Picknick am Valentinstag  (Koch Media)

Picknick am Valentinstag (Koch Media)

Wir befinden uns in Australien am Valentinstag des Jahres 1900. Die Schülerinnen eines privaten Mädcheninternats machen sich auf zum traditionellen Valentinspicknick am imposanten Hanging Rock (so auch der Originaltitel: Picknick at Hanging Rock).
Als vier der Mädchen sich gegen den Willen der Lehrerin auf eine Kletterpartie in das Felsmassiv aufmachen, geschieht das mysteriöse: nur eines der Mädchen kommt hysterisch schreiend zurück. Als sich die Lehrerin aufmacht, die drei vermissten Mädchen zu suchen, verschwindet auch sie spurlos.
Die anschließende Suchaktion ist zuerst erfolglos, erst Tage später findet man eine der Vermissten, die sich aber an nichts erinnern kann.

Das Verschwinden der Mädchen wird als ein beinahe biblisches Gleichnis dargestellt, eines der Mädchen gar von den anderen als Prophetin dargestellt, die plötzlich zum Himmel emporgestiegen ist. Magische Momente werden durch sphärische Musik untermalt, so dass sich eine stimmungs- aber auch geheimnisvolle Atmosphäre ausbreitet.
Trotz einiger Längen wird dabei der Zuschauer permanent in die Stimmung des Filmes gezogen, so dass, wenn man sich darauf einlässt, am Ende der Geschichte ganz in der Welt des Australiens im Jahr 1900 und ihren Geheimnissen gefangen ist. Ein Film, der eher erlebt und gefühlt als nur betrachtet werden will.

Die Blu-ray von Picknick am Valentinstag erscheint bei Koch Media, die bekannt dafür sind, Filmklassiker besonders liebevoll wieder aufzulegen. Hier vorliegend haben wir die Single-Disc-Blu-ray, welche seitens der Bildqualität sehr knackige Farben vorweisen kann, jedoch in der Bildstabilität teils etwas unruhig ist. Der Sound liegt im DTS HD-Master Audio 2.0 vor. Die Single-Disc Edition hat im Bonusmaterial lediglich einen Trailer und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, die Special Edition mit drei DVDs und einer Blu-ray hat dann neben dem Director‘s Cut auch noch die Kinofassung, Interviews, einen Kurzfilm, ein umfangreiches Booklet und viele Extras mehr zu bieten.

Regisseur Peter Weir wurde 1944 in Sydney, Australien geboren. Hier studierte er Kunst und Jura, erlangte aber relativ schnell, nämlich direkt mit seinem zweiten Film Die Autos, die Paris auffraßen, seinen Durchbruch. Endgültig wurde er dann jedoch ein Jahr später mit seinem hier vorliegenden, modernen Klassiker Picknick am Valentinstag bekannt, und heimste sowohl vom Publikum als auch den Kritikern großes Lob ein.
Zwei Jahre später veröffentlichte er den visionären Die letzte Flut, und machte seinen Hauptdarsteller Richard Chamberlain (Die Dornenvögel) zum Star, genau wie er Mel Gibson 1981 durch die Filme Gallipoli und Ein Jahr in der Hölle (1982) nach seinem Mad Max – Erfolg seinen Ruf als Schauspieler weiter stärkte. Aber erst seine in den Vereinigten Staaten gedrehten Filme wie Der einzige Zeuge, Der Club der toten Dichter, Die Truman Show oder Master & Commander festigten den Ruf des Regisseurs, spirituelle, ernsthafte, philosophische Themen so in seine Filme zu integrieren, dass diese intellektuell fordernd sein können, aber trotzdem hervorragend unterhalten, und sich dabei aus inhaltlicher und formeller Sicht auf einem sehr hohen Niveau befinden, und verschafften ihm bis jetzt sechs Oscar-Nominierungen.
Nach knapp siebenjähriger Pause veröffentlichte Peter Weir 2010 seinen bisher letzten Film The Way Back – Der lange Weg.

Picknick am Valentinstag gilt zu Recht als einer der Meisterwerke des australischen Kinos, und wird wohl immer einer der Filme sein, die man nennt, wenn man von Peter Weir spricht (obwohl andere seiner Filme wesentlich erfolgreicher waren). Basierend auf den Roman von Joan Lindsey, gelingt ihm ein Geniestreich, einen Film zu kreieren, der so viel durch seine Bildästhetik aussagt, was weit über die tatsächliche Geschichte hinausgeht. Hier findet die Botschaft auf einer Metaebene statt, die von jedem Zuschauer anders gedeutet und interpretiert werden kann, und diesen Film deshalb so schwer greifbar macht.
Eine Atmosphäre, die mit traumwandlerischer Sicherheit das Gefühl vermittelt, auf Wolken zu schweben, ist latent mit einer Hysterie der erwachenden aber unterdrückten jungen Sexualität der Mädchen durchzogen. Die kreativen Techniken, mit denen er dieses Gefühl inszeniert, lassen bei dem Zusammentreffen von kindlicher Unschuld und heranwachsender Neugier eine spürbare Bedrohung entstehen, die nur schwer fassbar ist, beinahe wie eine dunkel Wolke, die am Himmel vorbeizieht.
Picknick am Valentinstag ist ein feinfühliger, subtil gedrehter Film über das heranwachsen, der dabei jedoch eine permanente Spannung aufzubauen weiß. Ein interessanter, überaus faszinierender Film, auf den es sich einzulassen lohnt!

Christian Funke-Smolka