“Monty Python’s Jabberwocky” (Capelight Pictures)

“Monty Python’s Jabberwocky” (Capelight Pictures)

Regie: Terry Gilliam

Darsteller: Michael Palin, Max Wall, Harry H. Corbett, John Le Mesurier, Deborah Fallender, Warren Mitchell

Ein Königreich im Mittelalter: Am Hof von König Bruno dem Fragwürdigen wird es allmählich etwas eng, denn draußen in den Wäldern lauert das Drachenmonster Jabberwocky, vor dem das Volk in seine Burg flüchtet. Also beschließt der genervte Herrscher, ein Ritterturnier zu veranstalten, dessen Sieger dem Drachen den Garaus machen und zur Belohnung auch noch seine schöne Tochter zur Frau bekommen soll. Doch welcher arme Irre würde sich für dieses Selbstmordkommando freiwillig zur Verfügung stellen? Auftritt des ziemlich unterbelichteten Dennis Cooper: Der junge Geselle ist nach dem Tod seines Vaters gerade erst in der Burg angekommen und hofft, hier sein Glück zu finden. Wird er es schaffen, den gefährlichen Jabberwocky zu bezwingen und das Herz der Prinzessin zu gewinnen? Oder entscheidet er sich doch für seine wahre Liebe, die übergewichtige Griselda Fischfinger?

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Dennis Cooper (Michael Palin, The Death of Stalin) ist ein etwas einfältiger Küfer mit Gesellenabschluss und lebt mit seinem Vater (Paul Curran, Der menschliche Faktor) in einem kleinen Dorf. Doch Dennis möchte mehr vom Leben und träumt von Abenteuern und die Welt mit seinen Ideen zu bereichern. Da kommt ihm das Angebot von König Bruno dem Fragwürdigen (Max Wall, Der Hund von Baskerville) ganz gelegen. Denn dieser leidet gerade unter dem Drachen Jabberwocky, der durch die Wälder streift und alles verschlingt, was sich bewegt (weshalb sich seine gesamte Gefolgschaft zu seinem Leidwesen in seinem Schloss verschanzt). Ein Ritterturnier soll Abhilfe schaffen: wer den Drachen besiegt, bekommt die schöne Prinzessin (Deborah Fallender, Runaway – Spinnen des Todes)…

Der britische Schriftsteller Lewis Carroll (* 27. Januar 1832; † 14. Januar 1898) dürfte den meisten Menschen durch seine Kinderbücher Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln bekannt sein. In letztgenanntem Buch gibt es ein Unsinn-Gedicht namens Jabbewocky, welches Charles Alverson und Terry Gilliam als Inspiration für ihr Drehbuch zu gleichnamigen Film diente.

Gilliam, der sich schon bei Monty Python für die Regie (zum Beispiel der Animationsfilmchen) verantwortlich zeigte, präsentierte mit Die Ritter der Kokosnuß seinen ersten Spielfilm. Der hier vorliegende Jabbewocky sollte zwei Jahre später sein erster „eigener“ Spielfilm werden, der gleichzeitig den inhaltlichen wie visuellen Grundstein für sein weiteres Schaffen legte. Jabberwocky, eine Parodie auf die allgemein verklärte Vorstellung des Mittelalters, entführt uns in dreckig-verkommene Welt, gefüllt mit Unwissenheit und Aberglaube. Anders als in den meisten Monty Python-Filmen haben wir hier nicht nur eine Aneinanderreihung von Gags, sondern eine durchgängige, vielleicht nicht ganz frei von Längen, aber durchaus unterhaltsame Geschichte, die schon ganz viel von dem zeigt, was die späteren Filme des Regisseurs ausmacht. Grandios besetzt mit Michael Palin, erleben wir hier eine teilweise bis ins absurde überzogene Groteske, die größtenteils gekonnt zwischen teils derben, teils feinem Humor und einer blutigen Schlachtplatte pendelt. Ein Film, der nicht nur den Freunden des Mittelalters empfohlen werden kann, sondern auch einen wichtigen Meilenstein im grandiosen Schaffen eines von mir sehr geschätzten Regisseurs darstellt!       

Monty Python’s Jabberwocky (Originaltitel: Jabberwocky, Großbritannien 1977) erscheint bei Capelight Pictures als sehr gut aufbereitete HD-Premiere als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook auf DVD und Blu-ray. Bild (1,85:1 / 1080p) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 2.0; Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) der von mir getesteten Blu-ray befanden sich auf einem guten Niveau. Im Bonusbereich, welches dem der 2017er Criterion Edition entspricht, gab es zudem einen Audiokommentar von Regisseur Terry Gilliam und Schauspieler Michael Palin, einen Kommentar von Kameramann Terry Bedford, ein vierzigminütiges Making-of mit Interviews der am Film beteiligten Cast & Crew, dass Featurette From Sketch to Screen mit dem Storyboard und Skizzen von Terry Gilliam, Jabberwocky – Das berühmte Unsinn-Gedicht, vorgetragen von Michael Palin und Annette Badland, ein Special zum Design mit Valerie Charlton, das Originalopening und der Trailer. Abgerundet wird die Veröffentlichung mit einem 24-Seiten-Booklet, welches neben zahlreichen Bildern ein Essay von Gilliam-Experte Frank Arnold enthält, in welchem er über den Filmemacher, das Unsinn-Gedicht, die Dreharbeiten, die Zusammenführung des Gegensätzlichen als spezielles Gilliam-Merkmal, seine Schwierigkeiten, im Filmbusiness seine Vision auf die Leinwand zu bringen, und einiges mehr berichtet.

Auch wenn Jabbewocky kein reiner Monty Python-Film ist, sondern lediglich drei der Mitglieder in einem Film vereint, haben wir hier einen guten, wenn auch nicht grandiosen Terry Gilliam – Film, der trotz einiger Längen einen bissig-zynischen Humor, schräge Charaktere und ein grandioses Mittelalter-Setting bietet. Gleichzeitig eine Anspielung auf die klassischen und modernen Monsterfilme, auf der anderen Seite eine wunderbare Satire, die schon hier deutlich das Leitmotiv vieler seiner späteren Filme aufzeigt, sich durch das Schüren von Angst zu bereichern und an Macht zu gewinnen – ein Thema, welches auch heute noch sehr aktuell ist. Ein derber, wenig zimperlicher Film, der schon andeutet, welch großes Potenzial in diesem grandiosen Filmemacher steckt! Sollte – erst recht in dieser wunderschönen Edition – in keiner gut sortierten Filmsammlung fehlen!

Christian Funke