellen kann, als in dieser Version! Es sei also dringend empfohlen, sich auch diese Filmfassung zu gönnen, denn ähnlich wie bei Logan oder Der Nebel, kann man hier einen inhaltlich identischen, optisch aber einen völlig anders wahrzunehmenden Film entdecken!  

Lady Vengeance (Originaltitel: Chinjeolhan geumjassi, Südkorea 2005) erscheint bei Capelight Pictures neu aufbereitet weltweit erstmals in 4K Ultra HD inklusive Dolby Vision und HDR10+ als 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook mit zwei Covermotiven und auf DVD. Zur Ansicht lag mir das wieder sehr ansprechend gestaltete und hochwertige Mediabook vor, welches neben der 4K Ultra HD zwei Blu-rays enthielt. Der Film lag in der Kinofassung und der von mir mit Spannung erwarteten Fade to Black & White-Fassung vor, bei der der Film von Farbe schleichend in schwarz-weiß überging. Bild (2,35:1 / 1080p & 2,35:1 / 4K Dolby Vision HDR 10+ HDR 10) und Ton (Deutsch & Koreanisch, Englisch und Japanisch: dts-HD Master Audio 5.1) waren qualitativ auf einem sehr guten Niveau, auch hier ist das umfangreiche Bonusmaterial die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Neben zwei Audiokommentaren vom Regisseur, dem Kameramann und anderen Beteiligten des Films gibt es ein elfminütiges Making of, ein mehrteiliges Special über den Stil, ein ebenfalls sehr langes Special über die Charaktere, ein Einblick in die Filmfestspiele von Venedig, Set-Fotografien des Regisseurs (nachdem ihm die in einem Magazin veröffentlichten Set-Fotografien Jeff Bridges imponierten, begann auch der Filmemacher damit, seine Dreharbeiten fotografisch einzufangen), ein Get Together von Cast & Crew, 14 Minuten an alternativen Szenen, Trailer und TV-Spots, eine Einführung des Regisseurs zur s/w-Fassung und Filmtipps. Abgerundet wird diese Veröffentlichung durch ein 24-seitiges, reich bebildertes Booklet, welches ein Essay von Robyn Kerkhof beinhaltet, in welchem diese sehr fundiert und gut lesbar über den Film, die Stilmittel, die Thematik der Selbstjustiz und Rache und die (wackeligen) Säulen der koreanischen Volksidentität schreibt. Meinen Dank an Capelight, dass diese Ausnahme-Trilogie endlich vollständig in solch wundervollen Editionen erhältlich ist.   

Mit Lady Vengeance liefert Park Chan-wook einen fulminanten Abschluss seiner Vengeance-Trilogie. Eine stilsichere, fast poetische und visuell berauschende Auseinandersetzung mit dem Thema „Rache“, der so eigenwillig wie innovativ, so künstlerisch überbordend wie fesselnd ist. Eine virtuose Gratwanderung, die geschickt mit Emotionen spielt und sich als Einzelfilm, aber auch im Rahmen der gesamten Trilogie langanhaltend festsetzt!

Christian Funke