PRIEST OF EVIL (Ascot Elite)

PRIEST OF EVIL (Ascot Elite)

IM DIENSTE DES TEUFELS

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Zwanzig Jahre lang war das finnische Gesetzbuch die Bibel von Kommissar Timo Harjunpää. Jetzt soll der Mörder, der seine Tochter erschlagen hat, nach nur zwei Jahren aus der Haft entlassen werden. Rachefantasien quälen seitdem den szenenbild_4erfahrenen Ermittler. Wenn er ihnen nachgibt, wäre es das Ende seiner Polizeilaufbahn. Mitten in seine persönliche Hölle bricht ein spektakulärer Fall. In Helsinkis U-Bahn-Tunneln geht ein Killer um, der Menschen vor den Zug stößt und etwas von Erlösung murmelt. Die Nachforschungen führen Harjunpää in die religiöse Wahnwelt, die der Täter sich erschaffen hat. Er ahnt nicht, dass seine Frau Elisa in ihrer Trauer auf einem Weg ist, der sich bereits mit dem des Killers überschnitten hat …

PRIEST OF EVIL ist ein Endzeit-Thriller, so düster und kalt wie ein finnischer Wintertag und gleichzeitig voller aufbrausender Gefühle und atemloser Spannung. Die literarische Vorlage lieferte einer der berühmtesten Krimiautoren Finnlands: Matti Yrjänä Joensuu. Seine Romane um den Polizisten Timo Harjunpää finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten wieder. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt und haben auch in Deutschland ihr Publikum gefunden. Der 2011 überraschend verstorbene Joensuu kannte die Materie, denn er war nicht nur Autor sondern auch Ermittler in der Abteilung für Gewaltdelikte der Polizei von Helsinki. PRIEST OF EVIL ist kein geradlinig erzähltes Whodunit-Movie. Regisseur Olli Saarela setzt vielmehr mit schnellen Schnitten aus vielen kleinen atmosphärisch dichten Puzzlestücken das grauschwarze Bild gleich mehrerer gequälter Seelen und ihrer Geschichten zusammen: Der Ermittler, seine Familie, der Mörder seiner Tochter, der Serienkiller und dessen Opfer. Die Grundstimmung dieses Thrillers ist düster, aber zutiefst faszinierend. PRIEST OF EVIL ist eine nervenzerreißende Reise in den Untergrund, der in seiner Stimmung an die Filme David Finchers erinnert. Die Hauptrolle besetzte Filmemacher Saarela mit dem finnischen Schauspiel-Star Peter Franzén (TRUE BLOOD). Mit unglaublicher Intensität und Glaubwürdigkeit spielt er den Gesetzeshüter auf seinem persönlichen Rachefeldzug.

Meinung zum Film:

PRIEST OF EVIL ist ein weiterer Beweis, dass der skandinavische Thriller über dem durchschnittlichen Krimi-Niveau anzusiedeln ist. Die Mischung aus guten und meistens authentisch wirkenden Darstellern, einer düsteren und szenenbild_1intensiven Inszenierung so wie einer dichten Story bieten hier eine sehr interessante Romanadaption, die knapp zwei Stunden zu fesseln vermag. In Helsinki spielend vermitteln die unterkühlt arrangierten Bilder, die in einer teils faszinierenden Form zusammengefügt wurden, dem Zuschauer direkt einen Blick auf das Szenario, welches ihn die nächsten zwei Stunden erwartet. Die Mischung aus Thriller und Drama nimmt dem Film zwar in der ersten Hälfte ein wenig das Tempo, führt dabei aber zu einer höheren Identifikation mit den Figuren. Hier hätte man aber trotzdem noch ein wenig mehr am Drehbuch feilen können, denn teilweise wirken die losen Fäden, die man am Ende zusammenfügt, ein wenig undurchdacht. Dies ändert jedoch wenig an der durchgängig gelungenen Atmosphäre des Films, und der damit verbundenen unterkühlt-unangenehmen Grundstimmung.

Die Blu-ray PRIEST OF EVIL wird von Ascot Elite uncut als Veröffentlichung für ein erwachsenes Publikum herausgebracht. Bild und Ton sind auf einem sehr hohen Niveau und bringen die düstere Grundstimmung und die bedrohliche Atmosphäre hervorragend zur Geltung. Der Bonussektor bietet lediglich eine Programmübersicht und einen Originaltrailer.

Freunde düsterer Thriller sind mit dem vorliegenden finnischen PRIEST OF EVIL hervorragend beraten. Auch wenn die Auflösung der Geschichte noch ein wenig mehr Feintuning bedurft hätte (da mit der hier gewählten Variante die Wirkung ein wenig verpufft), bietet der Film über seine gesamte Laufzeit spannende und dreckig-düstere Unterhaltung, die lobenswerter Weise weniger auf visuelle Gewalt setzt als vielmehr mit der Phantasie des Zuschauers spielt und mit überzeugend agierenden Schauspielern punktet.

Christian Funke-Smolka