Pete Dexters  THE PAPERBOY  (Studiocanal/ Planet Media)

Pete Dexters THE PAPERBOY (Studiocanal/ Planet Media)

ThePaperboy_BD_2DIm Sommer 1969 kehrt Ward Jansen (MATTHEW McCONAUGHEY) zurück nach Hause. Der gefeierte Reporter will in dem verschwitzten, unauffälligen Kaff in Floridas Sümpfen beweisen, dass der verurteilte Mörder Hillary Van Wetter (JOHN CUSACK) unschuldig ist und nichts mit der kaltblütigen Ermordung eines Sheriffs zu tun hat. Van Wetters Verlobte Charlotte Bless (NICOLE KIDMAN) behauptet, sie habe entsprechende Beweise. Doch sie erweist sich als wenig vertrauenswürdige Sexbombe mit einer Vorliebe für schwere Jungs. Ihrem aufreizenden Auftreten kann man sich nur schwer entziehen, und auch Wards kleiner Bruder Jack (ZAC EFRON) verfällt ihr zusehends. Als Ward von Unbekannten attackiert und schwer verletzt wird, wird eine Kette folgenschwerer Ereignisse ausgelöst…

STUDIOCANAL bringt PETE DEXTERS THE PAPERBOY ab dem 25. Juni 2013 auf DVD und Blu-ray Disc in den Verleih. Ab dem 18. Juli 2013 ist der spannungsgeladene Thriller im Handel erhältlich.

Meinung zum Film:

Manchmal erscheinen Filme, die mit einer wunderbaren Besetzung glänzen und man sich als Zuschauer wundert, warum ein Beitrag mit solch einem Cast nicht im Kino anzutreffen ist. Wenn man sich den Film dann anschaut, weiß man plötzlich genau, warum dieser direkt in der Heimkinoauswertung gelandet ist. Es liegt dabei nicht unbedingt an der Qualität des Werkes, sondern eher der unbequemen, nicht massenkompatiblen Inszenierung, die sich dem Mainstream völlig verschließt und sich zudem wenig kompromissbereit zeigt. „Killer Joe“ von William Friedkin war solch ein Film, The Paperboy von Lee Daniels (Precious – Das Leben ist kostbar) ist es ebenfalls.the-paperboy_4

Basierend auf der Romanvorlage des Schriftstellers Pete Dexter („Bruderliebe“, „Tollwütig“) erzählt der Regisseur eine im Miami Ende der 60’er spielende Geschichte, die sich um den jungen und ziellosen Mann Jack Janson, dargestellt von einem überraschend intensiv spielenden Zac Efron (High School Musical I-III, 17 Again – Back to High-School) dreht. Wir befinden uns in einer Zeit, wo der Rassismus in den südlichen Bereichen der USA teils noch offen ausgelebt wurde und man Menschen von auswärts erst mal skeptisch gegenüber stand. Wenn hier plötzlich ein weißer und ein schwarzer Journalist, dargestellt von Matthew McConaughey und David Oyelowo auftauchen, um Recherchen über den im Todestrakt sitzenden Häftling Hillary Van Wetter (John Cusack) anzustellen, wirbelt dies schon mal Staub auf. Entsprechend kommt es bald zu ersten unschönen Zwischenfällen, an denen die Verlobte des Inhaftierten, Charlotte Bless (dargestellt von einer ungezügelten und grandiosen Nicole Kidman) nicht ganz unschuldig zu sein scheint.

The Paperboy ist ein sonderbarer Film, da er einen sowohl fesselt als auch kalt lässt. Solide mit einem guten Gespür für tolle Bilder und Atmosphäre inszeniert glänzt er vor allem durch seine bis in die Nebenrollen charismatisch und spielfreudig auftretenden Darsteller, die allesamt zur Hochform auflaufen. Allerdings scheint sich der Film bewusst den Erwartungen des Publikums sperren zu wollen, denn als offensichtlicher Justiz-Thriller beginnend, schwenkt er schnell um zu einem Ensemble-Film mit Psycho-Drama-Einschüben. Dazwischen schiebt man einige (fiktive) Dokumentar-Clips mit Interviews ein, die dem Zuschauer rückblickend die Geschichte darlegen und paart dies mit stellenweise sehr radikalen (gerade die Szenen mit dem erneut überzeugenden Matthew McConaughey) Einschnitten, die dem Zuschauer dann endgültig den Teppich unter den Füssen wegzieht.

the-paperboy_2Die Blu-ray erscheint bei Studiocanal und Planet Media und präsentiert den Film in einer passablen Bild- und Tonqualität, die stellenweise jedoch ein ziemliches Bildrauschen aufweist. Der Bonussektor zeigt sich dann mit Interviews, einem Making of, einem Blick hinter die Kulissen, dem Originaltrailer und einer Programmübersicht als sehr gut ausgestattet.

The Paperboy ist ein ziemlich lässig inszenierter Film, der es dem Zuschauer jedoch bewusst schwer macht, Zugang zur Geschichte und seinen Figuren zu bekommen. Auch wenn die Geschichte, gerade wegen ihrer guten Darsteller spannend ist, fehlt es ihr doch stellenweise an inhaltlichen Höhepunkten, bietet dabei aber konsequente Schauspielkunst. Ein teils unbequemer aber auch faszinierender Film, den man sich unbedingt wegen seiner sehr überraschenden Darsteller anschauen sollte!

Christian Funke-Smolka