Mary & Max oder Schrumpfen Schafe wenn es regnet?

Mary & Max oder Schrumpfen Schafe wenn es regnet?

Mary & Max
(MFA+)

Manchmal erlebt man doch herrliche Überraschungen beim entdecken neuer Filme. Da schaut man sich einen Animationsfilm an, die Knetfiguren sind hässlich, die erlebten Situationen tragisch, das Leben unserer Protagonisten allgemein eher deprimierend trist, und der einzige Lichtblick ist die andauernde Brieffreundschaft dieser zwei so unterschiedlichen und sich teils doch so ähnlichen Personen. Und was geschieht mit dem Zuschauer? Er fiebert mit, versetzt sich in die gezeigten Situationen und findet das Gesehene realistischer als so manches gut inszenierte Drama! Beeindruckend!!!
Aber ich will nicht vorgreifen. Wir schreiben das Jahr 1976, befinden uns in Australien und sehen ein kleines, achtjähriges einsames Mädchen, welches pummelig und mit einer dicken Brille gesegnet ist. Die Mutter alkoholabhängig, der Vater meistens abwesend. In New York zur selben Zeit treffen wir auf den zynischen, fettleibigen 44-jährigen Max, der seine Sozialphobie und seinen Frust in Fressorgien ersticken möchte. Zufällig finden diese beiden unterschiedlichen Personen durch eine Brieffreundschaft zueinander, und die große räumliche Distanz erlaubt es beiden, völlig offen über ihre Gefühle zu schreiben. Der Zuschauer wird dabei Zeuge einer Konversation, die über zwei Jahrzehnte andauert und neben kleinen Andeutungen zum gesellschaftlichen Zeitgeschehen immer wieder die kleinen und großen persönlichen Dramen in den Mittelpunkt stellt. Der Clou dabei ist, das eigentlich nicht ein wirkliches Wort gesprochen, sondern der Zuschauer seine Informationen nur über die vorgelesenen Briefe erhält. Dabei entwickelt die mit sehr viel Liebe zum Detail ersonnene Geschichte eine sogartige Wirkung auf den Betrachter, das diesem bei der Fülle an kleinen Beobachtungen nicht nur der Mund vor Staunen und Freude offen bleibt, sondern einem die Charaktere so ans Herz wachsen, das es beinahe schmerzt!
Ich will es sehr simpel auf den Punkt bringen: dieser Film ist perfekt und großartig!
Im Bonussektor dieses wunderbaren Animationsfilmes befindet sich der Oscar prämierte Kurzfilm Harbie Krumpet, geschnittene Szenen, alternative Enden, ein Making of, ein Audiokommentar, diverse Clips, Interviews mit den Sprechern der Originaltonspur, der Originaltrailer und eine Programmschau. Somit ist neben dem gelungenen Hauptfilm auch im Bonussektor alles vorhanden, was das Herz des Filmfans höher schlagen lässt.
Man kann nur hoffen, das Regisseur Adam Elliot und sein Team noch einige solcher Perlen zustande bringen, wo andere Animationsknetfilme entweder zu süß oder zu kindlich sind, zeigt sich bei dem vorliegenden Mary & Max gerade in all den gezeigten Überzeichnungen eine Lebensnähe, welche eben nicht immer in einem fröhlichen Ende mündet, sondern auch mal einen Rückschlag mit sich bringt! Dieser Film ist ein Meisterwerk!

CFS