“Lord of War - Händler des Todes“ (Capelight Pictures)

“Lord of War – Händler des Todes“ (Capelight Pictures)

Cast: Nicolas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ethan Hawke, Ian Holm, u.a.

Regie: Andrew Niccol

Yuri Orlov (Nicolas Cage) steigt mit seinem Bruder Vitaly (Jared Leto) ins schmutzige, aber lukrative Waffengeschäft ein. Schnell arbeitet er sich vom Kleinkriminellen aus Little Odessa zum international mächtigsten Waffenhändler hoch. Zu seinen Kunden zählen Staatsoberhäupter, Rebellen, Friedenskämpfer und Regierungen aus aller Welt. Doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere werden die Behörden auf seine skrupellosen Machenschaften aufmerksam. Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) setzt alles daran, Orlov das Handwerk zu legen. Auch Ehefrau Ava (Bridget Moynahan) stellt Orlov ein Ultimatum. Der Ausstieg aus dem Geschäft mit dem Tod ist jedoch nicht so leicht …

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Yuri Orlov (Nicolas Cage, Face/Off, Mandy) wanderte als Junge mit seiner Familie aus der Ukraine in die USA. Aufgewachsen in Armut im Little Odessa in Brighton Beach, New York, kommt er schnell mit der Kriminalität im Viertel in Berührung. Erstes Geld verdient er sich, unterstützt von seinem Bruder Vitaly (Jared Leto, Fight Club, Dallas Buyers Club) als kleiner Waffenschieber, doch sein kaufmännisches Geschick, viel Glück und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein machen aus ihm einen der angesehensten und wendigsten Waffenhändler, der keine moralischen Bedenken hat, sondern zielstrebig seine Ziele verfolgt…  

Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol (Gattaca, Good Kill) präsentiert mit seinem dritten Spielfilm ein mit Nicalos Cage, Ethan Hawke, Jared Leto, Bridget Moynahan und Ian Holm hervorragend besetztes satirisches Drama, welches einen bei einem erzählerisch hohem Unterhaltungswert noch lange nach dem Abspann über das gesehene nachdenken lässt. Ein Film, mittlerweile 16 Jahre alt, der heute noch genauso aktuell, brisant und wichtig ist, wie bei seiner Premiere!

Niccol, der mit seinem Drehbuch zu Die Truman-Show und seinem Regiedebüt Gattaca bewiesen hat, wie gut man kritische und satirische Themen massenkompatibel und unterhaltsam darbieten kann, zeigt hier einen virtuos inszenierten provokativen Frontalangriff gegen den globalen Waffenhandel. Neben den anfänglichen Schwierigkeiten der Finanzierung seines ambitionierten Projekts gab es auch bei der anschließenden Vermarktung Vorbehalte gegenüber diesem heiklen Thema und der kompromisslosen Herangehensweise. Die Konsequenz war ein anfangs eher geringer Publikumszuspruch!

Niccol, nach eigener Aussage schon immer an den Hintergründen des Waffenhandels interessiert, versetzt sein Drehbuch mit vielen realen Bezügen, die auch heute noch Bestand haben. Ob es um die Lieferungen in tatsächliche Kriegs- und Krisengebiete geht, politische Hintermänner, bei denen man lediglich den Namen mit Metaphern abänderte, oder die Nennung der tatsächlich größten Waffenexporteure (bei denen man lediglich Deutschland vergessen zu haben scheint), all diese Aspekte sind überprüfbare Fakten, die den Bezug des Films zur Realität verdeutlichen. Neben der fesselnden Story überzeugt der Film mit einem grandios aufspielenden Cast und einer atemberaubenden Kameraarbeit von Amir Mokri (Bad Boys II, Good Kill), die die Zuschauenden nicht nur mitten ins Geschehen zieht. Mit Lord of War gelingt Andrew Niccol ein Film, der keine Kompromisse eingeht, die Fakten schonungslos darstellt und so ein nachdenklich stimmendes, pessimistisches Bild zeichnet! Ein grandioser und wichtiger Film, der auch im Alter nichts von seiner Wucht verliert!

Lord of War (Originaltitel: Lord of War, Frankreich / USA 2005) erscheint bei Capelight Pictures erstmalig als 4K Ultra HD im 2-Disc SteelBook und 2-Disc Limited Collector’s Edition im UHD-Mediabook. Zur Ansicht lag mir das wunderschön gestaltete und sehr hochwertige Mediabook zur Verfügung, welches (wie auch beim SteelBook) den Film auf Blu-ray und 4K Ultra HD enthält. Bild (2,40:1 / 4K, Dolby Vision, HDR10 & 1080p) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 5.1; Englisch: Dolby Atmos) sind auf einem qualitativ sehr guten Niveau, das Bonusmaterial entspricht zum Teil dem der früheren Veröffentlichungen. Neben einem Audiokommentar des Regisseurs gibt es ein zwanzigminütiges Making of, der Amnesty International – Spot, ein viertelstündiges Special über den internationalen Waffenhandel und sieben entfallene Szenen, hinzugekommen sind das 18 Minuten lange Featurette über die Spezialeffekte, Interviews mit Regisseur Andrew Niccol, Jean-Vincent Puzos (Szenenbild) und Philippe Rousselet (Produzent), der deutsche Trailer und der Originaltrailer, so wie Capelight – Programmhinweise. Abgerundet wird diese Veröffentlichung durch ein 24-seities Booklet, welches neben zahlreichen Filmbildern ein spannendes Essay von Peter Osteried enthält, in welchem er über den Regisseur. Seine Drehbücher und Regiearbeiten, die Figur des Yuri Orlov (und dessen reale Vorbilder), die Finanzierung des Films, die Beschaffung der (realen) Filmwaffen, die Einbeziehung der NATO und die letztendlich größten Waffenhändler der Welt berichtet. Alles extrem spannend und lesenswert!

Auch heute, mehr als 15 Jahre nach seiner Premiere hat Lord of War nichts von seiner Brisanz und Sprengkraft verloren. Ein leider immer noch brandaktueller, sehr nüchterner, aber nichtsdestotrotz bitter-zynischer Blick auf den globalen Waffenhandel, der seine Botschaft schwarzhumorig herausarbeitet. Auch wenn sich der Film auf den an realen Personen angelehnten, letztendlich jedoch fiktiven Yuri Orlov orientiert, wird im Abspann deutlich darauf hingewiesen, dass die größten Waffenhändler einige der Länder sind, die gleichzeitig dreister weise im UN-Sicherheitsrat sitzen. Wer dem Film in seiner Geschichte also überbordenden Zynismus vorwirft, sollte sehen, dass die Realität viel bösartiger und skrupelloser ist. Für mich ist Lord of War ein Pflichtfilm, der hier in einer wunderschönen Veröffentlichung vorliegt!

Christian Funke