Movie 43 (Constantin Film)

Movie 43 (Constantin Film)

81Ek-P9zn1L._SL1500_Man nehme bewährte Regisseure, stelle ihnen einen brillanten Cast zur Seite, nehme ein paar abgedrehte Scherze, übertrete dabei sämtliche Grenzen jeglicher Art und nehme dann möglichst großen Abstand vom Kunstwerk. MOVIE 43 ist kompromisslose und schräge Comedy – und kein Geringerer als Peter Farrelly von den Farrelly Brüdern (Verrückt nach Mary, Dumm und Dümmer) hatte hier die Finger im Spiel. Gemeinsam mit seinen Regiekollegen schuf er eine der brutalsten, gefährlichsten und respektlosesten Komödien aller Zeiten, die beweist: Hollywoodstars haben einen weitaus derberen Humor, als allgemeinhin angenommen. Umwerfend fies und zum Brüllen komisch.

Meinung zum Film:

Manchmal gelingt es einem Filmemacher, eine größere Zahl an prominenten Schauspielern für seine Idee zu begeistern und so zu einem großen, oftmals episodisch angelegten Meisterwerk zusammenzutrommeln. Robert Altman zum Beispiel in „Short Cuts“ oder Paul Haggis in „L.A. Crash“. Was in dem vorliegenden Episodenfilm Movie 43, welcher bei Constantin Film erscheint, jedoch an bekannten Namen auftaucht, hat es in dieser Form wohl noch nicht gegeben. Seitens der Regie findet man hier unter anderem Namen wie Bob Odenkirk, Elizabeth Banks, Steve Carr, James Duffy, Griffin Dunne, Peter Farrelly, James Gunn oder Brett Ratner, aber auch auf der Schauspieler-Ebene wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Hier trifft man zum Beispiel auf Richard Gere, Dennis Quaid, Hugh Jackman, Kate Winslet, Gerard Butler, Halle Berry, Johnny Knoxville, Emma Stone, Sean William Scott, Uma Thurman, Anna Faris, Elizabeth Banks, Justin Long, Naomi Watts, Chloë Moretz oder Kristen Bell.
Doch was einen dann letztendlich wirklich überrascht, ist der Inhalt des Episodenfilms, denn noch nie zuvor sah man diese Akteure in solch einem brachial-humorigen, spätpubertierend- feuchten Traum eines Kalauer-Komödianten – und genau hier unterscheidet sich der Film dann auch direkt von den eingangs genannten Meisterwerken.41qnz0C5FKL

Hugh Jackman mit einem Hodensack am Hals, Halle Berry, die nach einer Schönheits-OP ihre überdimensionale Brust in Essen schlägt, Richard Gere, der einen MP3-Player namens iBabe (in Form einer lebensechten, 1,70m großen nackten Frau) vermarkten möchte, jedoch Probleme bekommt, da man den Kühler in ihrem Intimbereich platziert hat und nun Männer mit Genitalverletzungen den Konzern verklagen, Anna Faris, die ihren Freund bittet, auf sie „draufzukacken“ und so weiter!

Der aufmerksame Leser merkt, intellektuellen Anspruch, feingeistigen Humor und eine ausgewogene Charakterzeichnung sucht man besser an anderer Stelle. Was hier zählt, ist eindeutig: jede Grenze guten Geschmacks gepflegt zu ignorieren und sich mal richtig auszutoben. Das man als Verantwortlicher bei solch einem Film bei der Planung größere Maßstäbe anlegen muss, ist klar. So dauerten die Dreharbeiten der einzelnen Episoden vier Jahre, da jeder der Darsteller anderweitig eingebunden war. Dass sich die Produktionskosten dabei jedoch „nur“ auf 6 Millionen US-Dollar ist erstaunlich und zeigt, dass sich wohl alle Beteiligten weit unter Wert haben vergüten lassen.

41wP5+ibkTLAuf Grund der derben Zoten und expliziten Anspielungen war Ärger bei der Freigabe vorprogrammiert, so dass man den Film in den Staaten nur gekürzt veröffentlichte. Diese Berührungsängste hatte man hierzulande zum Glück nicht, so dass Movie 43 ungekürzt in den Kinos lief und für die Heimkinoauswertung sogar um vier Minuten verlängert wurde.

Freunde derben, teils sinnfreien Humors, oder einfach jeder, der Prominente mal in ungewohnten Situationen erleben möchte, sollte sich, auch wenn nicht jede Pointe sitzt, Movie 43 zulegen. Zuschauer, die jedoch Wert auf Niveau, Feingeistigkeit und subtil-humoristische Spitzen legen, meiden diesen Film besser…

Christian Funke-Smolka