Moon (Koch Media)

Moon (Koch Media)

Mit Moon, dem Langfilmdebüt von Duncan Jones, beweist der Regisseur, das auch ein für heutige Verhältnisse überschaubares Budget ausreicht, um einen spannenden, intensiven und sehr intelligenten Film auf die Beine zu stellen.
51EC86v4cHL._SL500_Die Geschichte spielt in nicht allzu ferner Zukunft, und wir beobachten Sam Bell (Sam Rockwell beweist nach Choke mal wieder, was für ein genialer Darsteller er sein kann), das einzige Besatzungsmitglied einer sich auf der Rückseite des Mondes befindenden Erntestation für sich im dortigen Boden befindliches Helium, bei seinen ruhigen, überschaubaren Alltagsaufgaben. Da er nur gelegentlich die Maschinen zu warten und die gewonnene Fracht in Kapseln zur Erde zu verschicken hat, vertreibt er sich die Zeit mit diversen kleineren Tätigkeiten, seiner Pflanzenzucht oder der Konversation mit dem Stationsroboter Gerty (gesprochen im Original von Kevin Spacey). Da sein 3-Jahresvertrag bald ausläuft, freut er sich auf seine Rückkehr zur Erde und das wiedersehen mit seiner Frau und seiner Tochter.
Einziges Manko ist das seit einigen Tagen auftretende Schlafproblem, üble Träume und plötzliche Visionen, die er sich nicht erklären kann.
Bei einem seiner Kontrollfahrten außerhalb der Raumstation passiert es dann, er fährt sein Fahrzeug vor eine Erntemaschine. Außer einer leichten Gehirnerschütterung übersteht er den Unfall unbeschadet, doch das Leben in seiner Station beginnt für ihn immer mysteriöser zu werden. Er belauscht Gerty bei Livegesprächen mit Firmenleuten, obwohl wegen eines Satellitenausfalles keine Kommunikation nach draußen möglich sein dürfte, und als er zurück zu „seiner“ Unfallstelle fährt, trifft er dort in einem Unfallwagen einen Doppelgänger vorfindet. Nun versucht er als Gefangener in einer aussichtslosen Situation die mysteriösen Umstände auf der Weltraumstation aufzuklären.
Hier mehr von der Geschichte zu erzählen würde den Spaß am Film nehmen. Auch wenn man sagen kann, dass an dieser Stelle der Film um einiges stringenter und weniger verspielt wird als zu Beginn, so geht er jedoch intellektuell immer weiter in die Tiefe, und stellt zum Teil schon existentiell philosophische Fragen, die man heutzutage immer seltener im Science Fiction – Film antrifft. Dabei widersetzt er sich jedem Klischee oder vorgefertigten Schablone, was ihn erfreulich frisch erscheinen lässt.51ExD40NbPL
Im Bonussektor dieses innovativ frischen Science Fiction Films befinden sich neben dem Originaltrailer noch eine Programmschau und ein Audiokommentar.
Moon ist der großartige Beweis, das das Science Fiction – Genre nach wie vor in der Lage sein kann, sowohl Hommage an die Klassiker zu sein und dabei eigenständig zu bleiben, und zu allem Überfluss auch noch die Intelligenz des Zuschauers ernst zu nehmen. Bei all den Fragen, die der Film aufwirft, bleibt er von der ersten bis zur letzten Minute spannendes Unterhaltungskino auf sehr hohem Niveau. Unbedingt empfehlenswert!!!

PS:
Im Anschluss befindet sich noch ein Interview mit Regisseur Duncan Jones, welches mir dankenswerterweise von der Firma Koch Media zur Verfügung gestellt wurde!

Christian Funke-Smolka


Generisches Interview: Duncan Jones zu MOON

(ab 28.01.2011 bei Koch Media auf DVD und Blu-ray)

Was fasziniert Sie an dieser Geschichte?

Der Mond bietet sich so offensichtlich als Schauplatz für eine Science-Fiction-Story an, aber
er wird meistens ignoriert. Es ist erst vierzig Jahre her, dass wir zum ersten Mal auf den
Mond flogen. Ich bekomme eine Gänsehaut bei dem Gedanken, dass der Mond vielleicht
bald die Quelle sein könnte, aus der wir unseren Planeten für die nächsten hundert Jahre mit
Energie versorgen. Aber unabhängig davon hat doch sowieso jeder eine persönliche
Verbindung zum Mond: Jede Nacht gucken wir hoch zu ihm, jede Nacht haben wir da
Science Fiction, direkt vor unseren Augen.

Wie kamen Sam Rockwell und Kevin Spacey zu diesem Film?

Nachdem ich die Rolle speziell für Sam Rockwell schrieb, musste es entweder eine große
Herausforderung für ihn sein, den Part zu spielen, oder zumindest Spaß versprechen.
Außerdem brauchte die Geschichte auch einen Reiz für das Mainstream-Publikum.
Deshalb hatte ich schließlich die Idee, dass Sam mehrere Rollen gleichzeitig spielen sollte.
Das würde alle unsere Richtlinien abdecken: Sam hätte seine Herausforderung als
Schauspieler, die Besetzung bliebe minimal, und wir könnten uns auf einen bestimmten Typ
von visuellen Effekten konzentrieren.
Ich spielte mit dem Ansatz, einen einsamen Mann auf einer Mondbasis zu platzieren, und zu
diesem Grundgedanken passte auch das Klonen, die Vervielfachung von Sam. Ich wurde
ganz aufgeregt, als ich darüber nachdachte, ob man sich wohl mögen würde, wenn man sich
auf einmal selbst gegenüber stände. Ich glaube, das ist die brutalste, ehrlichste und
menschlichste Frage, die es gibt – und das macht sie perfekt für einen Science-Fiction-Film.
Kevin Spacey kannte bereits das Script, aber er wollte einen Rohschnitt des Films sehen,
bevor er eine Entscheidung traf. Obwohl der Ton nur ersatzweise und die Effekte
noch gar nicht drin waren, hat es ihn umgehauen. Kevin Spacey war begeistert von
dem, was Rockwell da bot. Er hat sofort den Vertrag unterschrieben.“

Wie war das Besondere bei der Produktion von MOON?

Es war eine ziemlich verzwickte Aufgabe, MOON zusammenzubasteln. Wir wollten eine
minimale Besetzung und die völlige Kontrolle über unseren Drehort. Und wir wollten den
letzten Tropfen Leinwandpräsenz aus unseren Spezialeffekten herauspressen.
Der Film war technisch und logistisch sehr kompliziert. Wir hatten 33 harte, sehr von der
Technik abhängige Drehtage in den Shepperton Studios. Wir arbeiteten in genau der
Umgebung, in der Ridley Scott vor etwa 30 Jahren Alien gedreht hatte.
Ich bin im goldenen Zeitalter der Science-Fiction-Filme aufgewachsen. Wenn also ‚Gerty‘
[der Stationscomputer in MOON] oder ‚Sarang‘ [die Mondstation] ein Design haben, das eine
bestimmte Retro-Ästhetik besitzt, dann ist das nicht zufällig so. Es ist die Inspiration der
Filme, die wir geliebt haben, als ich aufgewachsen bin: Alien, Silent Running, Outland, und
2001: A Space Odyssey. Es ist eine Hommage an diese Filme und ihre Zeit.

Gibt es eine Szene, die Ihnen besonders vom Shooting in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt einen Grund, warum man ‚Indie-Film‘ und ‚Science-Fiction-Film‘ so selten im selben
Satz hört. Science Fiction ist das Genre, das am meisten Tricks und Ausstattung braucht,
und das kann man mit einem ‚Indie‘-Budget natürlich nie finanzieren. Wir wollten mit dem
Film eine Geschichte erzählen, die einerseits sehr persönlich ist, andererseits einen
universellen Anspruch erfüllt. Eine bestimmte Szene war so kompliziert, dass wir sie einige
Tage aussetzen mussten, um darüber nachzudenken. Aber es hat sich gelohnt – es ist einer
der Momente des Films geworden, bei dem der Zuschauer sich anschließend fragt, wie wir
das gemacht haben…

Was war die größte Herausforderung an diesem Film?

Einen waschechten Science-Fiction-Film zu drehen, mit einer spannenden Story, einem
außergewöhnlichen Schauspieler, einem Sack voll bester Spezialeffekte – und wir haben das
in 33 Tagen mit einem niedrigen Budget geschafft.
Was sollen die Zuschauer aus diesem Film mitnehmen?
Ich bin ein Nerd, ein Sci-Fi-Freak – aber ich bin auch hoffnungslos romantisch und ich liebe
Filme.
Ich wünsche mir, dass die Science Fiction Fans dieser Welt sich bei dem Versuch
überschlagen, all die Zitate und kleinen Hommagen zu entdecken, mit denen wir an
vergangene Science-Fiction-Filme erinnern wollen.
Und am allermeisten wünsche ich mir, dass die Menschen, die diesen Film lieben, sagen:
„Das war richtig gut. Ich bin gespannt, was diese Jungs als Nächstes vorhaben…“