„Liebe und Tod im Garten der Götter“ - FilmArt Giallo Edition #5 (FilmArt)

„Liebe und Tod im Garten der Götter“ – FilmArt Giallo Edition #5 (FilmArt)

Ein Film von Sauro Scavolini

Darsteller: Erika Blanc, Peter Lee Lawrence, Enzo Marano

Ein Professor der Ornithologie mietet eine abgelegene Villa in der Nähe von Spoleto. Abseits vom Lärm der Stadt möchte er in Ruhe an einer neuen Vogelstudie arbeiten.

Bei einem Spaziergang im Wald, nahe dem Anwesen, findet er eine Reihe alter Magnetbänder. Fasziniert durch die Entdeckung reinigt er sie und beginnt sie Stück für Stück zu hören. Die Bänder handeln von psychoanalytischen Sitzungen einer Frau, Riviera, und ihrem Bruder, Manfredi, welcher seit Kindestagen von einer krankhaften Hass-Liebe zu seiner Schwester geplagt wird.

Nach Rivieras Heirat mit dem Musiker Timothy kennt die Eifersucht ihres Bruders keine Grenzen mehr. Er gibt vor nach Indien zu fliegen und versteckt sich stattdessen in einer Stadtwohnung. Die nachfolgenden Ereignisse handeln von Liebe, Tod, Qual und unterdrückten Emotionen. Ab hier enden die Bänder.

Eines Tages kehrt der Professor von einem seiner Spaziergänge zurück – aber irgendetwas stimmt nicht. Eine weitere Magnetspule ist während seiner Abwesenheit aufgetaucht! Ein geheimnisvoller Unbekannter hat den letzten Teil der mysteriösen Geschichte hinterlassen… und der Schock kommt schnell: Selbst der Professor ist in das tragische Ende der Geschichte involviert!

© filmArt

Meinung zur Veröffentlichung:

Ein alternder Vogelkundler (Franz von Treuberg) mietet sich in eine leerstehende und abseits gelegene Villa ein, um in dem angrenzenden Garten seltene Vogelarten zu erkunden. Dabei findet er Tonbänder, die er mitnimmt und anhört. Diese enthalten Mitschnitte der psychoanalytischen Sitzungen einer Frau names Riviera (Erica Blanc), die über ihre inzestuöse Hassliebe zu ihrem Bruder Manfredi (Peter Lee Lawrence) und ihrem Selbstmordversuch berichtet. Immer intensiver wird der Vogelkundler in die Geschichte hineingezogen…

Regisseur Sauro Scavolini inszenierte mit seinem einzigen Spielfilm Liebe und Tod im Garten der Götter – einem Titel, den man sich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen muss – einen Film, der sich stilistisch ein wenig im Schwebezustand befindet. Angelehnt an den klassischen Kunstfilm ist er dafür zu sehr Genrewerk, für einen Giallo jedoch wieder zu wenig Krimi. So erleben wir einen seinerzeit wenig erfolgreichen, aus heutiger Sicht jedoch sehr interessanten Beitrag, der sich sehr ästhetisch seinem eigenen, ruhig inszenierten aber stetig auf einen Klimax hinsteuernden Erzählfluss widmet und dem man sich, ist man für solcherlei filmische Experimente offen, nur schwer entziehen kann.

© Italo-Cinema Trailer

Liebe und Tod im Garten der Götter (Originaltitel: Amore e morte nel giardino degli die, Italien 1972) erschien im Herbst 2014 als ungeprüfte DVD als fünfter Beitrag der filmArt Giallo Edition in der klassischen gelben Aufmachung dieser Reihe. Da es sich um eine deutsche Erstveröffentlichung handelte, lag keine adäquate Synchronisation vor, weshalb sich das Label entschied, ihn im Originalton mit deutschen Untertiteln zu veröffentlichen. Schon damals befand sich die Veröffentlichung auf einem qualitativ überzeugenden Niveau. Doch im Sommer letzten Jahres erschien dann das Upgrade auf Blu-ray, welches in einer Limited Upgrade Edition und parallel als Softbox im klassischen Layout der filmArt Giallo Edition veröffentlicht wurde. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Italienisch: dts-HD Master Audio 1.0, sowohl gefiltert als auch ungefiltert) sind auf einem erstaunlich guten Niveau. Auch das zur DVD-Edition identische Bonusmaterial ist auf dem für filmArt gewohnt hohen Level: neben einem informativen und analytischen Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger und Kai Naumann haben wir ein aktuelles Intro und ein längeres Interview mit Darstellerin Erika Blanc und den italienischen Kinotrailer.

Liebe und Tod im Garten der Götter ist ein Film für den am Genre interessierten Filmliebhaber. Dieser aber wird sich über diese qualitativ verbesserte Veröffentlichung freuen, denn wir erleben hier ein hervorragend in Szene gesetztes Psychodrama, welches meiner Meinung nach zwar noch deutlich mehr Elemente des klassischen Gialli hätte vertragen können, aber durch seine kunstvolle, überstilisierte Bildästhetik ein unbedingt für sich zu entdeckendes Genrewerk darstellt. Meinen Dank an filmArt, die es dem interessierten und offenherzigem Filmfreund ermöglichen, solche Perlen für sich zu entdecken!

Christian Funke