"Pinocchio” (Capelight Pictures)

„Pinocchio” (Capelight Pictures)

Regie: Matteo Garrone

Darsteller: Federico Ielapi, Roberto Benigni, Rocco Papaleo, Massimo Ceccherini, Marine Vacth

Der Tischler Geppetto (Roberto Benigni) lebt einsam und zurückgezogen in einem kleinen Dorf in Italien. Ein vorbeiziehendes Marionettentheater bringt ihn auf die Idee, sich aus einem Stück Holz eine eigene Puppe zu schnitzen, die ihm Gesellschaft leisten soll. Schon bald nimmt der Klotz die Form eines kleinen Jungen an, der dann urplötzlich zum Leben erwacht. Der Tischler verkündet stolz, dass Pinocchio (Federico Ielapi), wie er den hölzernen Knaben tauft, sein Sohn sei. Damit der Junge eine gute Ausbildung bekommt, schickt Geppetto ihn zur Schule. Doch Pinocchio hat ganz andere Dinge im Kopf und reißt von zu Hause aus. Das freche Bürschlein stolpert daraufhin von einem Missgeschick ins nächste und muss – um zu seinem besorgten Vater zurückkehren zu können – eine Reihe aufregender Abenteuer bestehen.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Gepetto (Roberto Benigni) ist ein alter, vereinsamter und verarmter Mann, der mit Tischlerarbeiten versucht, sein Geld zu verdienen. Als er in den Besitz eines magischen Baumstamms kommt, schnitzt er aus dem Klotz eine filigrane Puppe, die plötzlich zum Leben erwacht. Überglücklich muss er jedoch schnell feststellen, dass Pinocchio (Federico Ielapi), wie er sie nennt, über einen eigenen Willen verfügt und dadurch von einem nicht immer ungefährlichen Abenteuer in das nächste gerät…

Pinocchio, die Kinderbuchfigur des italienischen Autors Carlo Collodi, geschrieben für eine italienische Wochenzeitung im Jahr 1881, wurde bereits für zahlreiche Verfilmungen genutzt (u.a. in dem im Jahr 2002 entstandenen Film Roberto Benignis Pinocchio, wo dieser noch die Titelfigur verkörperte). Die erste Verfilmung stammt gar aus dem Jahr 1911! Die aber wahrscheinlich schönste Adaption erscheint nun bei Capelight Pictures und wurde inszeniert von Matteo Garrone, der mit seinen Filmen   Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra und Dogman international für Aufmerksamkeit sorgte. Dass er sich jedoch auch auf Märchenfilme versteht, bewies er bereits 2015 mit seinem Beitrag Das Märchen der Märchen. Hier nun widmet er sich der populären Holzpuppe Pinocchio. Auffallend ist dabei der Fokus auf die liebevoll gestaltete Ausstattung und die detailverliebten Masken und Kostüme, bei der ungewöhnlich viel per klassischer Trick- und Maskentechnik durchgeführt und relativ wenig am Computer bearbeitet wurde. Für die Rolle des Puppenbauers Geppeto konnte man Oscarpreisträger Roberto Benigni gewinnen, der ihr bereits zum zweiten Mal in einer Verfilmung des Klassikers zu sehen ist. Die Rolle des Pinocchio wurde mit Jungdarsteller Federico Ielapi (Der Vollposten) besetzt. Visuell beeindruckend inszeniert, gleicht jede Einstellung und jede Sequenz einem Gemälde, welches liebevoll und in höchster Ästhetik konzipiert wurde. Dabei scheut sich Matteo Garrone nicht, die dunkle Note der Vorlage zu übernehmen, so dass der Film trotz sehr niedriger Freigabe für ein jüngeres Publikum eher ungeeignet ist. Episodisch werden die Abenteuer der Holzpuppe erzählt und ergeben so eine wunderschön gestaltete Parabel des Erwachsenwerdens, die sinnbildlich einen (man verzeihe mir das platte Wortspiel) Holzkopf zeigt, der naiv und dickköpfig seine Flausen auslebt und daran reift, ehe er zur Vernunft kommt und „Mensch“ wird. Garrones Pinocchio ist ein zauberhafter und malerischer Film, der einen ganz besonderen Charme entfaltet!  

Der mehrfach ausgezeichnete Pinocchio (Originaltitel: Pinocchio, Frankreich, Großbritannien und Italien, 2019) erscheint bei Capelight Pictures als DVD, Blu-ray, Video on Demand, sowie als wunderschön gestaltete 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (4K Ultra HD & Blu-ray, bzw. Blu-ray & DVD). Mir lag das Blu-ray/DVD-Mediabook zur Ansicht vor, welches mit Aufmachung und Ausstattung begeistern konnte. Die von mir getestete Blu-ray befand sich qualitativ in Bild (2,39:1/1080p) und Ton (Deutsch & Italienisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem sehr hohen Niveau. Im Bonusbereich gab es neben dem Filmtrailer und Programmhinweisen ein fünfminütiges Making-of. Das Sahnehäubchen dieser gelungenen Veröffentlichung ist das extradicke Mediabook, welches auf 64 Seiten neben Informationen zum Film, dem Regisseur und den Darstellern noch zahlreiche Filmbilder, einem Essay zur Vision des Regisseurs phantastische Illustrationen von Enrico Mazzanti, Konzeptideen, Designentwürfe die Szenografie und die Entwürfe der Puppen zeigt. Insgesamt eine wirklich wunderschöne und lohnenswerte Edition!

Mit Pinocchio liefert Matteo Garrone eine zeitgemäße Adaption des Märchenklassikers, die neben den sehr guten Schauspielern speziell durch ihre liebevolle Ausstattung und den atemberaubenden Masken und Kostümen besticht. Ein optisches Fest der Phantastik, welches die Zuschauenden an magische und verwunschene Orte reisen lässt und einen für zwei Stunden aus der Realität entführt. Kein klassischer Kinder-, sondern eher ein märchenhafter Film für ein älteres Publikum!

Christian Funke