Moebius, die Lust, das Messer (MFA+ FilmDistribution)

Moebius, die Lust, das Messer (MFA+ FilmDistribution)

CoverDie Mutter möchte sich am Vater für seinen Betrug rächen. Büßen muss dafür der minderjährige Sohn. Und so setzt sich eine Spirale aus Sex und Gewalt in Gang.

Kim Ki-duks düsteres Meisterwerk ist kontrovers und kompromisslos. Ohne Dialoge erzählt er eine Geschichte, die Freuds schlimmsten Albträumen entnommen sein könnte und lässt seine archetypengleichen Charaktere ihre dunklen Gelüste ausleben bis es kein Zurück mehr gibt.

Dabei ist der Film gleichermaßen ironisch und verstörend. Der härteste Film seit Lars von Triers ANTICHRIST.

Meinung zum Film:

Der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk ist schon ein echter Meister seines Fachs. In einer ästhetisch brillanten Bildsprache verpackt er in seinen Werken Themen, die den Zuschauer oftmals kalt und unvorbereitet erwischen und in der Regel sprachlos zurücklassen. Filme wie Seom-Die Insel oder Samaria zeigen, wie eng Ästhetik und Gewalt zusammenhängen können. Doch Moebius, die Lust, das Messer geht noch einen großen SSzene 1chritt weiter. Hier ist der Filmtitel gleichzeitig als aussagekräftige Inhaltsangabe zu betrachten, die einem sowohl die Betrachtungsweise und Analysemöglichkeit (Moebius) als auch den Inhalt (die Lust, das Messer) pragmatisch zusammengefasst darlegt. Die Geschichte um Liebe, Hass und Eifersucht in einer dysfunktionalen südkoreanischen Familie wird dank guter Darsteller wie Chi Jae-hyun als Vater, Seo Young-ju als Sohn und Lee Eun-woo als Mutter so intensiv und mitreißend dargestellt, wie lange kein Film zuvor. Da war es nur konsequent, sich auf Bilder, Gesten und Handlungen zu verlassen und einen komplett dialogfreien Film zu inszenieren. Dadurch intensiviert sich der Filmgenuss, auch wenn es an manchen Stellen ein ungewohntes Filmerlebnis ist, um ein vielfaches, da man sich nicht von Dialogen ablenken lässt. Symbolbehaftet und voller visueller Anspielungen und Querverweise ist Moebius, die Lust, das Messer ein wuchtiges und nachhaltig packendes, aber auch sehr uSzene 2nangenehmes Filmerlebnis welches sowohl Hirn als auch Magen des Zuschauers wie eine Abrissbirne trifft.

Moebius, die Lust, das Messer erscheint als DVD und Blu-ray unzensiert für ein volljähriges Publikum in einer hervorragenden Bild- und Tonqualität bei MFA+ FilmDistribution. Im Bonusbereich befinden sich der Originaltrailer und eine Programmübersicht.

Kim Ki-duk präsentiert mit Moebius, die Lust, das Messer einen visuellen und inhaltlichen Magenschwinger. Schwer zu verdauen, sich ohne Dialog anderthalb Stunden auf seine Geschichte, die gnadenlos guten Darsteller und die Kraft seiner Bilder verlassend, erwischt er den Zuschauer genau dort, wo es wehtut. Ein Film, den man sich trotz seiner Brillanz wohl nicht so schnell wieder anschauen wird! Trotzdem gibt es eine eindeutige Empfehlung meinerseits!

Christian Funke-Smolka